Größter Einsatz der RSU-Kräfte

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Die Soldaten der RSU-Kompanie Sachsen unterstützen die Fallwildsuche an der deutschpolnischen Grenze. (Foto: Anne Weinrich/SKB)

Eine Seuche ist der Grund für den bisher größten Einsatz von Soldaten der Regionalen Sicherungs- und Unterstützungskompanien (RSU) seit ihrem Bestehen. Allerdings nicht Corona, sondern die Afrikanische Schweinepest. Im Gegensatz zu Corona ist diese für die Schweine fast immer tödlich.

Auch bei der Bekämpfung der Schweinepest helfen Soldaten. “Die 30 RSU-Kompanien der Bundeswehr sind nichtaktive Bestandteile der Territorialen Reserve für den regionalen Heimatschutz. Sie gehören zur Streitkräftebasis und werden durch das Landeskommando des jeweiligen Bundeslandes geführt”, beschreibt die Streitkräftebasis (SKB). “In den RSU-Kompanien leisten Soldatinnen und Soldaten der Reserve aller Dienstgradgruppen und Uniformträgerbereiche freiwillig Dienst mit regionalem Bezug zu ihrem Bundesland. Im Rahmen der zivil-militärischen Zusammenarbeit können die RSU-Kompanien durch die jeweiligen Landeskommandos zu unterstützenden Hilfeleistungen im Katastrophenfall herangezogen werden.” Insgesamt 198 Soldaten sind aktuell an der Ostdeutschen Grenze Richtung Polen unterwegs.

“Auch im Hilfseinsatz gegen die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest unterstützen unsere Soldatinnen und Soldaten auf allen Ebenen flexibel, reaktionsschnell und durchhaltefähig”, sagte Generalleutnant Schelleis, Inspekteur der Streitkräftebasis, bei seinem Besuch der eingesetzten RSU-Kräfte im Landkreis Märkisch-Oderland.

Einer der Hauptschwerpunkte ist das Durchkämmen der Wälder auf der Suche nach toten Wildschweinen, die dann gemeldet und durch die Landkreise eingesammelt und untersucht werden. Die Soldaten führen dabei keine Waffen mit sich. Sie wären auch nicht berechtigt kranke Tiere zu töten, da dies eine besondere jagdliche Ausbildung erfordert. Bisher wurden in vier Landkreisen insgesamt 184 tote Wildschweine entdeckt. Mehr Landkreise sind aktuell noch nicht betroffen.

Ein weiterer Schwerpunkt ist der Bau von Zäunen, um die Verbreitung einzudämmen. So werden beispielsweise am Truppenübungsplatz Oberlausitz – der durch seine herausragend intakte Natur bekannt ist, auch die ersten deutschen Wölfe siedelten sich hier an – aktuell Zäune errichtet, um das Durchziehen der Wildschweine zu verhindern.

Über 90 Prozent der infizierten Schweine sterben an dem Virus, auf Menschen ist er nicht übertragbar. Bisher wurden in Deutschland nur infizierte Wildschweine gefunden. Nun könnte man sagen, schade für die Schweine, nach der Theorie der Herdenimmunität wird sich das Problem aber irgendwann von selbst erledigen. Diese Gedanken sind aus zwei Gründen nicht richtig.

Erstens zeigt die Geschichte, dass sich dieses Virus nicht von alleine erledigt. In den 60er Jahren brach die Afrikanische Schweinepest bereits in Spanien und Portugall aus. Es brauchte 30 Jahre, bis die beiden Länder sie wieder loswurden.

Das Problem liegt in der hohen Überlebensfähigkeit des Virus. Wie der Behörden Spiegel vom Friedrich-Loeffler-Institut – dem deutschen Institut für Tiergesundheit – erfahren konnte, hält sich der Erreger Jahre bis Dekaden in Kadavern. Dies gilt auch für Schweineprodukte. Etwa in Schinken konnten nach sechs Monaten noch aktive Viren nachgewiesen werden. Nur das Kochen der Lebensmittel ist absolut zuverlässig. Auch wenn Wildschweine keine Kannibalen sind, kauen Frischlinge durchaus schon mal auf im Wald liegenden Knochen. Selbst in deren Mark können sich nach der Skelettierung des Tieres noch aktive Viren befinden.

Der zweite Grund ist ein Wirtschaftlicher. In Deutschland ist der Ausbruch regional begrenzt, Hausschweine sind nicht infiziert. Allerdings machen viele Länder ihre Grenzen für Schweineprodukte komplett dicht, sobald in einem Land die Afrikanische Schweinepest ausgebrochen ist. China beispielsweise.

China hat über die Hälfte seiner Hausschweine durch diese Krankheit verloren. Deutsche Schweinebauern und -verwerter verdienten sich deshalb Anfang des Jahres eine goldene Nase mit dem Export ins Reich der Mitte. Damit war nach dem ersten Fall Afrikanischer Schweinepest am 8. September 2020 in Sempten sofort Schluss. Angesichts der langen Haltbarkeit des Virus ein verständliches, aber wirtschaftlich ungünstiges Verhalten. Bis auf andere Länder in der EU – das eine Regionalisierung der Restriktionszonen kennt – will aktuell kaum noch jemand Schwein killed in Germany.

Einen wirklichen Durchbruch könnte auch bei dieser Pandemie nur ein Impfstoff bringen, der mittels Lockködern in die Wildschweine gelangt. An dem wird allerdings schon seit Jahrzehnten geforscht und auch wenn es ein paar aussichtsreiche Kandidaten gibt, blieb ein wirklicher Erfolg bisher aus. Es helfen also nur Zäune und das Sammeln der Kadaver.

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