Kommunen digitalisieren im Corona-Jahr verstärkt

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(Grafik: Bitkom Research 2020)

Eine repräsentative Umfrage bestätigt, was viele Kommunalvertreter und Branchenkenner seit Monaten von den Dächern rufen: Die Corona-Krise ist ein Digitalisierungstreiber für die Städte und Gemeinden. Das sehen 88 Prozent so. Immerhin die Hälfte plant trotz knapper Kassen, ihr Digitalbudget für 2021 zu erhöhen. Eine Kürzung will nur ein Prozent.

Befragt wurden Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sowie Digitalisierungsverantwortliche in über 600 Kommunen durch den Deutschen Städte- und Gemeindebund und den Digitalbranchenverband Bitkom. In der Krise hätten die Städte und Gemeinden, insbesondere Gesundheitsämter und Ordnungsbehörden stark unter Druck gestanden und Handlungsfähigkeit gezeigt, lobt Dr. Gerd Landsberg Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes. “Die kommunale Selbstverwaltung hat sich bewährt. Während der ersten Phase der Pandemie haben digitale Technologien maßgeblich dazu beigetragen, dass die Kommunen ihren Betrieb aufrechterhalten konnten.” Die Krise habe den Nutzen und die Vorteile der Digitalisierung deutlich gemacht. Nun müsse es gelingen, sie auch nach der Krise weiter voranzubringen.

Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder ergänzt: “Viele Städte und Gemeinden legten den Schalter auf Digitales Rathaus um. Das lief nicht immer reibungslos, aber die Erkenntnis war überall gleich: Die Digitalisierung ist weder Spielerei noch Luxus, sondern ein Pflichtprogramm für den gesamten öffentlichen Sektor.” Jetzt sei der Moment den Schwung mitzunehmen und weiter Tempo zu machen.

Die Zeichen dafür stehen gut. 96 Prozent der Kommunen sehen die Digitalisierung als Chance. Allerdings zeigt sich noch viel Nachholbedarf. 6 von 10 Kommunen sehen sich eher als Nachzügler, 7 Prozent geben sogar an, den Anschluss verpasst zu haben. Ein zentrale Digitalstrategie haben sich bisher nur 8 Prozent geben, ein Drittel erarbeitet derzeit eine. 13 Prozent haben zumindest eine sektorale Strategie und weitere 23 Prozent wollen eine einführen. Ein Fünftel der Befragten sehen in einer Digitalstrategie jedoch überhaupt kein Thema für sich. Das betrifft vor allem kleine Kommunen mit weniger als 5.000 Einwohnern.

Homeoffice spaltet die Geister

Die Hälfte der befragten Kommunen bietet einem Teil ihrer Beschäftigten Homeoffice an, sofern die Tätigkeiten dafür geeignet sind. Die andere Hälfte schließt das kategorisch aus. Auch in Zukunft wollen noch 37 Prozent bei der Präsenzarbeit für alle bleiben. Begründet wird die Ablehnung von Homeoffice mit fehlender technischer Ausstattung (40 Prozent), fehlenden Finanzmitteln (24 Prozent), Mangel an Know-how (20 Prozent) und Datenschutzbedenken (21 Prozent). Außerdem befürchtet ein Fünftel schlechtere Arbeitsabläufe und -ergebnisse.

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