Diskussion um die G36-Nachfolge

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(Screenshot: BS/Frank)

Vergangene Woche veranstaltete der Behörden Spiegel eine Online-Diskussionsrunde zum neuen Standard-Sturmgewehr der Bundeswehr, oder vielmehr zum Sachstand des Beschaffungsprozesses sowie zu den Lehren für künftige Beschaffungen. Dabei zeigte sich, dass sich die Experten in zwei Lager teilten.

Während der Bundestagsabgeordnete Dr. Tobias Lindner sowie der Journalist Lars Petersen, Ressortleiter Politik bei Business Insider Deutschland, die Ansicht vertraten, dass nur ein Abbruch der aktuellen Beschaffung und somit ein neuer Ansatz zum tatsächlich besten Sturmgewehr für die Soldaten führen wird, sagte der Rechtsexperte Prof. Dr. Heiko Höfler, Partner bei OPPENHOFF & PARTNER, dass mit einem Abbruch auch der Zeitverzug so groß wird, dass die Bundeswehr dadurch in absehbarer Zeit überhaupt kein neues Sturmgewehr erhalten wird.

Auch die Entstehung dieses Beschaffungsvorganges scheint dabei untersuchungswürdig zu sein. Alle Diskutanten waren sich darin einig, von Soldaten nur Gutes über das G36 gehört zu haben. Egal ob im Einsatz oder in der Ausbildung. Zur Lage, als die damalige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen im Jahr 2025 die Beschaffung eines neuen Standard-Sturmgewehres aufgrund angeblicher Mängel am G36 beschloss, bemerkte Dr. Lindner: “Ich hatte damals die Wahrnehmung, als peitsche man sich gegenseitig hoch.”

Bezüglich der Ausschreibung an sich steht zudem ein schwerer Vorwurf im Raum. “Wir haben viele Akten erhalten und konnten uns von der Papierlage ein gutes Bild machen”, so Petersen. “Man hat versucht ganz gezielt Heckler & Koch aus dem Rennen zu werfen.”

Einig waren sich die Diskutanten allerdings bei den zu großen Zeiträumen, die Beschaffungen in Deutschland in Anspruch nehmen. Auch Lösungsmöglichkeiten kamen zur Sprache.

Die gesamte etwa einstündige Diskussion ist hier kostenlos abrufbar: www.digitaler-staat.online

1 Kommentar

  1. Das ganze Vergabeverfahren war sinnlos.
    1. Das G36 ist eine gute Waffe, deren neuere Versionen zeigen, das die Plattform modernisierungsfähig ist.
    2. Die Anforderungen für den G36 Nachfolger zielten bezüglich Reichweite und Treffergenauigkeit im Einzelschuss ganz eindeutig in Richtung auf das schwerere Kaliber 7,62 x 51. Allerdings war dies nach dem Stand der Technik mit dem geforderten geringem Gewicht nicht realisierbar. So blieb nur die 5,56×45 Patrone als Möglichkeit. Diese unterliegt systembedingt Einschränkungen beim Schuss auf große Entfernungen und muss in der Kampfgruppe mit einem DMR (Designated Marksman Rifle) ergänzt werden, um hier zu den erwünschten Fähigkeiten zu kommen. Um sowohl die Anforderungen hinsichtlich Führigkeit und Reichweite gemeinsam erfüllen zu können, wäre ein ganz neues Kaliber notwendig gewesen. Die Fachwelt tendiert hier zum Kaliber 6,5 mm, zum Beispiel in der Ausführung 6,5×39 (Grendel). Dieses bietet eine gute Treffergenauigkeit bis 1000m bei gleichzeitig relativ geringem Rückstoß und der Möglichkeit bestehende Gewehre im Kaliber 5,56 durch Austausch von Lauf und Verschluss auf das neue Kaliber umrüsten zu können. Auch die Ausführung als Bullpub wäre dann eine Erwägung wert gewesen, da dieses Kaliber bei kurzen Lauflängen an Effektivität verliert. So ein Gewehr hätte die internationale Fachwelt aufhorchen lassen und den deutschen Infanteristen mit einzigartigen Fähigkeiten im Feuerkampf versehen.

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