Vielfältiger Schatz

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Bunte Vielfalt: Bei den Kommunen liegen in großem Umfang und unterschiedlichsten Formaten Daten von Bürgern und Unternehmen vor. Durch eine intelligente Verknüpfung lassen sich hier über die Schaffung kommunaler Datenplattformen enorme Mehrwerte generieren. (Foto: Coco Zinva, pixabay.com)

“Daten sind das neue Öl”, heißt es mit Blick auf die beachtlichen Wertschöpfungspotenziale, die in der Nutzung und noch mehr in der Verknüpfung vorhandener Datenressourcen liegen. So schief dieses Bild auch sein mag, denn anders als der Rohstoff Erdöl sind die weltweiten Datenvorkommen weder abnehmend noch endlich, steigt auch in den Kommunen das Bewusstsein für den Wert der eigenen Daten. So entstehen in Städten, Gemeinden und Landkreisen vielerorts in Form von Dateninfrastrukturen kleine, aber auch größere digitale Ökosysteme, die vor Ort Mehrwerte schaffen und Effizienzpotenziale heben sollen.

Bei der Stadt Leipzig hat man ein Konzept für den Aufbau einer urbanen Datenplattform erarbeitet, wie Dr. Beate Ginzel, Leiterin Digitale Stadt, Stadt Leipzig, im Rahmen einer Online-Diskussionsrunde zum Thema “Daten als Ressource” auf Digitaler Staat Online erörterte.

Bevor man sich in ein derartiges Projekt begibt, ist es wichtig, unter den beteiligten Akteuren ein gemeinsames Verständnis davon herzustellen, was diese Plattform ist, was sie leisten soll und wo Herausforderungen liegen. In Leipzig wurde daher zwischen der Stadt und den ebenfalls in das Projekt involvierten städtischen Beteiligungen – der sogenannten “Leipziger Familie” – eine Art “Memorandum of Understanding” niedergeschrieben und beschlossen.

Man sei sich bewusst, so Ginzel, dass man als Stadt auf einem großen Datenschatz sitze, den man nutzen könne, um auch lokal Wertschöpfungsketten, Innovation und Wissenschaft in der Stadt zu stärken.

Eine gute Datenvisualisierung könne mit Blick auf die öffentliche Verwaltung die Entscheidungsprozesse auf allen Ebenen verbessern – von der Arbeitsebene bis hoch zum Oberbürgermeister

Zudem ist man in Leipzig derzeit dabei, eine gesamtstädtische Digitalstrategie zu erarbeiten, deren Ziele auch über ein besseres Datenmanagement erreicht  werden sollen.

Noch eine Besonderheit in Leipzig: Die urbane Datenplattform wird ab 2021 gemeinsam mit den Städten München und Hamburg entwickelt, wobei in diesem übergreifenden Modell jede Stadt vom eigenen Entwicklungsstand aus an dem Projekt mitarbeiten wird. Kernziel dieses im Rahmen der vom Bundesinnenministerium geförderten Initiative “Modellprojekte Smart City” durchgeführten Projekts ist die Vernetzung urbaner Datenplattformen.

Über Stadtgrenzen hinweg

Doch auch aktuell gibt es bereits Angebote, die sich schon großer Nachfrage erfreuen, wie etwa das Corona-Dashboard, welches u. a. aktuelle Daten zur Zahl der Infektionen und der Auslastung der Krankenhäuser liefert. Auch werden die Kontrollbesuche in Quarantänehaushalten über eine entsprechende Datenbasis optimiert.

Zudem läuft derzeit ein Projekt mit einem Start-up zu Radverkehrsflüssen in der Stadt. Dies dient auch als Test, um zu erproben, wie man Sensordaten in das System integriert. In Leipzig will man die urbane Datenplattform aber auch über die Stadtgrenze hinaus denken und aufbauen, da durch die Vernetzung im regionalen Kontext zusätzliche Mehrwerte entstehen.

Vorarbeit bei Datenqualität und -management

Vielen Kommunen, die Interesse an der Schaffung entsprechender Dateninfrastrukturen haben, fehlt zu Beginn der Überblick, was an Daten tatsächlich vorhanden ist und was in welcher Form gebraucht wird. Mit Blick auf Datenqualität und Datenmanagement ist somit einige Vorarbeit zu leisten. Diese Erfahrung hat Dr. Katrin Schleife gemacht, die als Smart-City-Expertin bei Fujitsu bereits zahlreiche Kommunen insbesondere bei derartigen Projekten im Verkehr- und Mobilitätsbereich beraten hat. Mit dem Sammeln von Daten allein sei es nicht getan.

Vernetzte kommunale Datenräume könnten auch einen wesentlichen Beitrag zur Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse leisten, wie Christian Stuffrein, Referent für Digitalisierung beim Deutschen Landkreistag, im Rahmen der DSO-Diskussion aufzeigte. Einfach mal klein anfangen und dann “in die Skalierung” gehen, lautet dabei die Devise. Dies zeigen auch verschiedene Projekte aus dem Bereich der Landkreise:

NAV4BLIND

NAV4BLIND ist eine digitale Navigationshilfe für blinde und sehbehinderte Menschen, die im Kreis Soest zum Einsatz kommt. Mithilfe einer besonderen App wird eine hochgenaue Fußgängernavigation für blinde Menschen ermöglicht. Satellitengestützte und zentimetergenaue Navigation sowie zusätzliche topografische Geodaten helfen der Zielgruppe, sicher über Gehwege und sonstige begehbare Wege zu gelangen. Durch permanente satellitengestützte Ortung erhalten die Nutzer entsprechende Anweisungen, um ein zuvor eingegebenes Ziel zu erreichen.

IoT-Netzwerke für Landkreise

Verschiedene Landkreise planen die Errichtung eines landkreisweiten, flächendeckenden IoT-Netzwerks (Internet of Things) auf Basis von LoRa-WAN (Long Range Wide Area Network). Hierdurch soll für die Landkreise, interessierte Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und die öffentliche Verwaltung eine Infrastruktur geschaffen werden, mit der das Internet der Dinge greifbar wird und aus der sich durch die Nutzung sensorgestützter Anwendungen ein direkter Mehrwert ableitet.

Metropolatlas Rhein-Neckar

In der Metropolregion Rhein-Neckar hat man in den vergangenen Jahren in Eigenregie auf Open-Source-Basis den Metropolatlas Rhein-Neckar aufgebaut. Der Source-Code wurde mittlerweile veröffentlicht und steht somit auch anderen Kommunen frei zur Verfügung. Denn solche Portale müsse man nicht selbst aufbauen und könne dies oftmals auch nicht, da entsprechende Ressourcen und Kompetenzen fehlten, so MRN-Experte Heinrich Lorei.

Der Schlüssel zum Erfolg kommunaler Datenplattformen liegt   also, wie häufig bei der Digitalisierung, in der intensiven Kooperation der Stakeholder.

Ein Video der Diskussion ist unter www.digitaler-staat.online/mediathek verfügbar.

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