Gewalt nimmt immer weiter zu

0
1745
Peter Pytlik ist der neue Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Bayern. (Foto: BS/GdP Bayern)

Die Polizei wird von mehreren Seiten aus attackiert. Zum einen wird ihr latenter Rassismus unterstellt. Zum anderen werden die Beamten im Einsatzalltag angegriffen. In Bayern hat die Zahl der Übergriffe einen neuen Rekordwert erreicht. Darüber und über seine Agenda als neuer Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) im Freistaat sprach der Behörden Spiegel mit Peter Pytlik. Das Interview führte Marco Feldmann.

Behörden Spiegel: Vor welchen aktuellen Herausforderungen steht die Bayerische Polizei?

Peter Pytlik: Vor allem im letzten Jahr wurde von einigen Medien und auch durch einige Teile der Politik versucht das Bild der Polizei in der Öffentlichkeit abzuwerten. Immer wieder kommen die Vorwürfe des latenten Rassismus innerhalb der Polizei auf. Uns ist es wichtig, das Ansehen der Polizei wieder ins richtige Licht zu rücken. Nicht vergessen darf man in diesem Zusammenhang auch die steigende Gewaltbereitschaft, die unseren Kollegen widerfährt. So kam es im Jahr 2019 zu 7.959 Fällen von verbaler und körperlicher Gewalt. Die Mehrheit, insgesamt 4.501, waren Fälle der körperlichen Gewalt. Das ist ein neuer Höchststand.

Behörden Spiegel: Was ist dagegen zu tun?

Pytlik: Gewalt gegen Einsatzkräfte muss immer wieder öffentlich gemacht und dort geächtet werden. Außerdem kommt es darauf an, kontinuierlich auf die Schwierigkeiten des Polizeiberufs aufmerksam zu machen. Die flächendeckende Einführung der Bodycam bei der Bayerischen Polizei wird uns im Kampf gegen Attacken auf meine Kolleginnen und Kollegen helfen, davon bin ich überzeugt.

Behörden Spiegel: Welche Auswirkungen hatte die Corona-Pandemie auf die Bayerische Polizei?

Pytlik: In Zeiten der Corona-Pandemie ist die Polizei mehr denn je gefordert. Zu den bereits bestehenden Aufgaben gilt es Corona-Regeln zu überwachen und sie durchzusetzen. Zudem bindet der Einsatz der Unterstützungskräfte im Gesundheitsamt Personal, das an anderen Stellen dringend benötigt wird. Auch vor uns als Bayerische Polizei macht Corona nicht halt.

Behörden Spiegel: Welche Ziele haben Sie als neuer Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei in Bayern? Welche Projekte Ihres Vorgängers Peter Schall möchten Sie fortsetzen, welche neuen Akzente setzen?

Pytlik: Gemeinsam mit meinen Vorständen möchte ich alles unternehmen, um die Bayerische Polizei weiter nach vorne zu bringen und auch das Ansehen in der Öffentlichkeit weiter zu stärken. Unsere Kolleginnen und Kollegen verdienen Respekt, Anerkennung und Wertschätzung. Deshalb hat die GdP eine Kampagne “100% Einsatz verdienen 100 % Einsatz” vorbereitet. Unserer Forderung nach Wertschätzung ist aufgrund der steigenden Gewaltbereitschaft wichtiger denn je. Den Start der Kampagne mussten wir angesichts der aktuellen Entwicklung der Corona-Pandemie verschieben.

Behörden Spiegel: Wie stehen Sie zu den derzeit diskutierten Änderungen im Bayerischen Polizeiaufgabengesetz?

Pytlik: Die jetzt diskutieren Änderungen sind Anregungen der PAG-Kommission, die eine Nachbesserung des PAG vorsehen. Zum Schutz unserer Kolleginnen und Kollegen ist es immens wichtig, ihnen durch eindeutige und klare gesetzliche Grundlage, Rechtssicherheit zu geben. Grundsätzlich sind wir als GdP zufrieden. Was wir im Interesse der Gefahrenabwehr und auch im Bereich der Strafverfolgung noch benötigen, ist eine längere Mindestspeicherdauer von Telekommunikationsdaten. Hier soll eine europaweite Regelung kommen, die auch verfassungsmäßig ist.

Behörden Spiegel: Was halten Sie von der Bayerischen Grenzpolizei?

Pytlik: Wir begrüßen natürlich den Aufwuchs der Polizei in Bayern. Jedoch hätten wir diesen lieber in der Fläche und nicht bei der Grenzpolizei gesehen. Der Grenzschutz ist die originäre Aufgabe der Bundespolizei.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here