Die Planungen des Heeres

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(Foto: Bundeswehr/Konstatin Kiesel)

In einem Artikel auf www.bundeswehr.de gibt der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Alfons Mais, Einblicke in die aktuellen Planungen und Vorhaben. Eine überaus wichtige Rolle kommt dabei nach wie vor der Vorbereitung auf die VJTF 2023 zu, wobei bereits heute absehbar sei, dass nicht alle Ziele erreicht werden können. “Entgegen unserer ursprünglichen Absicht werden wir aber erneut nicht ganz ohne Materialverschiebungen auskommen. Dies wird jedoch mit Augenmaß erfolgen, zeitliche Priorisierungen berücksichtigen und sich zudem auf jene Bereiche beschränken, die zur Auftragserfüllung unverzichtbar sind. Damit wird der Umfang von Materialverschiebungen absehbar deutlich geringer ausfallen als noch bei der VJTF (L) 2019”, so der Inspekteur.

Allerdings seien für die VJTF (L) 2023 deutliche Verbesserungen in der Ausstattung zu erwarten. “Durch die Ausstattung mit dem neuen Battle Management System verfügt die Brigade 37 zukünftig unter anderem über ein ebenenübergreifendes einheitliches Lagebild von der mobilen Plattform bis in die Gefechtsstände. Damit sind deutliche Fortschritte in der Führungsfähigkeit verbunden. Auch mit der Einplanung des Kampfpanzers Leopard 2A 7V machen wir einen Sprung im Bereich der Durchsetzungsfähigkeit. Zudem besteht unverändert die Absicht, die VJTF (L) 2023 mit dem Schützenpanzer Puma im Konstruktionsstand VJTF auszustatten. Fortschritte bei der Abstellung von Mängeln und eine gestiegene Einsatzbereitschaft machen optimistisch, dass wir gemeinsam mit der Industrie die dafür notwendigen Voraussetzungen bis zum Frühjahr schaffen können.”

Mais konstatierte: “Wir sind aber noch nicht am Ziel. Fest eingeplante Projekte, wie die qualifizierte Fliegerabwehr zur Abwehr unbemannter Luftfahrzeuge (Unmanned Aerial Vehicle – UAV) sowie das Projekt HUSAR (Hocheffizientes Unbemanntes System zur Aufklärung mittlerer Reichweite) zur Verbesserung der Aufklärungsfähigkeit, werden voraussichtlich nicht mehr zeitgerecht zu Beginn des VJT -Auftrages zur Verfügung stehen.

Die unverändert ausstehende Abwehr der Bedrohung durch Klein- und Kleinstdrohnen ist dabei besonders kritisch. Bereits mit geringem Mitteleinsatz können durch potenzielle Gegner hochwertige Ziele – zum Beispiel eigene Waffensysteme, Logistik oder Gefechtsstände – unbemerkt und ungehindert aufgeklärt und durch hochpräzise Bekämpfung mit weitreichenden Waffen nachhaltig ausgeschaltet werden. Der jüngste Konflikt in Bergkarabach hat dies erneut wie durch ein Brennglas anschaulich verdeutlicht. Wer den gegnerischen Sensor- und Wirkungsverbund, insbesondere im bodennahen Luftraum, nicht nachhaltig bekämpfen kann, verliert Menschenleben und Hochwertgerät. Diese Bedrohung wächst tendenziell auch in unseren mandatierten Auslandseinsätzen.

Es wird daher mit Blick auf die VJTF (L) 2023, aber auch aufgrund der absehbaren Bedrohung im Internationalen Krisenmanagement, von entscheidender Bedeutung sein, das bereits vor Jahren eingeleitete Projekt der qualifizierten Fliegerabwehr mit größtmöglichem Nachdruck ins Ziel zu führen. Das Heer muss schnell und wirkungsvoll die Fähigkeitslücke zur Abwehr von UAV schließen. Dies gilt umso mehr, als das auch unsere NATO -Partner derzeit über keine entsprechende Befähigung verfügen, welche die Fähigkeitslücke in der VJTF (L) 2023 kompensieren könnte. Es kommt also 2021 darauf an, mit allen an der Realisierung beteiligten Stellen der Industrie, des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung und des Heeres die bestehenden Hürden zu überwinden und eine schnelle Realisierung der qualifizierten Fliegerabwehr zu erreichen. Das Ergebnis, nicht der Prozess, muss für alle im Vordergrund stehen.

Von ähnlicher Bedeutung ist das Projekt HUSAR, das bislang ebenfalls durch diverse Projektverzögerungen gekennzeichnet war und risikobehaftet bleibt. Sollte das Projekt – oder eine entsprechende Alternative – nicht zeitnah realisiert werden können, bedeutet dies für das Heer den zukünftigen Verlust der unbemannten luftgestützten abbildenden Aufklärung – ein eklatanter Mangel im eigenen Sensor- und Wirkungsverbund. Für die VJTF (L) 2023 kann die Fähigkeit eingeschränkt noch mit dem Kleinzielortungsgerät (KZO) der Artillerietruppe bereitgestellt werden. Das am Ende seiner Nutzungsphase stehende KZOK ist für die Division 2027 allerdings keine Option mehr.”

Der Inspekteur betonte, dass die Vorbereitung auf die VJTF 2023 zwar aktuell den Schwerpunkt bilde, dabei allerdings nur als ein erster Baustein auf dem Weg zu einsatzfähigen Streitkräften seien. Ziel müsste die langfristige Modernisierung der gesamten Streitkräfte sein, um in der Landes- und Bündnisverteidigung bestehen zu können.  “Der planerische Schwerpunkt des Heeres bleibt auch in 2021 die sogenannte Division 2027, die Deutschland der NATO ab dem Jahr 2027 zugesagt hat”, betonte Mais. “Diese Division ist aufgrund der Bedeutung für die Verteidigungsfähigkeit der NATO auf mittlere Sicht der Lackmustest für die eingegangenen Bündnisverpflichtungen und wird auch eine entscheidende Funktion für Deutschlands Rolle als Rahmen- und Anlehnungsnation in der multinationalen Zusammenarbeit einnehmen. Sie bildet den notwendigen Rahmen, damit sich auch kleinere europäische Nationen mit ihren Kräftebeiträgen sinnvoll auf der Ebene der Division einbringen können und ein militärisch wirksamer Großverband entsteht. Das Heer leistet damit nicht zuletzt einen wirksamen Beitrag zur Festigung des europäischen Pfeilers im Bündnis.”

Der vollständige Artikel von Generalleutnant Mais ist hier abrufbar.

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