Alarme priorisieren

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Brandalarme, die durch Feuerwarnmelder bekanntgemacht werden, müssen im Ernstfall gegebenenfalls niedriger priorisiert werden als Amokalarme. (Foto: BS/Bruno/Germany, pixabay.com)

Bei Amok- und Terrortaten müssen nicht nur Menschen richtig handeln, um sich effektiv zu schützen. Es kommt auch auf die Technik an. Ist diese nicht richtig eingestellt oder nicht modern genug, drohen auch im Rahmen von Evakuierungen Gefahren. Dies fokussiert sich dann besonders auf die Sammelplätze. Hier kann es zu weiteren Taten kommen.

Um das zu verhindern, sollte die in öffentlichen Gebäuden verbaute Anlagentechnik in der Lage sein, Amokalarme höher zu priorisieren als Brandalarme. Hier brauche es entsprechende Gewichtungen und Einstellungen, fordert Marc Weichhan. Denn ansonsten würden Probleme und Bedrohungen aus den Gebäuden hinaus vor die Liegenschaften verlagert, so der Brandschutzbeauftragte und -fachplaner. Darauf würden Amokläufer, die ihre Taten in der Regel lange planten, dann aber schnell und rücksichtlos handelten und den eigenen Tod billigend in Kauf nähmen, durchaus setzen. Und es gebe bei diesen sogenannten kalten Aggressionen noch ein Problem: Nachahmungstaten aufgrund intensiver Medienresonanz für die Ursprungstat sowie wegen einer Bewunderung und Heroisierung des Amokläufers. Hinzu komme, so Weichhan, dass bei diesen Tätern zahlreiche Warnsignale im Vorfeld des Amoklaufs oftmals nicht ernstgenommen oder nur im familiären Umfeld registriert würden.

Nachsorge nicht vergessen

Umso wichtiger seien Sicherheitskonzeptionen und ein wirksames Bedrohungsmanagement im Bereich des Öffentlichen Dienstes. In diesem Zusammenhang brauche es zudem wirksame Schulungen, in denen die entsprechenden Informationen gut und verständlich vermittelt werden, und für die Einsatzkräfte leicht verständliche Gebäudeunterlagen für den Ernstfall. Des Weiteren müsse bei einem Bedrohungsmanagement zwingend auch der Bereich der Nachsorge berücksichtigt werden, meint Weichhan. Dazu gehörten unter anderem Angaben zu geschützten Räumen, zur Unterbringung und (notärztlichen) Versorgung Betroffener sowie zur Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) und zu Ausweichsammelplätzen.

Diese müssen aus seiner Sicht immer Bestandteil einer Sicherheitskonzeption sein. Dabei sollte der Ausweichsammelplatz – im Gegensatz zum Hauptsammelplatz – nicht gekennzeichnet sein. Außerdem sollte seine Lage nur dem internen Krisenmanagementteam bekannt sein und nicht nach außen kommuniziert werden. Die Lage des Ausweichsammelplatzes, der laut dem Brandschutzexperten eher bei telefonisch eingehenden Bombendrohungen als im Falle von Amoktaten genutzt werden sollte, sollte grundsätzlich vertraulich behandelt werden. Erst im Falle einer Gebäuderäumung sollte seine Lage dann den Räumungshelfern mitgeteilt werden, damit diese die Menschen dorthin führen können. In diesem Zusammenhang macht Weichhan eines deutlich: “Über die Räumung eines Gebäudes entscheidet ausschließlich die Polizei, nicht der Betreiber selbst.”

Verbarrikadieren und Fernhalten

Ist eine Evakuierung allerdings nicht möglich, sollten sich Personen möglichst verbarrikadieren und sich von Fenstern und Türen fernhalten. Im Außenbereich gelte dies auch für Menschenansammlungen, da diese durchaus Ziele für einen “second hit” sein könnten. Grundsätzlich sollten die Mitarbeiter auf ihr Bauchgefühl hören und verdächtige Beobachtungen an den Krisenstab melden, appelliert Weichhan.

Im Falle Unkonventioneller Spreng- oder Brandvorrichtungen (USBV) komme es auf eine weiträumige Absperrung des Gefahrenbereichs an. Im freien Gelände müsse hier eine Distanz von mehr als 200 Metern zum verdächtigen Objekt eingehalten werden. Innerhalb einer Bebauung müssten es mindestens 30 Meter sein. Des Weiteren müsse Absperrmaterial immer griffbereit gehalten und der Eigenschutz beachtet werden. Keinesfalls dürften eigenmächtig Veränderungen an der USBV vorgenommen werden, warnte der Brandschutzbeauftragte und -fachplaner.

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