NRW-Polizei soll ins Homeoffice

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In Nordrhein-Westfalen sollen Polizisten ab sofort größtenteils von zuhause aus arbeiten. (Foto: Csaba Nagy, pixabay.com)

Das Verbrechen an Rhein und Ruhr soll ab sofort aus dem Homeoffice bekämpft werden. Ein überarbeiteter Erlass sieht nun vor, dass ein “Großteil” der Polizisten im Homeoffice arbeiten soll. Der Streifendienst soll offenkundig von dieser Möglichkeit ausgenommen werden. Auch sollen alle Wachen weiterhin besetzt sein. Haft- und Eilsachen sowie zur Sicherstellung der Anzeigenaufnahme notwendige Tätigkeiten vor Ort müssen weiterhin flächendeckend angeboten werden. Es ist eine Aufforderung an die Dienststellen, die Möglichkeiten für Homeoffice so weit wie möglich auszuschöpfen. Das Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste (LZPD) soll zur technischen Ausstattung beraten. Ausreichend Laptops und sichere Zugänge stünden zur Verfügung. Man wird also in den nächsten Tagen sehen, wie die neue Ankündigung umgesetzt wird und wie sie wirkt.

Schon vor Wochen hatte der Freistaat Thüringen damit so seine Erfahrungen gemacht. Auch hier hieß es, die Landespolizei solle einen Beitrag zur Entschärfung der Pandemiesituation leisten. Es wurden die Rahmenbedingungen für Homeoffice geschaffen. Doch von den 6.300 thüringischen Polizisten und Tarifbeschäftigten gingen dann nur 830 ins Homeoffice und davon waren nur 700 aus dem eigentlich polizeilichen Bereich. Es zeigten sich zudem schnell Probleme. So traten Engpässe bei den Zugängen zu den polizeilichen Datensystemen auf.

Wichtiger als all das ist jedoch die Versorgung der Einsatzbeamten mit medizinischen Masken. Sie gibt es offenbar in einigen Ländern noch nicht flächendeckend. Zudem: Bei der Bundes- wie auch einigen Landespolizeien sind die Infektionszahlen aktuell wieder gestiegen und damit auch die Quarantäneverpflichtungen. Besonders Kontroll- und Streifendienste bringen die Einsatzkräfte immer wieder in Kontakt zu bereits Infizierten. Das ist aber unvermeidbar. Daher sollte der Schutz nach Ansicht aller Dienstherrn und der Gewerkschaften Vorrang haben. Die Diskussion um die Frage, ob eine Corona-Infektion als Dienstunfall anerkannt werden kann, stößt derzeit bei den meisten Dienstherrn und Arbeitgebern auf Widerstand.

So kurios sich Homeoffice für die Polizei auf den ersten Blick auch anhört, so wenig problematisch ist es mit Blick auf die aktuelle Verbrechenslage. Je mehr Menschen zu Hause sind, umso weniger Hauseinbrüche finden statt. Zudem kam das Verbrechen auf der Straße zuletzt fast zum Erliegen. Ganz anders aber im Cyber-Raum. Dort tut sich mehr denn je. Das Bundesinnenministerium (BMI) warnte gerade erst vor großangelegten Angriffen auf die Impflogistik, auf Krankenhäuser und Pharmaunternehmen über das Internet. Auch das Verbrechen erhält durch Corona einen Digitalisierungsschub.

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