Nur wer Menschen mag, kann Menschen führen

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Der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Andreas Krause, bei seiner Corona-bedingt virtuellen Rede vor der Crew 2020. (Foto: BS/PIZ Marine)

In seiner vor den Angehörigen der Crew 2020 gehaltenen Rede zeigte der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Andreas Krause, die Anforderungen an heutige Marineoffiziere auf. Mit seinen Erfahrungen aus fast 45 Dienstjahren gab er den angehenden Offizieren folgende Ratschläge mit auf den Weg:

“Um ein guter Offizier zu werden, brauchen Sie mehr als nur theoretisches Rüstzeug und Erfahrung. Sie müssen auch an sich selbst arbeiten, Ihre eigene Persönlichkeit weiterentwickeln. Seien Sie Vorbild – leben Sie die richtige Einstellung vor und Handeln Sie stets so, dass andere sich an Ihnen orientieren können. Seien Sie wahrhaftig – treten Sie für Ihre Überzeugungen ein und kommunizieren Sie immer offen und ehrlich mit Ihren Kameraden. Sie sind Staatsbürger in Uniform – nehmen Sie Ihre Rechte und Pflichten stets gleichermaßen wahr. Seien Sie authentisch – geben Sie nicht vor jemand zu sein, der Sie im Grunde nicht sind. Nur wer Menschen mag, kann Menschen führen – zeigen Sie Bereitschaft, sich mit den Menschen in Ihrem Umfeld auseinanderzusetzen. Hören Sie Anderen zu – nur wer die Hintergründe kennt, kann gute und richtige Entscheidungen treffen. Seien Sie ansprechbar – verstecken Sie sich nicht hinter verschlossenen Kammer- oder Bürotüren. Schauen Sie nicht weg, schauen Sie hin – lassen Sie Dinge nicht einfach geschehen, die nicht geschehen dürfen. Entwickeln Sie einen eigenen Maßstab und prüfen Sie regelmäßig, ob er noch passt oder einer Weiterentwicklung bedarf. Vertrauen Sie nicht nur der Technik – vertrauen Sie auch Ihren persönlichen Fähigkeiten und Ihrem Gespür, das Sie über die Zeit entwickeln werden. Gestehen Sie einerseits Freiräume zu, um Gestaltungsmöglichkeiten zu schaffen, setzen Sie aber auch Grenzen und stellen Sie die Einhaltung sicher. Übernehmen Sie Verantwortung – weil Sie es wollen und weil Sie es können. Geben Sie Hilfestellung – teilen Sie Ihr Wissen und Ihr Können mit Anderen. Und vertrauen Sie Ihren Männern und Frauen – nur wer Ihr Vertrauen spürt, wird eigenständige Entscheidungen treffen und in Ihrem Sinne handeln. All dies macht aus Ihnen nicht automatisch einen guten Offizier, aber soll Ihnen ein Anhalt für die Entwicklung eines persönlichen Führungsstils sein. Und trotzdem wird jeder von Ihnen einen eigenen, individuellen Führungsstil entwickeln, denn jeder Mensch hat eine eigene Identität, die ihn unverwechselbar macht.”

Der Inspekteur ging auch auf die Besonderheit der Marine ein, die nach der Soldatenarbeitszeitverordnung als Ausnahmetatbestand eingestuft werden musste, um überhaupt weiterhin möglich zu sein: Die Seefahrt. “Trotz aller Verbesserung bei der Balance von Familie und Dienst wird auch zukünftig immer gelten, dass das Kerngeschäft der Marine durch die Flotte geleistet wird”, sagte Krause. “Abwesenheiten von zu Hause sind und bleiben ein wesentlicher Teil unseres Berufes – dies muss uns klar sein und dies müssen wir akzeptieren und auch denen klar vermitteln, die etwas anderes glauben und hoffen. Aber auch darin liegt eine Chance, eine Möglichkeit, besondere Erfüllung und Zufriedenheit zu finden. Wer – so wie einige von Ihnen und ich selbst – schon erlebt hat, wie eine Besatzung über eine längere Seefahrt, in Einsatz und Übung zusammenwächst, wer erfahren hat, wie sich Kameradschaft weiterentwickelt und Freundschaften entstehen, wer einmal Teil einer Besatzung war, die zu einer Art zweiten Familie wird, der wird auch die positiven Aspekte erkennen und schätzen lernen. Ja – der Beruf, den wir gewählt haben und ausüben, bringt besondere Belastungen und Entbehrungen mit sich. Aber er gibt uns gleichzeitig auch eine ganze Menge zurück.”

Die vollständige Rede ist hier abrufbar.

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