Corona-Einsatz der Bundeswehr zeigt Staatsversagen

0
445
Oberstleutnant André Wüstner nennt die Corona-Hilfe ein Zeichen von Staatsversagen. (Foto: BS/DBwV)

In einem Interview mit der Rheinischen Post warf der Vorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbandes, Oberstleutnant André Wüstner, ein neues Bild auf die aktuelle Corona-Hilfen durch die Bundeswehr. Abseits der Freude über die Anerkennung der Leistung sowie das positivere Bild der Bundeswehr, das durch die Amtshilfe entstehe, dürfe nicht übersehen werden, dass diese Hilfe im Grunde nur wegen des Versagens des Staates in einem Katastrophenfall notwendig sei.

“Es ist doch ein Wahnsinn, dass die Bundeswehr als nicht zuständige Organisation seit über einem Jahr ununterbrochen Dienst im Innern leistet, weil es andere schlichtweg nicht gebacken kriegen”, sagte Wüstner gegenüber der Rheinischen Post. Der Einsatz der Bundeswehr sei nur deshalb notwendig, weil “wir es im letzten Jahr und teilweise noch heute mit einem größeren Staats- sowie Verwaltungsversagen zu tun haben”. “Die Strukturen sind systematisch vernachlässigt worden. Das rächt sich jetzt und zeigt sich in der völlig unzureichenden personellen und materiellen Ausstattung nicht nur in den Gesundheitsämtern. Ich ziehe meinen Hut vor den Bürgermeistern und Landräten, denn die müssen aus dem Nichts ein Maximum aus den mit heißer Nadel gestrickten Verordnungen machen.”

Problematisch sei vor allem, dass der Dauereinsatz von über 25.000 Soldaten gerade während einer Pandemie – die Krankheit kann schließlich auch Soldaten infizieren – die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr in Frage stellen könnte. “Wir müssen aktuell sehr aufpassen, dass wir nicht in einen schleichenden Verlust unserer Einsatzbefähigung abdriften”, benannte Wüstner das Problem für die Bundeswehr. “Die Verbindung von Amtshilfe und eigenen Hygienevorkehrungen führt dazu, dass Ausbildung und Übung vielerorts ausfallen.”

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here