Vertrag zur Eurodrohne bald erwartet

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So könnte die zukünftige Eurodrohne aussehen, wenn alle vier Nationen bis zum Ende durchhalten. Frankreich äußerte bereits ersten Unmut. (Foto: BS/Airbus)

Gut ist nicht immer gut genug. Während die USA seit Jahrzehnten weltweit Unmanned Aerial Systems (UAS) von Northrop Grumman oder General Atomics fliegen – ohne Abstürze oder Probleme mit dem zivilen Luftverkehr – sah Deutschland keine Chance, diesen UAS eine Zulassung zu erteilen. Obwohl sogar die NATO diese amerikanischen Systeme im Rahmen der Alliance Ground Surveillance (AGS) als Aufklärungsmittel auch mit deutschem Geld beschaffte und fliegt. Trotz aller guten Erfahrungen mit den israelischen UAS, die Deutschland bereits seit 2010 auch in Afghanistan flog, kam eine Beschaffung derselben ebenfalls nicht in Frage. Stattdessen wird europäisch entwickelt.

“Die Regierungskoalition aus CDU und SPD hat sich am Mittwoch im Rahmen des Koalitionsausschusses auf die Entwicklung und Beschaffung der Eurodrohne geeinigt. Das Gemeinschaftsprogramm Eurodrohne soll zusammen mit den europäischen Partnernationen Frankreich, Italien und Spanien umgesetzt werden”, meldete das BMVg am 5. Februar. “Die Regierungsparteien haben vereinbart, die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen, damit die Verträge wie geplant Ende des I. / Anfang des II. Quartals 2021 gezeichnet werden können. Die Eurodrohne soll in erster Linie zur Aufklärung eingesetzt werden. Der endverhandelte Industrievertrag zur Entwicklung und Realisierung der Eurodrohne umfasst demnach nicht die Bewaffnung des Systems.”

Statt mit einem etablierten System über eventuelle Offsets oder Integrationsverträge Kapazitäten ins Land zu holen, wollen nun also vier europäische Länder gemeinsam eine neue Eurodrohne erfinden. Wieso diese dann bessere Chancen auf eine Zulassung haben soll als Systeme, die bereits seit Jahrzehnten fehlerfrei fliegen, kann wahrscheinlich nur die deutsche Bürokratie erklären. Ebenso spannend dürften die Fragen nach den Kosten (Entwicklung ist sicherlich teurer als der Einkauf fertiger Systeme), dem Zeitplan (Industriekapazitäten und Know How müssen aufgebaut werden) sowie dem Mehrwert für die Bundeswehr (in etablierte Systeme flossen bereits Einsatzerfahrungen ein) sein.

Bisher erreichte die Eurodrohne schon folgende Meilensteine: Im Mai 2015 unterzeichneten Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien eine Absichtserklärung zur gemeinsamen Entwicklung. Im September 2016 war der offizielle Programmstart. Im April 2018 wurde auf der ILA das erste offizielle Mock-Up präsentiert. Im März 2019 bewilligte die EU 100 Millionen Euro für die Entwicklung.

Ersten Unmut über das Projekt gibt es allerdings bereits. So berichtete der Spiegel, ein Dokument des Verteidigungsausschusses des französischen Senats kritisiere die Eurodrohne wegen ihres maximalen Startgewichts von elf Tonnen, was doppelt so viel sei wie bei den amerikanischen Drohnen vom Typ Reaper. “Der Grund seien die deutschen Anforderungen an das Fluggerät, etwa dass es zwei Motoren haben soll”, berichtete der Spiegel. Dadurch werde die Drohne laut dem französischen Senat “zu schwer, zu teuer und schwierig zu exportieren”. Die Freude der anderen drei europäischen Partner wird sicherlich noch steigen wenn sie erfahren, dass die Bewaffnung nicht Teil des Industrievertrages sein darf. Ursprünglich sollte diese nämlich von MBDA stammen.

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