Digitales Ökosystem für Schulen

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Sichere und verlässliche Lernplattformen sind ein Muss für erfolgreichen digitalen Unterricht. (Foto: BS/Hatice Erol, pixabay.com)

Noch immer verbringen Schülerinnen und Schüler den Unterricht am heimischen Schreibtisch und in Videokonferenzen. Engagierte Lehrkräfte versuchen das Schuljahr mit digitalen Angeboten zu retten, werden mit vielen Problemen jedoch alleingelassen. Auch wenn Schulen nach den jüngsten Beschlüssen bald wieder öffnen dürften – es gibt Lernbedarf für die digitale Schule nach Corona.   

„Ich glaube, dass wir derzeit insgesamt viel Stoff verpassen, den wir wahrscheinlich beim Übergang in andere Schulformen vermissen werden“ beschreibt Dr. André Göbel, Geschäftsführer der Digital Agentur Brandenburg, die derzeitige Problematik an den Grundschulen. In der Zeit zwischen den Schulschließungen, sei zu wenig geschehen. Der Digitale Raum hätte besser vorbereitet werden müssen, aber gerade im ländlichen Raum und in kleinen Gemeinden seien die Schulträger maßlos überfordert, so Göbel.

Gebündelte Kompetenz            

Daher seien die Länder jetzt in der Pflicht, mehr Rahmenbedingungen zu setzen, meint Thomas Coenen, Geschäftsführer der Südwestfalen-IT und Leiter der Vitako-Projektgruppe Bildung. Beispielsweise müsse bei der Beschaffung von Endgeräten sichergestellt werden, dass sich nicht jede Schule selbst darum kümmern müsse. Bei der Ausstattung der Schulen mit digitaler Infrastruktur müssten außerdem die laufenden Kosten eingeplant werden, die durch Support und Wartung von Systemen entstünden, so Coenen. 500 Euro pro Schüler und Jahr fallen dafür schätzungsweise an.

„Die Systeme werden am Laufen gehalten werden müssen, rund um die Uhr, das heißt, wir brauchen ganz andere Supportstrukturen“, führt Thomas Coenen weiter aus. Sukzessive müssten dafür die Personalkapazitäten aufgestockt werden. „Das kann ich aber nicht je Schulträger machen. In einer Gemeinde mit 15.000 Einwohnern und vier Schulen werde ich die Kompetenzen und Kapazitäten niemals herstellen können.“ Es brauche daher die Bündelung auf einer anderen Ebene, die dies sicherstelle.

Wo geht das Ding an?

Dirk Hetterich, Director Public bei Lancom Systems, wirf die Frage auf, was es nütze, Lehrer jetzt mit Laptops auszustatten, ohne entsprechende Hilfestellungen zu bieten. „Die erste Supportanfrage kommt dann oftmals: Wo geht das Ding an?“, so Hetterich. Die entsprechende Aus- und Fortbildung von Lehrkräften ist eine der Grundvoraussetzungen für erfolgreichen Digitalunterricht. „Lehrerbashing“, wie es derzeit stattfinde, sei unfair, meint Thomas Coenen. Außerdem dürfe die Lösung technischer Probleme nicht an den Lehrkräften hängen bleiben. Ein „digitaler Hausmeister“ könne eine solche Aufgabe hingegen übernehmen, schlägt Dirk Hetterich vor.

Gläserne Schüler schützen

Wo digitale Wege gegangen werden, muss auch das Thema Datenschutz mitgedacht werden. Mit Lernsystemen, die Fortschritte und Prüfungsergebnisse speichern, könnte der gesamte Lernverlauf eines „gläsernen Schülers“ sichtbar gemacht werden, führt Dr. Göbel aus. Daher sei es umso wichtiger, dass ein derartiges System Schüler schütze und Daten nicht durch Dritte verarbeitet würden. „In China kann man schon relativ gut solche Lernverlaufsdaten in Bewerbungsgespräche einfließen lassen.“ In Europa müsse man hingegen sagen: „Nein das geht hier nicht“, so Dr. Göbel. Doch muss solch ein System bundesweit eingeführt werden? Thomas Coenen meint, es brauche keine zentrale Plattform für ganz Deutschland. Wenn Bundesländer unterschiedliche Lernplattformen einsetzen, sei das sinnvoll, auch für den Wettbewerb. Es müssten aber Standards gelten, besonders beim Thema Datenschutz.

Die gesamte Diskussion zum Thema „Schulübergreifendes Ökosystem“ finden Sie in der Mediathek auf Digitaler Staat Online.

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