Boeings Angebot für den Schweren Transporthubschrauber

0
705
Die U.S. Army bei einem Manöver namens "Pinnacle" mit einer CH-47F Chinook. Hierbei können Bodentruppen abgesetzt werden, ohne dass der Hubschrauber vollständig landet. (Foto: BS/U.S. Army)

Am Freitag informierte Boeing über sein Angebot zum zukünftigen Schweren Transporthubschrauber (STH) der Bundeswehr. Über das Vorhaben (STH) hatte der Behörden Spiegel bereits mehrfach berichtet. Laut Verteidigungsministerin und Generalinspekteur soll eine Entscheidung im II. Quartal 2021 getroffen werden.

“Die Chinook ist ein sehr fortschrittlicher und kampferprobter Hubschrauber”, betonte Michael Hostetter, Vice President Boeing Defence Germany, bei der Präsentation. “Dieser Hubschrauber wird von 20 Nationen geflogen. Acht NATO-Nationen betreiben den Chinook aktuell und allein in Europa haben wir als Nutzer die türkische Armee, die spanische Armee, die Italiener, die Griechen und die Royal Netherlands Air Force sowie die Royal Air Force.”

Die Vorteile, die sich aus dieser großen Nutzerzahl ergeben, beschrieb Ben Lewis, Experimental Test Pilot Boeing Defence UK. Lewis war über 20 Jahre Chinook-Pilot in den britischen Streitkräften und konnte in dieser Zeit die Vorteile des Transporthubschraubers unter teilweise schwierigen Einsatzbedingungen erfahren. Besonders durch die breite Nutzerbasis ergäben sich Vorteile.

Lewis berichtete: “Als wir einmal im Tiefflug auf dem Weg nach Bagdad waren, befanden wir uns etwa 50 Fuß über einem großen Marschland und ein riesiger Vogelschwarm hob vom Boden ab und flog auf uns zu, bis er alle Cockpitfenster zertrümmerte und mehrere Schäden an unserem Rahmen verursachte. Wir konnten zu einem nahegelegenen Koalitionsflugplatz ausweichen und dort war eine niederländische Einheit mit Chinook. Sie halfen uns, alle Scheiben zu ersetzen, flickten uns zusammen und wir konnten unsere Mission später am Tag fortsetzen. Die operativen und logistischen Vorteile, die sich daraus ergeben, dass so viele andere Nationen auch die Chinook fliegen, leisten einen großen Beitrag zur Aufrechterhaltung der Flottenverfügbarkeit. Außerdem sind gemeinsame Einsätze dadurch viel sicherer und unkomplizierter.”

Zudem könne die Chinook durch den Einsatz in so vielen Ländern auf Erfahrungen in nahezu allen Klimaregionen zurückblicken. Vom Fast-Roping im Dschungel über Einsätze in der Wüste bis hin zum ewigen Eis der Arktis. “Die Chinook verfügt über umfangreiche Erfahrungen mit Einsätzen am Polarkreis und führt regelmäßig Kaltwetterflugtraining bei Temperaturen bis zu minus 30 Grad Celsius durch. Die Chinook kann mit Skiern ausgestattet werden, um in weichem Schnee zu landen und profitiert dabei von einem Untergestell, das das Gewicht am Boden gleichmäßig verteilt”, beschrieb Lewis. Ein Einsatz, der ihm besonders im Gedächtnis geblieben ist, fand im Rahmen einer humanitären Hilfsaktion im Himalaya statt.

“Nach einem schweren Erdbeben in Pakistan sollten wir in großer Höhe am Fuß des Himalaya operieren. Die Verwüstung war gigantisch. Wir hatten die Aufgabe, Güter in entlegene Gebiete zu bringen, die durch Erdrutsche abgeschnitten waren. Wir lieferten Lebensmittel, Zelte und Kleidung und bargen Verletzte aus bergigem Gelände in 14.000 Fuß Höhe. Es handelte sich um eine nicht-staatliche Hilfsaktion, an der 117 Hubschrauber beteiligt waren, die sich aus 15 verschiedenen Hubschraubertypen zusammensetzten”, erinnerte sich Lewis. “Die beteiligten schweren Transporthubschrauber waren Chinook, CH-53 und MI-26 Halo. In den fünf Wochen transportierten 117 Hubschrauber insgesamt 5.926 Tonnen. Unsere drei britischen Chinook transportierten 1.447 Tonnen. Das bedeutete, dass nur drei Chinook 24 Prozent des gesamten mit Hubschraubern geflogenen Materials bewegten.”

Neben den guten Einsatzerfahrungen sei auch die seit Jahrzehnten problemlos laufende Produktion ein Vorteil der Chinook, ergänzte Hostetter. “Wir bauen fast jede Woche einen Chinook und wir können bis zu 74 Chinook pro Jahr bauen. Wir haben also eine durchgehende Produktionslinie. Von der Auftragsvergabe bis zur tatsächlichen Auslieferung eines Chinook vergehen etwa 36 Monate.”

Für wie viele Jahre diese Produktion noch aktiv sei, könne er zwar nicht vorhersagen, aber Hostetter betonte: “Alles, was ich heute sagen kann, ist, dass unsere Produktionslinie aktiv ist, dass die U.S. Army plant, den Chinook bis 2060 in Betrieb zu halten und dass es andere Kunden gibt, die den Chinook kaufen wollen, die dann zu den bereits 20 Nutzer-Nationen hinzukämen. Ich kann Ihnen diese Kunden zwar nicht nennen, weil wir mitten in den Kampagnen stecken, aber ich prognostiziere, dass der Chinook für eine sehr, sehr lange Zeit in Betrieb sein wird und dies bedeutet auch eine sehr lange logistische Versorgung. Wir haben ein sehr großes internationales Backlog, um die Wartung der Chinook für eine geraume Zeit zu erhalten.”

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here