Weitere Vorwürfe gegen das KSK

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Das KSK hat sich für die Bundeswehr vom Eliteverband zum Problemfall entwickelt. (Foto: BS/Bundeswehr/Jana Neumann)

Weitere Vorwürfe gegen die Führung des Kommandos Spezialkräfte (KSK), wurden dieses Wochenende laut. So soll der Kommandeur nicht nur vom Verschwinden großer Munitionsbestände gewusst, sondern auch noch so genannte Amnestieboxen aufgestellt haben, in die Soldaten illegal entwendete Munition zurückgeben konnten, ohne dass ihnen daraus Konsequenzen erwuchsen. Als Vorbild haben dabei wohl die Amnestieboxen gedient, die von der Bundesregierung nach der jüngsten Verschärfung des Waffenrechts bereitstanden. Auch im Nachgang des Zweiten Weltkriegs gab es mehrfach Amnestieboxen, in denen im Privatbesitz vorhandene Kriegswaffen und Munition straffrei abgegeben werden konnten. Eine solche Amnestie für illegale Handlungen kann allerdings nur der Gesetzgeber beschließen.

Sowohl das Aufstellen der Amnestieboxen beim KSK als auch deren Enthüllung stehen in engem Zusammenhang mit einem angeklagten ehemaligem Bundeswehrsoldat des KSK, dem aktuell vor dem Landgericht Leipzig der Prozess gemacht wird. Bei einer Untersuchung wurden in dessen Garten zwei Kilogramm Sprengstoff, mehrere Tausend Schuss Gewehr- und Pistolenmunition, sowie mehrere Waffen gefunden. Der Angeklagte erwähnte während des Prozesses das Vorhandensein der Amnestieboxen, die er selbst aber nicht genutzt habe. Aufgrund dieser Aussage ordnete das BMVg eine Untersuchung an, wobei sich der Verdacht auch durch mehrfache Aussagen ehemaliger KSK-Soldaten erhärtete. Demnach soll im KSK bereits im Frühjahr 2020 aufgefallen sein, dass Zehntausende Schuss Munition fehlen, doch statt dies der vorgesetzten Stelle zu melden wurden die Amnestieboxen aufgestellt.

Noch im Oktober 2020 schrieb der Generalinspekteur der Bundeswehr im Zwischenbericht der Arbeitsgruppe KSK: “Es verbleiben allerdings absehbar Unterbestände in Höhe von 13.000 Munitionsartikeln und 62 Kilogramm Sprengmitteln, deren Verbleib sich nicht mehr mit absoluter Sicherheit bestimmen lassen wird. Anhaltspunkte für Diebstahl oder Unterschlagung dieser Artikel konnten bisher nicht identifiziert werden. Vielmehr deuten die Untersuchungen bezüglich der genannten Sprengmittel darauf hin, dass hier ein Zählfehler und infolgedessen fehlerhafte Bestandsberichtigungen im logistischen System über mehrere Jahre zur Feststellung eines vermeintlichen Fehls geführt haben.”

Dass bei dieser Zählung nicht noch mehr Material fehlte ist wahrscheinlich den Amnestieboxen zu verdanken. So schreibt der Spiegel unter Berufung auf eine Quelle im BMVg: “Bei der Aktion sollen damals bis zu 50.000 Schuss verschiedener Kaliber zusammengekommen sein. Ebenso sollen sich in einer der Sammelboxen Handgranaten befunden haben, die ein Soldat offenbar bei dem Verband entwendet hatte.”

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