Kostenrechnung Transporthubschrauber

0
485
Israel hat sich laut Medienberichten für die CH-53K entschieden, weil es über den gesamten Lebenszyklus betrachtet das günstigere Angebot sei. (Foto: BS/Sikorsky)

Viel ist mittlerweile spekuliert worden über die möglichen Kostenunterschiede zwischen der Chinook von Boeing und der CH-53K von Sikorsky, die beide im Rennen um den Schweren Transporthubschrauber für die Bundeswehr stehen. Oft werden dabei amerikanische Zahlen zitiert, die aus den Selected Acquisition Reports (SAR) stammen. Bei diesen SAR handelt es sich um haushaltsbeschreibende Dokumente, die dafür gedacht sind den “Kunden”, also den Steuerzahler, über die Verwendung seines Geldes zu informieren. Sie sind also kein Vergleich zwischen Systemen, sondern eine Jahresbilanz für Bürger und Politiker.

Ein weiteres Manko ergibt sich aus den unterschiedlichen Rechnungsweisen. Die amerikanischen Streitkräfte rechnen anders als die deutschen, da sie ein System als Gesamtkomplex verstehen, inklusive den Ersatzteilen oder der Ausbildung als Element der Betriebs- und Lebenszykluskosten. Während die Chinook sich seit mehreren Jahrzehnten in der Nutzung befindet, wird die CH-53K gerade erst eingeführt. Bei den Berechnungen zur CH-53K fließen also neue Ersatzteile und neue Ausbildung in einer weitaus größeren Höhe in die Gesamtrechnung mit ein, als bei der Chinook. Für jede aktuell zulaufende Chinook stehen schließlich bereits Ersatzteile und ausgebildete Piloten bereit, während beides für jede CH-53K zum Kaufpreis hinzugerechnet wird. Daraus ergibt sich auch, dass jeder (Beschaffungs-) Block in den USA einen signifikant anderen Preis haben kann. Dieses amerikanische System lässt zwar keine Vergleichbarkeit zwischen den Systemen zu, entspricht dafür aber einem realistischen Kostenanschlag im jeweiligen Lebenszyklussegment.

Wesentlich interessanter zur Ermittlung, welcher Hubschrauber nun tatsächlich wie viel kostet, sowohl in der Anschaffung als auch bei den Betriebskosten, ist ein Blick nach Israel. Das Vorhaben Schwerer Transporthubschrauber (STH) mit der neuen Fokussierung auf den Kauf eines Produktes von der Stange im Rahmen eines Foreign Military Sales entspricht sowohl bei den meisten Forderungen als bei den beiden angebotenen Hubschraubern dem israelischen Programm.

Laut der israelischen Zeitung MAKO habe sich die Luftwaffe für die CH-53K entschieden. Die höheren Anschaffungskosten würden auf lange Sicht durch geringere Nutzungskosten ausgeglichen. Auch Dr. Amir Bohbot, militärischer Korrespondent des israelischen News-Portals hamal, berichtete im Januar: “In den nächsten zwei Tagen wird der Generalmajor der israelischen Luftwaffe, Amikam Norkin, dem Stabschef Generalleutnant Aviv Kochavi die Empfehlung für den Kauf der schweren Transporthubschrauber vorlegen, die die CH-53D “Yas’ur” ersetzen sollen. Laut Informationen aus der Führung der Luftwaffe wird die Empfehlungen auf den neuen CH-53K Hubschrauber von Lockheed-Martin-Sikorsky fallen. Nach Angaben der ranghohen Offiziere bestimmen die Kosten für den Betrieb und die Instandhaltung der Luftfahrzeuge über einen Zeitraum von über 25 Jahren maßgeblich diese Entscheidung.”

Von höheren Lebenszykluskosten der CH-53K kann zumindest beim israelischen Angebot also keine Rede sein, sondern von günstigeren. Aus allen diesen Quellen lässt sich dementsprechend ableiten, dass die CH-53K in der Anschaffung gegenüber der Chinook zwar teurer ist, bei den Betriebs- und Wartungskosten allerdings günstiger, weshalb sie bei einer Nutzungsdauer von über 25 Jahren der günstigere Hubschrauber ist. Dies ist allerdings die reine Kostenrechnung. Die Auswahl des zukünftigen STH muss sich auch zusammensetzen aus taktischen Fähigkeiten, modernem logistischem Konzept und der Innovationsfähigkeit.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here