Impfmanagement bundeseinheitlich organisieren

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Nur bei sechs Prozent der Befragten verlief die Vergabe für einen Impftermin reibungslos. (Foto: BS/torstensimon, pixabay.com)

“Man hat das Gefühl, dass es mit den Impfungen nicht wirklich rund laufe”, sagte Bitkom-Präsident, Achim Berg. Gemeint sind die Impforganisation, die Impfterminvergabe und die Kontaktnachverfolgung. Zahlen von zwei repräsentativen Umfragen des Branchenverbandes Bitkom geben ihm recht. Die Lösung sieht er in einem bundeseinheitlichen Vorgehen.

Auf der einen Seite steige beständig die Impfbereitschaft in der Bevölkerung auf fast drei Viertel aller Befragten, doch zeigen sich viele Bürgerinnen und Bürger unzufrieden mit den Impfstart. Drei Viertel gaben in der Umfrage an, dass die Organisation der Corona Impfungen in Deutschland chaotisch verlaufe. 85 Prozent der Befragten wünschten sich ein schnelleres Impftempo. Über die Hälfte schätzte, dass der Datenschutz eine schnelle und effiziente Impfung der Bevölkerung verhindere und dass ein vollständig digitalisiertes Impfregister gebraucht werde.

Einer High-Tech-Nation unwürdig

Besonders anschaulich wird der holprige Impfstart an der Terminvergabe. Nur bei sechs Prozent der Befragten verlief die Vergabe reibungslos. Die restlichen Befragten mussten teilweise über 50 Versuche unternehmen, um einen Impftermin für sich oder einen Angehörigen zu bekommen. Berg rechnete bei der Vorstellung der Umfragen vor, dass auf die 1,4 Millionen Termine rund 39 Millionen Terminanfragen kommen würden. Zudem sei problematisch, dass es keine bundesweite Übersicht über die vereinbarten Termine gäbe. “Wir befinden uns im Blindflug bei den Impfungen”, kritisierte Berg. Ohne eine bundesweite Übersicht sei keine vernünftige Impfstoffverteilung möglich. “Es wurde zwar bei der Corona-Impfung viel erreicht, aber man scheitert bei der Impforganisation. Dies ist einer High-Tech-Nation unwürdig”, urteilte der Bitkom-Präsident.

Seit Mitte 2020 sei bekannt gewesen, dass die größte Impfaktion seit langem ansteht. Man habe es jedoch versäumt, neben der Impfinfrastruktur auch ein Impfmanagement aufzubauen. Man habe alles auf die Länder, die Kommunen und die Kassenärztlichen Vereinigungen abgewälzt, so Berg. Er forderte ein bundeseinheitliches, zentrales und digitales Terminmanagement auf der Basis von schon bestehenden Systemen. Dies soll zudem mit Call-Centern gestützt werden.

Versachlichung der Datenschutzdebatte

Neben dem Impfmanagement sieht der Branchenverband auch Nachbesserungsbedarf bei der digitalen Impfdokumentation. Als Alternative zu dem gelben Papier-Impfpass könnten sich über 60 Prozent der Befragten vorstellen auf einen digitalen Impfpass umzusteigen. Als Gründe gaben die Befragten an, dass man so schnell eine Corona-Impfung nachweisen sowie unkompliziert an eine Auffrischung einer Impfung erinnert werden könnte. Einen weiteren Vorteil sieht Berg in der leichten Überprüfung der Wirksamkeit der verschiedenen Impfstoffe, sodass gegebenenfalls schnell reagiert werden kann. Geprüft werde schon ein Impfzertifikat für die Corona-Impfung, dass später in einen digitalen Impfpass übernommen werden kann. Als Vorbild dient dabei der sogenannte Grüne Pass aus Israel, der den Geimpften Zutritt zu Fitnessstudios, Schwimmbäder und Hotels erlaubt.

Befragte, die einem digitalen Impfpass ablehnen, sehen vor allem den mangelnden Datenschutz als Grund. Berg beobachtete in der Debatte um den Datenschutz in der Corona-Pandemie teilweise immer wieder Panikmache und fordert eine Versachlichung der Debatte. Ein digitaler Impfpass oder ein Impfzertifikat solle vor allem jedoch ein freiwilliges Angebot sein. Datenschutzrechtliche Probleme seien durch die vorherige Einwilligung der Verarbeitung nicht gegeben. Berg forderte trotz der Bedenken eine effiziente Verarbeitung von Patientendaten mit einer digitalen Impfdokumentation, bei der auch ein systematisches digitales Monitoring von Nebenwirkungen möglich ist.

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