Synergien heben

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Kündigte einen stärkeren Einsatz mobiler und personalisierter IT bei der Bundeswehr an: Generalleutnant Michael Vetter, Abteilungsleiter CIT im Bundesministerium der Verteidigung (BMVg). (Foto: BS/Archiv)

Die Behörden und Organisationen (BOS) sollten künftig vermehrt Beschaffungen bündeln und Infrastrukturen gemeinsam nutzen. Dies könne deutliche Synergien bringen, etwa mit Blick auf die Nutzung von Rechenzentren oder hinsichtlich der Aus- und Fortbildung. Derzeit gebe es für einen solchen Ansatz oftmals aber noch zu viele und zu hohe Hürden.

Das meint der Bundestagsabgeordnete Dr. Reinhard Brandl (CSU). So gebe es hier noch rechtliche, organisatorische und technische Schwierigkeiten. Dazu gehörten neben dem Trennungsgebot, das Brandl nicht mehr für zeitgemäß hält, unter anderem der Föderalismus und das Ressortprinzip. Hinzu komme, dass behördenübergreifende Kooperation hierzulande oftmals noch sehr stark vom Engagement des jeweiligen Behörden- oder Dienststellenleiters abhängig sei, so Brandl auf einer Online-Veranstaltung von AFCEA Bonn und AFCEA München, die von IBM unterstützt wurde.

Dies könnte sich in Zukunft allerdings grundlegend ändern. Denn angesichts der fortschreitenden Digitalisierung und der anwachsenden Bedeutung des Bereichs Cyber müssen Systeme zunehmend zusammengebracht werden. Darauf weist auch Generalleutnant Dr. Ansgar Rieks hin. Der Stellvertreter des Inspekteurs Luftwaffe. Er unterstreicht: “Ohne Cyber geht nichts.” Hier brauche es künftig noch mehr Sicherheit und Resilienz.

Tiefgreifende Veränderungen erforderlich

Auch die ehemalige Staatssekretärin im Bundesministerium der Verteidigung (BMVg), Dr. Katrin Suder, die inzwischen den Digitalrat der Bundesregierung leitet, meint: “Die Bedeutung von IT kann nicht überbewertet werden.” Sie prognostiziert, dass Automatisierung und KI immer stärker Einzug halten werden bei den BOS und der Bundeswehr. Dies gehe mit tiefgreifenden Veränderungsprozessen einher. Künftig seien völlig andere Verhaltens- und Arbeitsweisen sowie Führungsstile notwendig. Auch brauche es, und hier ist sie sich mit dem Bundestagsabgeordneten Dr. Brandl einig, andere Expertise im Öffentlichen Dienst. Technische Kompetenzen müssten deutlich stärker bei der Auswahl von Spitzenpersonal berücksichtigt werden. Zudem brauche es veränderte Einstellungs- sowie Aus- und Fortbildungsstrukturen im Öffentlichen Dienst.

Die Bundeswehr und das BMVg wollten künftig stärker als bislang auf mobile und personalisierte IT setzen. Denn, so der Abteilungsleiter CIT im BMVg, Generalleutnant Michael Vetter: “Digitalisierung ist essentielle Voraussetzung für die Funktionsfähigkeit der Bundeswehr.” Momentan sei es technisch möglich, dass bis zu 70.000 Teilnehmer gleichzeitig auf das System der Bundeswehr zugreifen könnten.

Im Wettlauf mit den Kriminellen

Auch die BOS neben der Bundeswehr müssten sich digitalisieren, betont Dr. Christian Klos. Dies beziehe sich vor allem auf die Bereiche Kommunikation, Aufklärung und Analyse, so der Leiter der Abteilung Öffentliche Sicherheit im Bundesinnenministerium (BMI). Gelinge das nicht, könnten sie nicht mit den Kriminellen mithalten. Zudem bräuchten die BOS ein gehärtetes Netz, um zum Beispiel kryptiert Videokonferenzen abhalten zu können. Und, so Klos: “Künstliche Intelligenz ist ein zentrales Instrument für die Verbrechensaufklärung.” Dies gelte insbesondere im Kampf gegen Kinderpornografie sowie bestimmte Formen der Wirtschaftskriminalität.

Auch in diesem Jahr veröffentlicht der Behörden Spiegel wieder ein AFCEA-Magazin. Buchungen hierfür sind noch bis Ende März möglich. Weitere Informationen erteilt Jennifer Großblotekamp per E-Mail unter: jennifer.grossblotekamp@behoerdenspiegel.de.

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