Wieder Zunahme an Wetterextremen

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Der Deutsche Wetterdienst (DWD) will künftig noch mehr und schnellere Attributionsanalysen durchführen. (Foto: BS/DWD)

Auch im vergangenen Jahr nahm die Zahl der festgestellten Wetterextreme wieder zu. So gab es in der Sahel-Region, um das Horn von Afrika sowie in Indien, Pakistan und China 2020 besonders viel Niederschlag. Regional lag er um 500 Prozent über dem vieljährigen Mittel. Im Nordatlantik wurden 30 Stürme und damit mehr als doppelt so viele wie normalerweise festgestellt.

Auf diese Zahlen macht der Präsident des Deutschen Wetterdienstes (DWD) sowie der Weltorganisation für Meteorologie (WMO), Prof. Gerhard Adrian, aufmerksam. Wegen der Zunahme der Extreme ist es immer wichtiger, die Frage beantworten zu können, ob ein Wetterextrem schon vom menschengemachten Klimawandel beeinflusst ist. “Diese spannende Frage können wir inzwischen oft beantworten”, erläutert Tobias Fuchs, Vorstand Klima und Umwelt des DWD. “Es ist jetzt möglich, den Einfluss des Klimawandels auf einzelne extreme Wetterereignisse zu untersuchen – das war vor einigen Jahren noch undenkbar”, so Fuchs. Möglich mache das die junge Wissenschaft der Extremwetterattribution. Dabei stünden zwei Fragen im Vordergrund: Werden bestimmte Extremereignisse, wie zum Beispiel Hitzewellen, häufiger auftreten? Und: Sind diese Extremereignisse heutzutage intensiver als in der Vergangenheit? Eine Attributionsanalyse enthält laut Fuchs immer zwei Bausteine. Zum einen werde untersucht, ob sich etwas geändert habe (Detektion). Zum anderen werde dann analysiert, ob der vom Menschen hervorgerufene Klimawandel die Ursache der Veränderung ist (Zuordnung; englisch: Attribution)

Zwei verschiedene Welten

Um eine Extremwetterattribution durchzuführen, sind laut Fuchs Modellsimulationen zweier verschiedener Welten erforderlich. Diese Simulationen beschreiben einerseits die Welt, in der wir aktuell leben und die alle menschlichen Einflüsse beinhaltet. Anderseits beschreibe eine Simulation eine Welt ohne menschlichen Einfluss auf die Treibhausgase und andere Einflussfaktoren. Vergleiche man beide simulierten Welten, zeige sich, ob der Klimawandel die Häufigkeit und Intensität des untersuchten Extremereignisses beeinflusst habe.

Leider könnten, schränkt Fuchs ein, noch nicht alle Wetterextreme so untersucht werden. Für Deutschland kämen bisher nur großräumige Extremniederschläge, Hitze- und Kältewellen sowie Dürren, die sich über mehrere Bundesländer erstrecken, in Frage. Denn eine Voraussetzung für Attributionsanalysen sei, dass das Ereignis von Klimamodellen dargestellt werden könne. “Ein weiterer Aspekt ist, dass für die notwendigen statistische Analysen Modellsimulationen von vielen hundert Jahren vorhanden sein müssen”, erläutert Fuchs. Deshalb sei jede Attributionsanalyse, zu der nur wenige nationale Wetterdienste bisher fähig seien, noch sehr arbeits- und zeitintensiv und könne nur mit deutlicher Verzögerung veröffentlicht werden.

Möglichst viel automatisieren

Der DWD arbeite deshalb mit Partnern daran, die notwendigen Schritte zu operationalisieren und in den Routinebetrieb zu überführen. Dadurch soll es künftig möglich sein, schon wenige Tage nach einem Wetterextrem sagen zu können, ob der menschengemachte Klimawandel für eine intensivere Ausprägung gesorgt hat.

Fuchs betont: “Unser Ziel ist, das Attributionsanalysen von Wetterextremen so selbstverständlich sind, wie deren Vorhersage. Unsere Analysen sind dabei ein Bindeglied zwischen dem heute erlebten Wetter und der ablaufenden Klimaveränderung. Sie machen den Klimawandel für uns Menschen greifbar – und zwar mit wissenschaftlichen Fakten.”

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