Datenleck bei beliebter Lern-App Anton

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Beliebte Lern-Apps wie Anton, können mit dem Smartphone oder auch einem Tablet genutzt werden. (Foto: Stefan Meller, www.pixabay.com)

Bei der Lern-App Anton hat es eine gravierende Sicherheitslücke gegeben. Nach Recherchen vom Bayrischen Rundfunk (BR) waren private Informationen ungeschützt abrufbar. Betroffenen sind Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer aus Deutschland und weiteren Ländern. Im App-Store von Android wurde “Anton” mehr als eine Million Mal heruntergeladen.

Die Daten waren weder mit einem Passwort noch anderen Sicherheitsmechanismen geschützt. Somit waren persönlichen Informationen wie Vor- und Nachname, Klassen- und Schulzugehörigkeit und Lernfortschritte von Dritten einsehbar. Darüber hinaus war es sogar theoretisch möglich, sich als Lehrkraft auszugeben und Nachrichten an Schüler in Lerngruppen zu versenden.

Der Vorfall wird von verschiedenen Stellen kritisiert. Der Bayrische Landesdatenschutzbeauftragte Prof. Thomas Petri spricht von einer “schlimmen Situation”, besonders in Hinsicht der Exponierung der Informationen von Kindern. Mitunter könne es sogar vorkommen, dass solche Sicherheitslücken genutzt werden “um entweder die Lehrkräfte zu beleidigen oder Schulkinder zu verängstigen oder zu belästigen” so Petri.

Entwickler sieht keinen konkreten Datenmissbrauch

Der Entwickler der Anton-App Solocode hat die Sicherheitslücke zwar eingeräumt, teilte aber mit, dass nach derzeitigem Kenntnisstand “kein Missbrauch potenziell unberechtigt abrufbarer personenbezogener Daten erfolgt ist”. Das Unternehmen versicherte, dass “der Datenschutz und die Sicherheit von Nutzerdaten für uns ein wichtiges Anliegen ist”.

Prinzipiell gilt die App als sehr datenschutzfreundlich und wird von der EU und der Berliner Senatsverwaltung finanziell gefördert. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek hält die App für eine “gute Lern-App für Grundschüler”.

Es ist weiterhin unklar, wie die Sicherheitslücke bisher unentdeckt bleiben konnte. Das Bundesbildungsbildungsministerium (BMBF) prüft Apps nicht auf etwaige Schwachstellen. Die sichere Ausgestaltung liegt in den Händen des Anbieters. Allerdings kann jede Schule individuell entscheiden, welche App genutzt wird. Ein Sprecher der Kultusministerkonferenz teilte dem BR jedoch mit, dass derzeit an einem Projekt zur Entwicklung von Prüfverfahren für digitale Bildungsmedien gearbeitet werde.

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