Offizielle Auftritte in Social Media

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Beispiel für mangelhafte Medienkompetenz, gepostet an einem Tag gegen Sexismus. (Foto: Bundeswehr/Luftwaffe)

Manchmal entsteht der Eindruck, dass einige Posts in Social Media besser nicht geschehen wären. Die Luftwaffe lieferte mit ihrem Tweet zum #EqualPayDay, mit dem ein Zeichen gegen die ungleiche Bezahlung von Mann und Frau gesetzt werden soll, ein solches Beispiel. Statt sich mit den Frauen zu solidarisieren, richtete sich die Kampagne der Luftwaffe gegen jene Menschen, die sich – zu Recht könnte man meinen – gegen Sexismus einsetzen.

Das zum #EqualPayDay gepostete Foto wollte absichtlich den Eindruck erwecken, dass hier gerade keine Gleichstellung, sondern das klassische Geschlechterrollenverständnis herrscht. Am Abend wurde dann “aufgelöst”, dass auf dem Foto zwei Frauen zu sehen waren und sich dadurch über jene lustig gemacht, die das Bild bis dahin als sexistisch bezeichnet hatten.

Auch wenn es nur ein kleiner Vorfall zu sein scheint, zeigt es doch, ebenso wie der Umgang mit den Kommentaren, dass in Puncto Medienkompetenz deutlicher Verbesserungsbedarf besteht. Man erinnere sich an den Leiter der Social Media Division, der unbedarft Fotos mit rechtsradikaler Lektüre likte. Oder in diesem Fall eine Aktion zum #EqualPayDay, der sich über den Einsatz für Gleichberechtigung lustig macht.

In allen diesen Fällen vergaßen die Soldatinnen und Soldaten anscheinend den Unterschied zwischen dem Status als Repräsentant des Staates bzw. sogar als offizieller Account einer Teilstreitkraft – wodurch es sich um eine formelle und zitierfähige Äußerung “der Luftwaffe” handelt – und dem, was Onkel Hermann in der Hundegruppe bei Facebook so von sich geben darf.

Gerade in Zeiten des Lockdowns verschwimmen die Grenzen zwischen dem Wohnzimmer und dem öffentlichen Auftreten tatsächlich, umso wichtiger ist es, den Unterschied zu kennen und die Aussagen dementsprechend anzupassen. Auch ein Tweet ist schließlich die Öffentlichkeit, genauso, als würde es bei einem Kongress vor einem Publikum von 24.600 Menschen geäußert. Jeder Post und Kommentar ist eine offizielle Erklärung, in diesem Fall der Luftwaffe, die auch der Inspekteur unterschreiben können muss.

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