Ausbildung in der Corona-Pandemie

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Zum Thema "Ausbildung während der Pandemie" diskutierten: (im Uhrzeigersinn: Michael Frücht (Direktor des Landesamtes für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei Nordrhein-Westfalen), Martin Schatz (Präsident der Hochschule für Polizei Baden-Württemberg), Carsten Rose (Direktor der Polizeiakademie Niedersachsen) und Dieter Wehe (Inspekteur der Polizei NRW a.D.). (Screenshot: BS/Klawon)

Nicht nur die schulische Ausbildung von Kindern und Jugendlichen ist ein akutes Thema in der Pandemie. Ebenso müssen zahlreiche angehende Polizistinnen und Polizisten gründlich ausgebildet werden. Dies stellte und stellt die Ausbildungsstätten der Polizeien vor Herausforderungen.

Über mangelnden Nachwuchs können sich die Polizeien in Baden-Württemberg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen auch in der Pandemie nicht beklagen. Das Bewerberaufkommen sei weiterhin hoch oder sei gestiegen. Michael Frücht, Direktor des Landesamtes für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei Nordrhein-Westfalen, führt dies auf die Perspektiven und die Sicherheit des Öffentlichen Dienstes zurück.

Von den Entwicklungen überrascht

Doch sei man im März 2020 von den Entwicklungen überrascht gewesen. Man sei technisch nicht für eine sofortige Umstellung auf “Heimunterricht” vorbereitet gewesen. Doch die technischen Defizite konnten schnell durch eine massive Beschaffungsmaßnahme ausgeglichen werden. Dennoch konnte kein Ausbildungsträger sofort zu Pandemiebeginn auf eine digitale Ausbildung umstellen, berichtete Carsten Rose, Direktor der Polizeiakademie Niedersachsen. Fortbildungen habe man für einen Monat aussetzen müssen. Doch sei der digitale Distanzunterricht von den Studentinnen und Studenten gut angenommen worden und keine große Herausforderung gewesen. “Die Schülerinnen und Schüler sind eine andere Generation”, hielt Frücht fest. Es seien “Digital Natives”, die schon zuvor ihr Leben im Digitalen organisiert hätten. Für den einen oder anderen Dozenten sei es jedoch eine besondere Situation gewesen.

Eine besondere Herausforderung stellt die Bereitstellung und Nutzung von Dokumenten in der Ausbildung, die VS NfD eingestuft sind, dar. Während in NRW zwar die Nutzung von privaten Geräten für die Ausbildung erlaubt sind, hob Frücht warnend den Finger: “Weil viele Inhalte der Verschlusssachenanweisung unterliegen, müssen der Dozent und die Schüler sehr diszipliniert sein bei der Frage, was vermittle ich über diesen Kanal, denn da muss man andere Sicherheitsrisiken betrachten.” Für Verschlusssachen sei nur die Nutzung von Dienstgeräten zulässig.

Polizei als Handwerk

Martin Schatz, Präsident der Hochschule für Polizei Baden-Württemberg, machte jedoch darauf aufmerksam, dass der Polizeiberuf auch praktische Fähigkeiten verlange, die sich nicht im Distanzunterricht erlernen ließen. Deshalb habe man z. B. beim Schießtraining Kleingruppen gebildet und bis spät in den Abend die Trainingseinheiten absolviert.

Dem stimmte Frücht zu: “Der Polizeiberuf ist auch ein Handwerk.” Zwar konnten die Verantwortlichen keine Verschlechterung des Notendurchschnittes feststellen, jedoch unterschied Frücht zwischen Studien- und Berufserfolg. Während sich der Studienerfolg positiv entwickelte, könne man die Folgen der Ausbildung in der Pandemie erst in einigen Jahren absehen.

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