Frankreich bietet Atlantique 2 Seefernaufklärer

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Frankreich ist bereit Deutschland vier At-lantique 2 Seefernaufklärer zu leihen, um die Zeit zu überbrücken, bis das gemeinsame Projekt MAWS abhebt. (Foto: BS/Wikipedia/Eric Salard)

Vorletzte Woche genehmigten die USA den FMS-Case für die P-8A Poseidon, also den Verkauf von Seefernaufklärern an Deutschland (wir berichteten), nun zieht Frankreich nach. Laut dem französischen Magazin “Mer et Marine” sei die Leihgabe von vier auf Standard 6 umgerüsteten Atlantique 2 Seefernaufklärern durch die französische Marine Teil der Lösung, die Deutschland angeboten werde, um die acht P-3C Orions der Bundeswehr vorübergehend zu ersetzen.

Somit liegen Deutschland nun zwei Angebote vor, um die aktuellen Seefernaufklärer zu ersetzen. Oder besser gesagt den Zeitraum zu überbrücken, bis aus dem deutsch-französischen Projekt MAWS (Maritime Airborne Warfare System) ein einsatzfähiger Seefernaufklärer herauskommt. Die erste Studie zu MAWS – die Machbarkeitsstudien für das Missionssystem – wurden Ende letzten Jahres an Thales, Diehl, ESG und Hensoldt vergeben. Die großen Player, Airbus und Dassault Aviation, werden hingegen erst in diesem Jahr mit weiteren Studien in das Projekt eingebunden. Die Bundesregierung rechnet nicht mit einer Einführung von MAWS vor 2032, wie aus einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der FDP (Drucksache 19/22788) im Herbst letzten Jahres hervorgeht: “Im Zuge der vorzeitigen Beendigung des Projektes wurde mit der Erarbeitung verschiedener Optionen begonnen, mit denen die durch die Außerdienststellung des Waffensystems P-3C Orion entstehende Fähigkeitslücke, voraussichtlich ab dem Jahr 2025 bis zur Realisierung des deutsch-französischen Entwicklungsvorhabens Maritime Airborne Warfare System (MAWS) frühestens ab dem Jahr 2032, geschlossen werden kann.”

Ursprünglich war auch Deutschland Atlantique geflogen, allerdings die alte Version, die beispielsweise in Frankreich bereits in den 90er Jahren durch die Atlantique 2 ersetzt wurde. Die aktuellen P-3C Orion wurden als Ersatz der Atlantique im Jahr 2004 gebraucht von den Niederlanden gekauft, um die Lücke bis zur Entwicklung eines neuen europäischen Seefernaufklärers zu schließen. Aus Kostengründen nahm das BMVg allerdings im vergangenen Jahr von einer weiteren Modernisierung der P-3C Abstand, weshalb die Maschinen spätestens 2025 außer Dienst gehen. Frankreich setzte hingegen auf die Modernisierung von achtzehn seiner zweiundzwanzig Atlantique 2, womit die Flugzeuge bis 2035 in Betrieb bleiben können.

Hintergrund des französischen Angebots ist eventuell auch die Angst, dass mit der modernen P-8A Poseidon das Bedürfnis Deutschlands zur Entwicklung eines Seefernaufklärers nicht mehr ganz oben auf der Prioritätenliste stehen könnte, während die Atlantique 2 um 2035 tatsächlich das Ende ihrer Lebensdauer erreicht.

Über die Fähigkeiten der deutschen Seefernaufklärer sprach der Behörden Spiegel mit dem Kommandeur der Fliegenden Gruppe des Marinegeschwaders 3 “Graf Zeppelin”, Fregattenkapitän Stephan von Hanneken. Das Interview ist hier abrufbar.

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