Amtsübergabe Inspekteur Marine der Bundeswehr

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Die Amtsübergabe und Verabschiedung von Vizeadmiral Andreas Krause fand in Berlin statt. (Foto: Presse- und Informationszentrum Marine)

Gestern wurde das Kommando über die Deutsche Marine von Vizeadmiral Andreas Krause an Vizeadmiral Kay-Achim Schönbach übergeben. Im Nachgang fand die Verabschiedung von Vizeadmiral Krause durch die Ministerin statt. Das gesamte Zeremoniell zeigte die Phantasielosigkeit und mangelhafte Krisenreaktionsfähigkeit des BMVg sowie eine Personalführung, der das eigene Personal im Grunde ziemlich egal ist.

Während zum Tag der Deutschen Einheit noch ein Zapfenstreich organisiert werden konnte und Sitzungen im Bundestag weiterhin in Präsenz stattfinden, sah sich das Bundesministerium der Verteidigung nicht in der Lage, eine normale Amtsübergabe oder anständige Verabschiedung des scheidenden Inspekteurs der Marine zu organisieren. Wegen Corona sei dies nicht möglich, hieß es in der Begründung. Dabei ist Corona aktuell kaum noch ein plötzliches und überraschendes Ereignis zu nennen. Auch das Ausscheiden von Vizeadmiral Krause kam nicht von heute auf morgen. Während selbst Kleinstädte oder mittelständische Betriebe es schaffen, ihr Jubiläum Corona-konform mit allen notwendigen Hygieneregeln zu organisieren, war das Verteidigungsministerium hierzu anscheinend nicht in der Lage. Dabei hätte die Marine durchaus Zapfenstreich-Zeremonien im Angebot, die sich mit Abstand durchführen ließen. Auch der klassische Zapfenstreich wäre – ohne Gäste – möglich gewesen.

Dies lässt nur den Schluss zu, dass das Ministerium anscheinend nicht gewillt war, den zusätzlichen Aufwand für einen scheidenden Inspekteur zu leisten. Dies zeigt die deutliche Missachtung des eigenen Personals, das sich in der politischen Führung seit Ursula von der Leyen ausbreitete. Die Ehrung durch den Zapfenstreich soll schließlich auch die zusätzliche Arbeit würdigen, die ein Inspekteur für sein Land in all den Jahren leisten musste. Ein Admiral erhält weder Finanz- noch Freizeitausgleich für geleistete Überstunden, die bei einem Inspekteur zur Norm gehören. Hinzu kommen die vielen Umzüge, ohne die der Admiralsrang nicht erreicht werden kann. Bei der Marine kommen noch häufige Abwesenheiten durch die Seefahrt hinzu. All dies wird normalerweise durch den Zapfenstreich gewürdigt.

Die Verabschiedung von Vizeadmiral Krause fand hingegen nur durch die Ministerin statt. “Nach so langer Zeit in der Marine und zuletzt als Inspekteur geht mir viel Erlebtes durch den Kopf. Vor allem aber – und das gilt ganz besonders für die letzten sechseinhalb Jahre – bin ich dankbar dafür, dass die Männer und Frauen der Marine mich unterstützt und getragen haben. Marine ist Teamwork und wir sind Marine. Und ich bin dankbar dafür, dass meine Familie das tapfer ertragen hat, was unser Beruf mit sich bringt”, sagte Vizeadmiral Krause. “Meine Amtszeit war von einem einschneidenden Paradigmenwechsel in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik Deutschlands und im letzten Jahr durch die Pandemiebewältigung geprägt. Beides hatte und hat große Auswirkungen auf die Marine und stellt die Menschen in der Marine vor sehr große Herausforderungen.”

Vizeadmiral Krause mahnte besonders die notwendige und verlässliche Finanzierung der Bundeswehr an: “Dabei bin ich mir sehr bewusst, dass die Pandemiebewältigung jetzt im Vordergrund steht und dies natürlich auch Auswirkungen auf die Finanzlage insgesamt haben wird. Die sicherheitspolitischen Herausforderungen bleiben aber und wir sollten ihnen angemessen begegnen. Vizeadmiral Krause betonte: “Damit das klappen kann, brauchen wir eine verlässliche Finanzierung der erforderlichen Fähigkeiten. Meinem Nachfolger, Konteradmiral Schönbach, wünsche ich dafür viel Erfolg, stets eine Handbreit Wasser unter dem Kiel sowie Mast- und Schotbruch.”

4 Kommentare

  1. Es ist schon ziemlich bezeichnend für die Spitze des BMVg dass Sie einen einen verdienten Inspekteur der Marine,der auch offensichtlich in vielen befreundeten Marinen hohes Ansehen geniest so jämmerlich wie oben beschrieben verabschiedet hat. Das zeigt welchen Stellenwert die deutschen Streitkräfte in vielen Teilen der Legislative/ Ministerien haben.
    Ich habe einen Neffen der jetzt sein Abi macht. Er interessiert sich bisher ,durch die Vermittlung meiner guten Berufserfahrung als Marineoffizier, auch für den Beruf des Marineoffizier. Ich bin mir jetzt nicht mehr so sicher ob ich weiterhin guten Gewissens für die Marine werbend auf ihn einwirken möchte.
    Ich hoffe dass die hohen Amtsträger der Politik und der Streitkräfte solche ärmlichen
    Verabschiedungen zukünftig verhindern werden.

  2. Beschämend für die Ministerin, so einen Abschied für den Inspekteur der Marine.
    Ich habe auch nach 39 Jahren die Marine verlassen, was für einen Abschied hatte ich!!
    Holt endlich wieder einmal einen „Macher“ an die Spitze des BMVG.
    Gerne hätte ich den Auftrag für eine würdige Verabschiedung, auch in Corona Zeiten, entgegengenommen und ausgeführt.
    Das Bild sollte Mann löschen. Wer ist der Herr in grau?

  3. Danke für ihre treffende Beurteilung. Bei allem Respekt und Verständnis für die besondere Situation, dieses „Zeremoniell“ wurde der Persönlichkeit und Leistung InspM nicht gerecht und hätte mehr Phantasie verdient gehabt!

  4. Traurig, einfach nur traurig. Auch wenn man nicht unbedingt pro BW eingestellt ist, ist es schon beschämend so einen Mann in diesem Kreise in den Ruhestand zu schicken. Jeder Marinesoldat hat da eine schönere Verabschiedung von seinem Kommando. Nur der Höchst Marinesoldat geht so nach hause. Traurig, einfach nur traurig

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