Gegen Hate Speech – im Rahmen des Möglichen

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(Foto: terimakasih0, pixabay.com)

Mehr Homeschooling bedeutet auch mehr Surfen im Netz und damit mehr digitaler Hass und Hetze. Die Betreiber von Plattformen und Lehrerinnen und Lehrer sind in der Pflicht – und gleichzeitig machtlos.

“Der Verein Deutschland sicher im Netz (DsiN) pädagogische und politische Antworten auf das Thema Hate Speech.” Im Rahmen des DsiN-Aktionstags “Digitale Bildung trifft Schule” (DigiBitS), diskutierten hierzu Renate Künast MdB (Bündnis 90/Die Grünen) und Viet Hoang, Amadeu Antonio Stiftung, Projekt “Good Gaming – Well Played Democracy”, Probleme und Lösungsansätze.

Zum einen, so Künast, sei das mangelnde Eingreifen von Gerichten und Staatsanwälten problematisch für die juristische Handhabe gegen Gesetzesbrüche im Netz. Zum anderen müssten aber auch die Plattformen viel stärker in die Pflicht genommen werden. Zum Vergleich, auf analogen Marktplätzen würde das Verbot von Hetze und Hass viel eher durchgesetzt. “Wer hat die Aufsicht auf dem digitalen Marktplatz?”

Ähnlich argumentiert auch Hoang, welcher die Gaming-Plattformen als blinden Fleck Deutschlands bezeichnet. Die dienen in erster Linie als Austauschraum, in welchem es politische und gesellschaftliche Diskurse gebe – aber eben auch Antisemitismus, Rassismus und Diffamierung aller Art. Hier werde seitens der Regierungen in Bund und Ländern noch viel zu wenig unternommen.

Zudem gebe es seitens der Nutzer zu wenig Kompetenz mit Hate Speech umzugehen – dies betrifft nicht nur Jugendliche! Der Altersdurchschnitt bei Gamerinnen und Gamern liegt bei Mitte 30 und ist damit ein gesamtgesellschaftliches Phänomen. “Es fehlt ein Gefühl dafür, dass am anderen Ende Menschen sitzen und dass das Internet kein losgelöster Raum ist”, erläutert er in der Diskussion. “Die Leute wissen nicht, wann Grenzen überschritten sind.”

Lösungen könnten eine gesamtgesellschaftliche Debatte und digitale Medienbildung an Schulen sein, so Künast. Auch finanzielle Förderung von demokratiefördernden Projekten sowie Weiterbildungen für Lehrkräfte sei sinnvoll.

Hier gerate man jedoch sofort wieder an die Grenzen des Umsetzbaren, so Hoang. Einerseits sollen Lehrkräfte Einfluss nehmen, Schüler über Mobbing aufklären und Vorfälle, die innerhalb eines Klassenverbands passieren, aufklären. Andererseits ist es ihnen vielerorts untersagt, außerhalb des Schulkontextes Kontakt mit Schülerinnen und Schülern aufzunehmen, diese Räume bleiben streng getrennt. Sprich was nachmittags in der Freizeit in einer Whatsapp-Gruppe passiert, bleibt Lehrerinnen und Lehrern verborgen – und dennoch sollen sie darauf reagieren.

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