Kommunale Sportstätten verfallen dem “Schweinezyklus”

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Kommunale Sportstätten verfallen. Wie die Sanierungen gewährleistet werden können, ist umstritten. (Foto: pixel868, pixabay.com)

Sport gilt als Kitt der Gesellschaft. Die kommunalen Sportstätten sind aber “nicht so gepflegt worden, wie es nötig gewesen wäre”, bemängelt Lutz Thieme, Sozialwissenschaftler der Hochschule Koblenz. Das Ergebnis ist ein “Schweinezyklus”.

Für Sportstätten in Deutschland belaufe sich der Sanierungs- und Modernisierungsbedarf “auf mindestens 31 Milliarden Euro”, argumentiert Andreas Silbersack, Vizepräsident Breitensport/Sportentwicklung beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Die vereinzelten Förderungen in den Ländern reichten nicht aus, um die Sportstätten attraktiv zu gestalten, weswegen es Förderprogramme des Bundes brauche.

Dieser Argumentation folgen auch Helmut Holter (Die Linke), Sportminister in Thüringen, und Andrea Milz (CDU), Staatssekretärin für Sport und Ehrenamt des Landes Nordrhein-Westfalen. Beide sprechen sich für eine Investitionsoffensive aus, “damit die Sportstätten richtig auf Vordermann gebracht werden”, so Holter, und “damit etwas am Bestand passiert”, argumentierte Milz. In diesem Zusammenhang verwies Lars-Detlef Kluger, Präsident des Stadtsportbundes Dresden, darauf, keine thematischen Vorgaben bei den Förderungen zu machen. Diese hätten sich in der Vergangenheit eher als hinderlich für Investitionen erwiesen. Ähnlich argumentiert Uwe Lübking vom Deutschen Städte- und Gemeindebund (DStGB), welcher die unterschiedliche Finanzkraft der Kommunen in den Blick nimmt. Mit einem allgemeinen Sportbudget könnten die Gelder so beantragt werden, wie sie “vor Ort tatsächlich benötigt” würden.

Achim Haag, Präsident der DLRG (Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft), möchte dagegen die interkommunale Zusammenarbeit mehr in den Fokus rücken. Man müsse sind von der Idee verabschieden, “dass jeder ein Schwimmbad haben muss”, um so Betriebs- und Instandhaltungskosten der einzelnen Kommunen gering zu halten.

Dem Abbau struktureller Barrieren kann auch Thieme zustimmen. Nur so sei dem Sanierungsstau bei in den 1970er, 1980er und 1990er Jahren mit “Goldenen Plänen” erbauten Sportstätten beizukommen, wenn nicht der Bund regelmäßige Investitionszahlungen aufbringen wolle. Kommunen und Länder müssen in der Lage sein, “die im gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks zur Betreibung notwendigen Betriebs- und Sanierungskosten aufzubringen”.

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