Russische Navigation in deutschen Kriegsschiffen?

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Rund hundert Schiffe der Deutschen Marine sollen mit dem mutmaßlich russischen Navigationssystem ausgestattet sein. (Foto: BS/Bundeswehr/Björn Wilke)

Die Bild am Sonntag titelte “Deutsche U-Boote fahren mit Russen-Navi”. Der Bericht führt aus: “Unter Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) wurden 2005 rund hundert Schiffe der deutschen Marine mit neuen Navigationssystemen der russischen Firma Transas ausgestattet. Auch später entschied sich die Regierung für Transas, installierte nach BILD am SONNTAG-Informationen den ‘Navi Sailor 4100’ (Navigationsgerät für Position, Geschwindigkeit, Route) in den modernsten deutschen U-Booten U 35 (seit 2015 in Betrieb) und U 36 (seit 2016).”

So weit, so aufregend. Sollten deutsche Kriegsschiffe wirklich auf russische Systeme bauen, wäre dies tatsächlich ein Skandal. Allerdings fahren dann auch viele andere NATO-Marinen mit russischer Navigation, unter anderem Großbritannien und die USA. Die Meldung steht und fällt mit der Frage, ist Transas ein russisches Unternehmen? Google beantwortet dies im Knowledge-Shortcut mit Ja. “Hauptstandort: Sankt Petersburg, Russland” ist dort zu lesen. Womit Google allerdings Unrecht hat, das Hauptquartier von Transas befindet sich im britischen Portsmouth.

Transas besitzt 22 regionale Repräsentanzen, darunter eine in St. Petersburg. Das Büro in St. Petersburg erhielt eine gewisse Berühmtheit, als es im Oktober 2019 von russischen Sicherheitskräften gestürmt wurde, die es mehrere Stunden unter Kontrolle hielten und versucht haben sollen, an technische Details der Navigationssysteme zu gelangen.

Richtig ist zudem, dass Transas im Jahr 1990 in St. Petersburg gegründet wurde. Das Hauptquartier wurde allerdings bereits im Jahr 2003 nach Irland, später nach Großbritannien verlegt. Im März 2018 kaufte das finnische Unternehmen Wärtsilä das zu dem Zeitpunkt britische Transas.

Zudem ist festzuhalten, dass die (wahrscheinlich Not-Wochenendbesetzung der) Pressestelle des BMVg auf die Bild-Anfrage nur kryptisch antwortete: “Die Regierung unternimmt große Anstrengungen, um die IT-/Cyber- und Kryptomittelsicherheit im Geschäftsbereich des BMVg zu gewährleisten.”

Allerdings erwähnt die Bild am Sonntag in ihrem Artikel auch: “Die Daten-Verschlüsselung dieser Systeme entspricht NICHT dem militärischen Standard (gilt als besonders sicher).” Dies ist eine durchaus interessante Feststellung. Sollten die deutschen U-Boote mit veralteter Kryptierung fahren, wäre dies im Grunde ebenso unverantwortlich wie angeblich russische Navigationssysteme, da in dem Fall jeder technologisch versierte Gegner – nicht nur die Russen – die Standortdaten ermitteln könnten.

Dieses Problem beträfe allerdings erneut nicht nur Deutschland, sondern alle Marinen die diese Navigationssysteme einsetzen, darunter mehrere NATO-Staaten. Dass Russland zur Manipulation elektronischer Systeme in der Lage ist, bewiesen die nicht-funktionierenden Haubitzen der Ukraine während der Krim-Krise.

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