Wo ein WILLE ist… oder Warum es Zeit ist für Aktionspläne zur „Digitalisierung der Schulen“

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Beate Bruns ist Geschäftsführerin der time4you und Bildungsexpertin. (Foto: time4you.de)

Lehrer und Schüler müssen sich in ungewohnter Schnelligkeit auf neue Lernformen einstellen. Die Wahl der geeigneten Schulplattform ist nicht einfach und folgt in der Regel Empfehlungen oder Vorgaben. Das neue Konzept und Selbstverständnis von hybridem Lernen und digitaler Schule und die vor uns liegenden Monate werden noch einiges an Flexibilität und Anpassungsfähigkeit erfordern. Der Einsatz datenschutzkonformer und flexibler Lernmanagementsysteme, die nicht ständig unter der Last der gleichzeitigen Datenabfragen zusammenbrechen, ist in der aktuell herausfordernden Situation besonders wichtig. Der E-Learning Pionier time4you aus Karlsruhe unterstützt die Schulen dabei, kurzfristig digitalen Unterricht und die digitale Betreuung der Klassen zu realisieren und stützt sich dabei auf seine mehr als zwanzigjährige Erfahrung, erfolgreiche didaktische Konzepte und pädagogisches Know-how. Das Experten-Team konnte im Winter 2020/2021 nach verschiedenen Anfragen den ersten Schulen zum Start verhelfen und unterstützt nun seit dem ersten Quartal 2021 nicht nur Unternehmen und Bildungsträger bei der Aus- und Weiterbildung, sondern auch Bildungseinrichtungen im schulischen Umfeld. Beate Bruns, Geschäftsführerin der time4you und Bildungsexpertin, teilt ihre Erfahrungen und mögliche Lösungsansätze:

Frau Bruns, was erstaunt Sie in der aktuellen Debatte um die Schulformen und Homeschooling am meisten?

Bruns: Ich bin damit ganz sicher nicht alleine, viele Menschen wundern sich darüber, wie selbstverständlich hingenommen und angenommen wird, dass die Eltern den Unterricht zu Hause übernehmen, anstatt dafür zu sorgen, dass die Lehrkräfte nicht nur punktuell, sondern systematisch und flächendeckend das Homeschooling übernehmen. Die Schliesszyklen der Schulen haben zudem den Bildungsunterschied sichtlich verschärft, die soziale Ungleichheit ins Rampenlicht gerückt. Homeoffice plus Homeschooling und gleichzeitig der Wunsch der Eltern, dass ihre Kinder gut betreut unterrichtet werden, das klappt nicht per Wunschdenken.

Die Integration digitaler Lehr- und Lernszenarien stellt nach wie vor eine Herausforderung da – für Lehrer und Schüler gleichermaßen. Es gab doch in der Zwischenzeit genügend Möglichkeiten sich die Plattformen anzuschauen und in den Schulalltag zu integrieren. Wo liegt das Problem?

Bruns: So einfach ist es halt nicht, ein bisschen Jitsi hier und ein wenig Zoom dort, eine Landesplattform der Schulministerien, deren Server teilweise überlastet sind und das ewige Ausspielen von Präsenz- vs. Onlinelernen, so kommen wir nicht weiter. Wir brauchen eine klare Strategie und Zuständigkeiten, damit wir die Theorie der Schuldigitalisierung endlich in einen pragmatischen Prozess überführen. Sonst heißt es noch in fünf Jahren: Schulen ans Netz – kriegen wir demnächst.

Viele Eltern und Schulen wünschen sich in der herausfordernden Pandemiesituation für die Kinder derzeit einen sicheren Schulalltag, am liebsten verstärkt mit Präsenzunterricht. Stößt der digitale Unterricht an seine Grenzen?

Bruns: Nein, im Gegenteil – noch nie war die Motivation so groß, beide Bereiche endlich professionell miteinander zu verzahnen. Dazu jedoch braucht es mehr als den Rechner einzuschalten, die Smartphone App zu aktivieren und zu hoffen, dass die Lehrer das schon irgendwie hinbekommen und der Medienbruch sich von allein erledigt.   

Was wäre ein sinnvoller nächster Schritt für die Bildungsverantwortlichen der Länder?

Bruns: Es gibt Vorschläge, Leitfäden, Orientierungspunkte wie zum Beispiel den „Leitfaden zum Einkauf von Hardware für Schulen“ des Bitkom, die vielen Empfehlungen auf den Bildungsservern der Länder, den Plattformen des Bundes und in privater Trägerschaft. Und dann? Dezentral oder zentraler Einkauf und Vergabe? Schulentscheidung für eine Plattform oder Vorgabesystem? Vielleicht gibt es sogar zuviel – Stichwort Wald und Bäume … Es ist jetzt höchste Eisenbahn, das Thema digitaler Schulunterricht zur Chefsache zu erklären. Und das könnte meiner Meinung nach sehr gezielt und zeitnah funktionieren, ohne dass wir in bürokratischen Schleifen verharren müssen.

Schulnoten für den Switch auf digital: eine Statista Umfrage in 2020 unter deutschen Haushalten ergab: 30 Prozent sind mit der bisherigen Umsetzung des Wechsels von Präsenz auf digitalen Schulunterricht nicht zufrieden, knapp zehn Prozent finden die Umsetzung ungenügend. (Grafik: Statista 2021)

Wie könnte solch ein Aktionsplan aussehen?

Bruns: Ein Aktionsplan, der die Betriebsfähigkeit der Schulen und ihren Bildungsauftrag auch unter den aktuellen Bedingungen – und dann “natürlich” mit digitalen Instrumenten – bestmöglich gewährleistet, müsste folgende Aspekte berücksichtigen und wäre sehr kurzfristig umsetzbar, wenn nur der Wille da ist:

Dazu gehört folgendes:

  • Alle Lehrkräfte kurzfristig und pragmatisch qualifizieren, um mit digitalen Instrumenten und Methoden guten Unterricht zu machen. Das lässt sich in einem ersten Schritt innerhalb von 4-8 Stunden Online-Training in einem Zeitraum von 14 Tagen landesweit realisieren. Eine zweite Stufe im ungefähr selben Umfang käme dann zwei bis vier Wochen später nach den ersten Umsetzungserfahrungen. Bei größeren Lockerungen können so Lehrkräfte die Bedenken wegen einer Ansteckung haben, durch digitale Methoden emotional entlastet werden und remote ihren Unterricht durchführen. Lehrkräfte, für die ein mehrstündiger Unterricht mit Maske nicht möglich ist, könnten ebenfalls digital unterrichten.
  • Es wäre nicht mutig, sondern unabdingbar die Lehrpläne kurzfristig auf das wirklich Wichtige zusammenstreichen. Das wäre vermutlich auch langfristig nötig und sinnvoll. Ich erlebe bei unseren Einstellungsgesprächen regelmäßig die Defizite in den Grundkompetenzen. Nachdem ich einen Blick in die Lehrpläne geworfen habe, wundert mich das nicht mehr.
  • Kurzfristig müssen alle Lernenden und Lehrenden, die keine oder keine adäquaten eigenen digitalen Geräte haben, damit ausgestattet werden. Das sind Lehr- und Lernmittel! Das System dafür steht über den Digitalpakt zur Verfügung. Definierte Budgets pro Schüler und Schule und Budgethoheit jeder Schule geben die Verantwortung dorthin, wo sie hingehört. Und diese Budgets müssen einfach abrufbar sein, der Verwendungszweck lässt sich ja über nachprüfen. Ich verstehe, dass Schulentwicklungspläne in Sachen Medieneinsatz grundsätzlich eine gute Sache sind. In einer Situation wie der aktuellen führt das jedoch meines Erachtens am Ziel weit vorbei. Das heißt auch, dass die Schulen und Lehrkräfte Medien und Tools frei ausprobieren können und nicht durch Vorgaben und Vorentscheidungen gegängelt werden.
  • Dezentralisierung der Entscheidung und Kompetenz ist ebenfalls ein wichtiger Punkt. Dezentrale Plattforminfrastrukturen mit den entsprechenden Rechtssicherheiten müssen aufgebaut werden. Jede Schule kann hier kurzfristig für sich viel schneller und pragmatischer entscheiden. Und wenn eine Schule das nicht will, kann sie sich der landesweiten Plattformen bedienen. Es gilt hier der Grundsatz aus dem Wissensmanagement: erst einmal wachsen und machen lassen und dann – mit Bedacht – sortieren, strukturieren, optimieren.
  • Lehrende können auch von zuhause aus Unterricht in die Klassenzimmer hinein erteilen via Videokonferenztools. Das ist beim Wechselunterricht praktikabel und funktioniert synchron auch bei räumlich verteilten Klassen/Gruppen bis in die Einzelhaushalte hinein. Nachhilfelehrkräfte und Studierende etc. könnten als zusätzliche Betreuer:innen eingesetzt werden.
  • Letztlich aber heißt es für uns alle, unendlich viel Zeit zum Diskutieren haben wir auch nicht mehr. Statt Talkrunden geht es nun dringend und zwingend ums Machen. Eine Task Force Digitaler Unterricht mit entsprechenden Kompetenzen unter Beteiligung der Schulämter, Ministerien sowie Vertretern der Schulen (zum Beispiel Vorreitern in Sachen Digitaler Unterricht) sollte zur Chefsache erklärt werden mit dem Ziel, in einer konzertierten Aktion innerhalb weniger Tage, maximal zwei Wochen, ein umsetzbares Konzept zu entwickeln und die ersten Umsetzungsschritte auch zu realisieren.

Wo ein Wille ist, …

In der beruflichen Weiterbildung wurde in den letzten zwanzig Jahren ganz klar, dass sich Präsenz- und Digital-Schulungen hervorragend ergänzen. Beide Methodengruppen haben ihre spezifischen Vor- und Nachteile. In der jetzigen Lage ist die Unabhängigkeit von zeitlicher und räumlicher Synchronität ein besonderer Vorteil des digitalen Lernens.

Was erleben Sie in der Praxis, wenn Sie Schulen mit rechtssicheren Lernplattformen versorgen?

Bruns: Trotz heterogener Voraussetzungen und schwieriger Rahmenbedingungen gelingt es immer, innerhalb weniger Tage eine rechtskonforme Lernplattform aufzusetzen, die qualitativ hochwertig ist, in Deutschland gehostet und dem Datenschutz gerecht wird. Wichtig ist natürlich, dass man die Experten hat, die bei der Einführung und internen Weiterbildung von Lehrkräften zur Verfügung stehen. Eine weitere Voraussetzung ist auch, dass die Schüler und Lehrer sich intuitiv im digitalen Klassenzimmer zurechtfinden und gerne in dieser Umgebung lernen. Der Methodenreichtum digitaler Instrumente bietet außerdem mehr als nur die Ablage von Hausaufgaben und kurze Online-Meetings. Ein paar Beispiele: Interaktion in kleinen Gruppen, 1:1-Interaktion zur individuellen Betreuung, systematische Integration der TV- und sonstigen Film-Angebote zum Lernen,  gemeinsam auf Internet-Recherche gehen, Frontalunterricht per Videokonferenz mit Breakout-Sessions in virtuellen Parallelräumen, Online-Präsentationen durch die Lernenden zu Arbeitsaufträgen und Aufgaben, Online-Quiz und -Assessment für Tests zwischendurch, Arbeitsräume je Klasse und Fach, sogar Bewegungsübungen, Sportsequenzen, praktische Aufgaben wie Kochen, Basteln, Werken, Musik- und Kunstunterricht lassen sich digital integrieren, ebenso Diskussionsrunden etc. Und in Ergänzung zum digitalen Unterricht/Lernen kommt dann das ganz und gar Analoge zum Tragen, was unendlich wertvoll ist: Unterricht im Freien, Aktivitäten zum Forschen und Entdecken in der Kommune, im Wald oder Park…

Mit der professionellen Lernplattform IBT® School Edition erhalten Schüler und Lehrkräfte innerhalb von zwei Arbeitstagen eine sichere und datenschutzkonforme Lösung. (Screenshot: www.time4you.de)

Was empfehlen Sie für die Zukunft?

Bruns: Die Flächenstaaten machen es seit vielen Jahren vor, dass ein Online-Unterricht sehr gute Erfolge erzielen kann. Dass es in einem dicht besiedelten Land wie Deutschland zunächst keine unmittelbare Notwendigkeit dafür gibt, ist auch klar. Aber grundsätzlich könnte und sollte auch bei uns der digitale Unterricht eine ständige Komponente sein. Es ist in meinen Augen wichtig, solche Hybrid- bzw. Blended-Modelle zu etablieren, damit der Erfahrungsschatz und die Kenntnisse in einer Notfalllage kurzfristig verfügbar sind. Und um insgesamt besseren Unterricht anzubieten, denn die digitalen Formate haben Vorteile, auf die wir meines Erachtens nicht verzichten sollten. Also: eine intelligente Kombination des „Besten aus zwei Welten“ …

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