Lieber Fax, statt Software

0
1038
Wozu einheitliche Software benutzen, wenn es auch auf althergebrachte Weise geht? (Foto: geralt, pixabay.com)

Stellen Sie sich vor, es gibt eine Software und keiner benutzt sie. Oder, wie im Fall des “Surveillance Outbreak Response Management and Analysis System” (SORMAS) des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI), nur zweidrittel der Gesundheitsämter benutzen sie.

SORMAS könnte die Lösung der Kontaktnachverfolgung bei Covid19-Infektionen sein. Und damit auch eine erhebliche Arbeitserleichterung für die Gesundheitsämter darstellen. Laut einer kleinen Anfrage der FDP an die Bundesregierung “lehnen allerdings viele Kommunen und Landkreise die Anbindung und die Verwendung von SORMAS ab.”

Der Grund? “Von den Funktionen her sei Sormas durchaus interessant, aber die Umstellung sei zu aufwendig” argumentiert Stephan Ott, Leiter des Krisenstabs des Kreises Rendsburg-Eckernförde. “Wir müssten alle 140 Mitarbeiter jetzt komplett umschulen, alle Prozesse neu anpassen. Der Software-Wechsel würde die Arbeit des Amts zwei bis drei Wochen blockieren.” So argumentieren viele Kommunen, die ihre bisherigen Systeme an die aktuelle Lage angepasst haben.

Der Beschluss der Ministerpräsidentenkonferenz vom 19. Januar sah anderes vor: “Die Länder werden durch entsprechende Vorgaben sicherstellen, dass künftig alle Gesundheitsämter SORMAS und DEMIS nutzen. Bis Ende Februar soll SORMAS in allen Gesundheitsämtern installiert werden.” Und noch am 3. März wurde beschlossen, dass Länder und Bund das Backend für den Zugang zu den Gesundheitsämtern in das SORMAS-System beauftragen sollen.

Daraus entstehen jedoch keine Verpflichtungen für die Gesundheitsämter, welche über ihre Arbeitssoftware selbst entscheiden können. Und somit bleibt es wohl vorerst bei Faxgeräten und Zettelwirtschaft.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here