Gewinnen ohne Krieg zu führen

0
316
(Grafik: Crown/Ministry of Defence)

Vergangene Woche präsentierte der britische Verteidigungsminister Ben Wallace dem Parlament das Dokument “Defence in a competitive age”, in dem die wichtigsten Voraussetzungen und darauf basierenden Umstrukturierungs- bzw. Ausrüstungsmaßnahmen dargelegt werden. “Der Erfolg dieses Defence Command Papers sollte nicht an der Finesse all der nun folgenden Worte gemessen werden, sondern an unserer Umsetzung der darin enthaltenen Reformen”, betonte Wallace in dem Vorwort.

Als eines der größten Probleme nennt der Report dabei: “Der technische Vorsprung Großbritanniens und seiner Verbündeten ist in den letzten zwei Jahrzehnten geschrumpft, herausgefordert durch gezielte Investitionen in Fähigkeiten, die unseren Stärken entgegenwirken und unsere Schwächen gezielt ausnutzen. Einige Staaten werden versuchen, offen und verdeckt Technologien und Wissen aus dem Westen, einschließlich Großbritanniens, zu erwerben, um ihre Militärprogramme voranzutreiben.” Besonders China wird mehrfach als nicht nur größte, sondern bald auch eine der modernsten Streitmacht der Erde genannt, mit einem diktatorischen Regime, für das die Menschenrechte der westlichen Welt und der Vereinten Nationen keine Bedeutung haben.

Allerdings hält der Report auch fest, dass in der Zukunft nicht mit klassischen Kriegen zu rechnen sei. Potentielle Gegner investierten vielmehr in Fähigkeiten, um “zu gewinnen ohne Krieg zu führen”. Großbritannien müsse und werde darauf reagieren. “Wir vollziehen einen entscheidenden Wandel in unserem Ansatz”, beschreibt das Papier. “Das Integrated Operating Concept, das 2020 veröffentlicht wurde, legt fest, wie wir uns anpassen wollen. Unsere angepasste Ausgabenentscheidung über 24 Milliarden Pfund in den nächsten vier Jahren, mit der die Verteidigungsausgaben erhöht wurden, hat uns die nötigen Ressourcen gegeben, um das Konzept umzusetzen. Dies kommt zu unseren geplanten Investitionen in die Verteidigung im gleichen Zeitraum hinzu.”

Besonders dem Heer steht eine Umstrukturierung bevor. “Das Heer der Zukunft wird schlanker, lethaler, wendiger und effektiver auf aktuelle und zukünftige Bedrohungen abgestimmt sein”, beschreibt der Report. “Die neue Struktur wird das Heer in autarkere Brigade Combat Teams (BCT) aufteilen, die auf eigene Logistik- und Kampfunterstützungseinheiten zurückgreifen können, um den Bedarf zu decken. Ein neues ‘Deep Recce Strike BCT’ wird die hervorragenden Sensoren des Ajax mit verbesserten Feuersystemen kombinieren, um eine dauerhafte Überwachung über große Entfernungen für die Koordination des Gefechtsfeuers zu ermöglichen. Insgesamt wird diese Umstrukturierung zu einer Reduzierung der derzeitigen Personalstärke von 76.000 auf 72.500 bis 2025 führen.”

Dieses moderne Heer wird zwar über weniger Soldaten, dafür aber erweiterte Fähigkeiten verfügen, die durch flächendeckende Investitionen erreicht werden sollen. Der Report beschreibt: “Das Heer wird erhebliche Mittel erhalten, um agiler, integrierter, lethaler und einsatzfähiger zu werden. Wir werden zusätzlich zu den geplanten über 20 Milliarden Pfund weitere drei Milliarden Pfund in neue Heeresausrüstungen investieren. Investitionen in neue Fahrzeuge (u.a. Ajax, Boxer und Challenger III), modernisierte Präzisionsfeuerwaffen für große Entfernungen (u.a. Mehrfachraketensysteme und Apache), neue Flugabwehrsysteme, taktische Überwachungsdrohnen und neue Fähigkeiten für die elektronische Kriegführung und den Cyberspace werden die Ausrüstung des Heeres im nächsten Jahrzehnt verändern.”

Das Dokument “Defence in a competitive age” kann hier heruntergeladen werden.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here