(Cyber-) Kriege der Zukunft

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Präsident Wladimir Putin und der russische Verteidigungsminister, General Sergei Schoigu, bei der Siegesparade 2019. (Foto: BS/Russisches Verteidigungsministerium)

Russland exerziert der Welt vor, wie Kriege der Zukunft aussehen. Während sich westliche Mächte zwar auf die neuen Technologien konzentrieren, scheinen diese doch immer dem Primat vergangener Konflikte zu folgen. Mit Ausnahme Russlands. Schon die Krim-Krise überraschte die NATO. Mit Cyberangriffen wurde die Wahrnehmung der Politik destabilisiert, keine einzige Page der offiziellen Organe, die nicht im Vorfeld gekapert wurde. Hinzu kamen Angriffe auf Infrastrukturen, die unter anderem zu regionalen oder großflächigen Blackouts führten. Als drittes Element die Cyberangriffe auf militärische IT, so dass unter anderem die ukrainische Artillerie nicht mehr zuverlässig einsetzbar war. All dies destabilisierte das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, in das Militär und in die politische Führung. Desinformation wurde von offizieller Information kaum noch unterscheidbar für den ukrainischen Bürger. Als Finale dann der Einsatz nicht gekennzeichneter angeblich ukrainischer Schutzkräfte, Paramilitärs und militärischem Vorgehen als absichtlich diffuses Geschehen.

Russland will keinen offenen Konflikt, dies ist deutlich. Russland will dennoch seine Interessen durchsetzen. Unter diesen Vorzeichen ist die Meldung des amerikanischen Mediums “The National Interest” von vergangener Woche zu sehen, dass die russische Marine demnächst die ersten strategischen Drohnen mit Atomantrieb und Nuklearbewaffnung in Dienst stellen wird. Diese Drohnen namens Poseidon sollen von eigens dafür konstruierten U-Booten starten. Auch die Drohnen sind U-Boote mit einer atomaren Nutzlast von zwei Megatonnen. Laut dem Bericht könne der Sprengkopf Tausende von Metern unter der Oberfläche gezündet werden und solle “einen radioaktiven Tsunami erzeugen, der in der Lage ist, alles innerhalb eines erheblichen Wirkungsbereichs zu verseuchen”.

Wer das Buch “Der Schwarm” von Frank Schätzing gelesen hat, weiß um das Vorhandensein unterseeischer Hänge und der Tsunami-Gefahr, die durch eine Destabilisierung dieser Unterseegebirge entsteht. Eine Atomexplosion in großer Tiefe ließe sich in dem nachfolgenden Chaos, in dem die Kräfte zur Behebung des Schadens gebunden sind, schwer nachweisen und mit einem Angriff beantworten. Allein das Vorhandensein einer solchen Erstschlagswaffe verschiebt das Kräftegefüge, da die USA wieder verwundbar sind.

Russland überrascht erneut, da es Technologien mit reinster Logik zu Ende denkt. So wird die Ukraine sicherlich nicht allein durch die russischen Panzer und Artillerie überrannt. Dies ist die Drohung. Der tatsächliche Erstschlag wird auf anderer Front erfolgen. Vielleicht ein Bürgerkrieg? Ein Militärputsch? Als Folge von landesweiten Blackouts und Desinformation? Ruft die neue Regierung dann Russland als Retter? Sicher scheint nur, der Angriff wird so unterschwellig sein, dass die Reaktion der westlichen Welt erneut schwerfällt.

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