“Es wird von mir keine Alleingänge geben!”

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Karl-Heinz Banse wurde Ende Februar zum Präsidenten des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV) gewählt. Zuvor war er Präsident des Landesfeuerwehrverbandes (LFV) Niedersachsen. (Foto: privat)

Der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) befand sich lange in unruhigen Fahrwassern. Der neue Präsident DFV, Karl-Heinz Banse, ist nun über einen Monat im Amt. Wie er sich die Arbeit mit seinen Vizepräsidenten und den Kritikern vorstellt, erklärt Banse im Interview. Die Fragen stellten Marco Feldmann und Bennet Klawon.

Behörden Spiegel: Was sind Ihre ersten Ziele für die DFV-Präsidentschaft?

Karl-Heinz Banse: Ich habe hierzu fünf Ziele formuliert: Vertrauen zurückgewinnen: Es ist mein vordringlichstes Ziel, mich mit meiner ganzen Kraft dafür einzusetzen, dass wieder Ruhe und Kontinuität in den Gremien unseres Verbandes erreicht wird. Mein Ziel ist, dass unsere Mitglieder in den Feuerwehren, aber auch der politische Raum, uns weiterhin als kompetenten Partner wertschätzen. Das ist aber nur möglich, wenn wieder alle Landesfeuerwehrverbände vertrauensvoll und kameradschaftlich zusammenarbeiten. Die ersten Schritte hierzu sind mit der Eröffnung des Dialogs gemacht.

Verbandsarbeit mit den verschiedenen Feuerwehrbereichen intensivieren: Es ist mir wichtig, die Vernetzung der Bereiche Freiwillige Feuerwehren, Berufsfeuerwehren, Werkfeuerwehren und Jugendfeuerwehr weiter zu optimieren. Es wird von mir keine Alleingänge geben! Es ist mir als DFV-Präsident ein besonderes Anliegen, die “einheitliche Stimme” aller Feuerwehren Deutschlands zu sein, ohne dabei direkten Einfluss auf innerverbandliche Angelegenheiten einzelner DFV-Mitgliedverbände zu nehmen.

Behörden Spiegel: Was sind die weiteren Ziele?

Banse: Lobbyarbeit weiter ausbauen: Die Fortführung und der kontinuierliche Ausbau der Lobbyarbeit mit den Institutionen, politischen Gremien auf Bundes- und auf europäischer Ebene ist eine enorm wichtige Aufgabe. Beispielhaft und aus ganz aktuellem Anlass nenne ich hier die Weiterentwicklung des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), wie sie Mitte März vorgestellt wurde. In der jetzigen Zeit mit einer weltweiten Pandemie sind wir verpflichtet, unsere großen Einsatzerfahrungen auch auf der BBK-Ebene einzubringen.

Transparenter arbeiten: In einem Zeitalter der Digitalisierung ist es zwingend notwendig, Informationsverbreitung und Kommunikationskanäle auf den Prüfstand zu stellen. Daher sollten die berichtsfähigen und umfangreichen Arbeiten und Leistungen des DFV noch transparenter für die Öffentlichkeit gestaltet werden. Alle Feuerwehrangehörigen müssen die Möglichkeit haben, zu erfahren, an welchen Themenstellungen wir derzeit arbeiten.

Behörden Spiegel: Wie lautet Ihr letztes Ziel?

Banse: Verbandsarbeit weiter professionalisieren: Dass wir unsere Verbandsarbeit auf Bundesebene inklusive der Bundesgeschäftsstelle weiter professionalisieren müssen, steht für mich außer Frage. In den letzten Monaten hat ja bereits eine Arbeitsgruppe unter der Federführung von Kamerad Dr. Knödler Vorschläge für die Weiterentwicklung des DFV erarbeitet. Ich stehe diesen Ideen aufgeschlossen und konstruktiv gegenüber und freue mich schon heute auf eine rege Diskussion in unseren Gremien. Für mich steht jedoch ebenfalls fest, dass der Deutsche Feuerwehrverband in der Vergangenheit eine gute Arbeit geleistet hat – und da beziehe ich ausdrücklich die Amtszeiten aller bisherigen DFV-Präsidenten mit ein! Abläufe, die nicht mehr zeitgemäß sind, muss man über Bord werfen. Bewährte Strukturen sollte man aber behalten. Sicherlich können wir uns immer verbessern und modernisieren, jedoch darf das Ganze niemals den Grundgedanken unserer Gründerväter in Frage stellen. Diese wollten, dass die Feuerwehrverbände gemeinsam unter einem Dach mit einer starken Stimme sprechen – daher haben sie sich zum Deutschen Feuerwehrverband zusammengeschlossen.

Behörden Spiegel: Ist der viel beschworene Neubeginn im DFV mit den fünf Vizepräsidenten, die Hartmut Ziebs zum Rücktritt zwangen, überhaupt möglich?

Banse: Ja. Die Vizepräsidenten sind in der 67. Delegiertenversammlung mit jeweils mehr als 60 Prozent der Stimmen in einer Vertrauensabstimmung bestätigt worden. Nach der Erfahrung in meinen bisherigen Funktionen und auch jetzt als DFV-Präsident gehe ich auch für die Zukunft von einer gedeihlichen, vertrauensvollen und konstruktiven Zusammenarbeit mit allen Vizepräsidenten aus.

Behörden Spiegel: Wie wollen Sie das Vertrauen innerhalb des Verbandes und zu den Landesverbänden wiederherstellen?

Banse: Einer der ersten Schritte war für mich, den direkten Dialog mit dem Verband der Feuerwehren in Nordrhein-Westfalen (VdF NRW) und dem Landesfeuerwehrverband Sachsen-Anhalt zu eröffnen. Mit dem Vorstand des VdF NRW und dem DFV-Präsidium hat es bereits ein erstes Treffen gegeben; auch mit dem LFV Sachsen-Anhalt wird es persönlichen Austausch geben. Dieser Dialog wird weiter fortgesetzt. Natürlich will ich mich auch mit den Akteuren der anderen Landesfeuerwehrverbände austauschen.

Behörden Spiegel: In den Sozialen Medien liest man häufig in Kommentaren zum DFV den Hashtag #nichtmeinDFV. Wie wollen Sie das Verhältnis zwischen DFV und der Basis verbessern?

Banse: Mich haben nach meiner Wahl zum DFV-Präsidenten sehr viele persönliche Glückwünsche erreicht – viele davon auch über die sozialen Medien. Häufig erhielt ich auch die Rückmeldung, dass sich Kameradinnen und Kameraden für den DFV hätten positionieren wollen, dies aber aus Angst, dafür mit direkten Angriffen in den sozialen Medien attackiert zu werden, nicht getan hatten. Ich will erreichen, dass wir wie in jedem demokratischen System den offenen Meinungsaustausch ermöglichen – aber ohne, dass es persönliche Beleidigungen oder Mobbing gibt. Konstruktive Kritik ist zielführend, destruktive Kritik finde ich verachtenswert.

Behörden Spiegel: Werden Sie die interne Affäre rund den ehemaligen DFV-Präsidenten Hartmut Ziebs aufarbeiten? Was soll das nächste Mal bei internen Streitigkeiten besser gemacht werden?

Banse: Die fünf Vizepräsidenten hatten bewusst nicht den Weg des öffentlichen Anprangerns gewählt. Sie hatten keinerlei öffentliche Vorwürfe oder Angriffe geäußert, sondern den DFV-Gremien ihre Gewissensentscheidung mitgeteilt. Zum Schutz des Deutschen Feuerwehrverbandes hatte sich das Präsidium bewusst nicht an einer öffentlichen Schlammschlacht beteiligt. Interne Streitigkeiten sollten möglichst auch intern geklärt werden. Sollten künftig interne Konflikte nach außen getragen werden, werde ich bemüht sein, diese unter Wahrung der Persönlichkeitsrechte der Betroffenen möglichst transparent aufzuarbeiten.

Behörden Spiegel: Kommen Sie dem Ruf vom VdF NRW nach einer externen Aufklärung der Sexismus- und Rassismusvorwürfe nach?

Banse: Es gibt seit Sommer 2020 ein arbeitsgerichtliches Verfahren der Bundesgeschäftsführerin mit dem DFV. Mit dem Verfahren vor dem Arbeitsgericht Berlin soll nunmehr geklärt werden, ob es Verstöße gegen das Antidiskriminierungsgesetz gegeben hat. Auf Grund des Schutzes von Persönlichkeitsrechten sowohl von Dritten als auch der Bundesgeschäftsführerin sind in unserem Rechtsstaat die Gerichte dafür zuständig, zu einzelnen vermeintlichen Vorwürfen Stellung zu nehmen. Im Anschluss an den Arbeitsrechtsprozess werden die aufgezeigten Einzelfälle von einem unabhängigen Personenkreis unter Beteiligung der Bundesfrauensprecherin aufgearbeitet. Der Präsidialrat, und damit selbstverständlich auch der VdF NRW, wird über den Fortgang informiert.

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