Urbane Seilbahnen als öffentliches Verkehrsmittel

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Die Berliner Seilbahn, die zur Internationalen Gartenausstellung 2017 errichtet wurde. Sieht man so ein Bild in deutschen Städten demnächst öfter? (Foto: BS/ Peggychoucair, pixabay.com)

Man kennt sie meist nur aus dem Urlaub in den Bergen – Seilbahnen. Doch in immer mehr Städten in Deutschland werden Ideen geprüft, die schwebenden Gondeln als Ergänzung des bestehenden ÖPNVs einzusetzen. Bisher gibt es nur wenige urbane Seilbahnen in Deutschland. Diese Ausnahmen wurden auch noch nicht in den ÖPNV überführt und sind lediglich ein touristisches Angebot.

Kommunen, die dies ändern wollen, sind unter anderem München, Stuttgart und Bonn. In Stuttgart und Bonn wurden bereits erste Machbarkeitsstudien durchgeführt, die einer Seilbahn grundsätzlich einen positiven Nutzen bescheinigten und die jeweils den sinnvollsten Trassenverlauf festlegten. In München hingegen verzögert sich eine Machbarkeitsstudie noch, unter anderem weil eine längere Trasse geprüft wird. In Bonn folgt nun eine Kosten-Nutzen-Analyse, um zu ermitteln, ob die urbane Seilbahn wirtschaftlich betrieben werden könnte. Nur wenn das Ergebnis dieser Untersuchung positiv ausfällt, würde die Stadt Bonn Fördermittel vom Land für den Seilbahnbau erhalten.

Seilbahnen bieten viele Vorzüge

Die Seilbahnprojekte dieser einzelnen Kommunen werden beim Deutschen Städtetag grundsätzlich positiv bewertet. “Innerstädtische Seilbahnen können eine sinnvolle Ergänzung für den Öffentlichen Nahverkehr sein”, erklärt Helmut Dedy, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags. Dies lasse sich eindrucksvoll zum Beispiel in südamerikanischen Städten besichtigen.

“Mit Seilbahnen können auf anderen Wegen schlecht erreichbare Stadteile oder Ortschaften mit einem schnellen und komfortablen Verkehrsmittel an das bestehende Nahverkehrsnetz angeschlossen werden”, so Dedy weiter. Dafür müssten die Seilbahnen und die bestehenden Verkehrsmittel jedoch gut miteinander verbunden werden. Anderer Vorteile, welche Befürworter von urbanen Seilbahnen immer wieder nennen, sind unter anderem ihre hohe Kapazität und ihre Umweltfreundlichkeit. Dazu kommt beispielsweise, dass urbane Seilbahnen nicht vom übrigen Straßenverkehr beeinflusst werden: Sie können einfach über Staus hinwegschweben.

Oft Widerstand in der Bevölkerung

So zeigt sich: Urbane Seilbahnen könnten grundsätzlich zur Lösung vieler Verkehrsprobleme beitragen. Doch Kommunen, die eine solche Idee umsetzen wollen, stoßen oft auch auf Widerstand in der Bevölkerung. In Bonn wehrt sich die Bürgerinitiative “Bonn bleibt seilbahnfrei” gegen das Vorhaben. Sie argumentiert unter anderem, eine Seilbahn greife zu stark ins Stadtbild und die Natur ein. Dazu kämen Umweltbelastungen durch einen hohen Energieverbrauch, Lichtverschmutzung und Geräuschentwicklung. In Wuppertal führte der Widerstand der Bevölkerung dazu, dass die Idee einer urbanen Seilbahn nach einer Bürgerbefragung 2019 nicht länger verfolgt wurde.

Trotz dieser Argumente findet die Idee urbaner Seilbahn viel Anklang, wie beim Deutschen Städtetag. Deswegen habe sich der Verband beim Bund dafür eingesetzt, urbane Seilbahnen, die Nahverkehrsaufgaben erfüllen, in den Förderkatalog zum Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) aufzunehmen, so Hauptgeschäftsführer Dedy. “Das hat geklappt: Seit Anfang 2020 sind neue Seilbahnen bis zu 75 Prozent förderfähig.”

Am Mittwoch, 21. April, findet auf dem Portal NeueStadt.org ein Online-Event zum Thema “Seilbahnen: Eine Alternative für den ÖPNV?” statt. Nähere Informationen und die Möglichkeit zur kostenfreien Anmeldung gibt es im Internet unter https://neuestadt.org

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