Abzug aus Afghanistan

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Was bleibt vom Afghanistan-Einsatz nach dem Abzug der westlichen Truppen? (Foto: BS/Bundeswehr/Lars Koch)

Am 15. April schrieben Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer und Generalinspekteur General Eberhard Zorn in einem gemeinsamen Tagesbefehl: “Gestern beschloss der NATO-Rat das Ende des Einsatzes in Afghanistan. Zum 1. Mai 2021 wird die Rückverlegung aller Kräfte der Mission ‘Resolute Support’ beginnen. Bis zum 11. September 2021, dem 20. Jahrestag der Terroranschläge auf die Vereinigten Staaten, werden alle Soldatinnen und Soldaten der Alliierten und ihrer Partner das Land verlassen haben. Damit endet nach fast 20 Jahren der intensivste und verlustreichste Einsatz in der Geschichte der Bundeswehr. (…) Verläuft alles nach Plan, werden bereits Mitte August alle deutschen Kräfte Afghanistan verlassen.”

In dem Tagesbefehl steht weiter: “Die Bundeswehr verlässt Afghanistan mit Stolz. Unsere Soldatinnen und Soldaten haben alle Aufträge erfüllt, die das Parlament ihnen gegeben hat.” Gegenüber der Deutschen Presse Agentur (DPA) sagte die Ministerin allerdings am Wochenende, dass die afghanischen Helfer der Bundeswehr vor deren Abzug vereinfacht und schnell nach Deutschland geholt werden müssten. “Wir reden hier von Menschen, die zum Teil über Jahre hinweg auch unter Gefährdung ihrer eigenen Sicherheit an unserer Seite gearbeitet, auch mitgekämpft haben und ihren persönlichen Beitrag geleistet haben”, sagte Kramp-Karrenbauer in dem Interview mit der DPA. “Ich empfinde es als eine tiefe Verpflichtung der Bundesrepublik Deutschland, diese Menschen jetzt, wo wir das Land endgültig verlassen, nicht schutzlos zurückzulassen.”

Wäre der Auftrag tatsächlich erfüllt, wie im Tagesbefehl beschrieben, bestünde keine Notwendigkeit Menschen aus diesem Land zu retten. Ziel des Einsatzes war es schließlich, die gewalttätige religiös-fanatische Herrschaft durch ein demokratisches, rechtsstaatliches und freiheitliches System zu ersetzen.

Wenn die westliche Welt nun allerdings abzieht und dabei die helfenden Sicherheitskräfte und Unterstützer mitnimmt, dann steht Afghanistan im Grunde schlechter da als vor dem Einsatz. Vorher gab es immerhin eine Opposition, die unterschwellig an einer Verbesserung der Bildung, einer fortschreitenden Demokratisierung sowie dem Kampf gegen Korruption arbeitete. Diese Menschen haben sich nach dem Einmarsch der westlichen Truppen “geoutet” und sind nun gezwungen mit abzuziehen, um nicht getötet zu werden.

Dies bedeutet, dass im Fahrwasser der Truppen auch die afghanische Elite und – mit den Sicherheitskräften  –  die Beschützer und Unterstützer der Bevölkerung das Land verlassen. Das Wissen der Dolmetscher wird ebenso fehlen. Experten sagen, dass die intellektuelle Elite bereits das Land verlassen habe, nun mit den Sicherheitskräften und Dolmetschern allerdings die “zweite Reihe” folge. Von diesem Abfluss der Vernunft und Bildung wird sich das Land so schnell nicht erholen.

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