Ökosystem für das digitale Ich

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(Grafik: mohamed_hassan, pixabay.com)

Der Bund arbeitet aktuell gemeinsam mit verschiedenen Wirtschaftsunternehmen am Aufbau eines Ökosystems digitaler Identitäten, welches zu einem selbstbestimmten und nutzerfreundlichen Umgang mit dem digitalen Ich beitragen soll. Dazu soll eine Infrastruktur entstehen, die den sicheren Austausch von Identitätsattributen zulässt, europaweit einsetzbar ist und sowohl für Identitäten von Menschen, Institutionen als auch von Dingen funktioniert.

Dieses Ziel soll in enger Kooperation von öffentlichem und privaten Sektor erreicht werden. Denn der öffentliche Sektor ist Herausgeber besonders wichtiger Nachweise wie bspw. hoheitlicher Ausweisdokumente, andererseits verfügt die Wirtschaft z. B. mit dem Login zu Kundenkonten über Anwendungsfälle mit hoher Alltagsrelevanz.

Ein erstes Pilotprojekt, an dem der Bund, drei Hotelketten und vier weitere Unternehmen beteiligt sind, startet diesen Monat und soll den Hotel-Check-In bei Geschäftsreisen vereinfachen. Hierfür stellen die Unternehmen ihren Beschäftigten einen digitalen Nachweis über die Firmenadresse zur Verfügung. Zugleich stellt die Bundesdruckerei dem gleichen Personenkreis einen Nachweis basierend auf dem Personalausweis aus. Mit diesen Identitätsangaben können die Nutzerinnen und Nutzer für geschäftliche Aufenthalte in Hotels einchecken und dabei sowohl die private Anschrift übertragen als auch die Firmenadresse für die Rechnung angeben. Im Sommer 2021 soll dieser Service an rund 120 Hotelstandorten in Deutschland zur Verfügung stehen.

Begleitend zum Pilotprojekt wurde eine Änderung des Bundesmeldegesetzes angestoßen, die über eine Experimentierklausel die rechtliche Grundlage für ein volldigitales Ausfüllen des Hotelmeldescheins schafft.

In diesem Jahr sollen bis zu zehn Anwendungsfälle in Piloten an den Start gehen. Hierzu hat der Bund bereits Ende letzten Jahres gemeinsam mit 18 Wirtschaftsunternehmen einen Prozess zur Auswahl besonders nutzenstiftender und zugleich gut umsetzbarer Anwendungsfälle initiiert.

Dies erinnert in Ansätzen an die Pilotprojekte der Wirtschaft zur Nutzung der eID-Funktion im Zuge der Einführung des neuen Personalausweises vor über zehn Jahren.  Nachhaltige Umsetzung: Fehlanzeige! Angesichts des großen wirtschaftlichen Potenzials von leistungsfähigen Identitätslösungen, eine McKinsey-Studie geht von Steigerung des BIP um drei bis vier Prozent aus, bleibt zu hoffen, dass – auch auf Basis der Erfahrungen aus dem Jahre 2010 – die nun anlaufenden Bemühungen für den Aufbau eines Europäischen Ökosystems digitaler Identitäten erfolgreicher verlaufen. Zumal das Gesamtvorhaben nicht nur politischen, sondern auch finanziellen Rückenwind aus Brüssel erhält, konkret 200 Mio. Euro aus dem Aufbaufonds zur wirtschaftlichen Erholung nach der Pandemie.

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