Städte – Spielball von Handelsketten und Immobilienbesitzern

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Von vielen wird die Pandemie als Katalysator für nachhaltige Veränderungen angesehen – gerade auf kommunaler Ebene. (BS, PatoLenin, pixabay.com)

Die Veranstaltungsplattform NeueStadt.org startet mit einem Blick in die “Urbane Zukunft”. Mit Vertretern aller Gebietskörperschaften haben wir über den Einfluss von Handelsketten auf die Innenstädte und die Probleme der Immobilienumnutzung gesprochen. Und: Wie können regionale Betriebe mit großen Onlinekonzernen mithalten?

“Ein wichtiger Aspekt für die Gestaltung von Ortskernen ist es Dinge des täglichen Bedarfs in die Ortskerne zu integrieren”, erklärt Uwe Brandl, Erster Bürgermeister der Stadt Abensberg und Präsident des Deutschen Städte- und Gemeindebundes. Man müsse die Frequenzen im Ortskern erhöhen und Anbieter im Zweifelsfall zwingen sich in kleineren Quartieren niederzulassen. Dem kann sich auch Olaf Lies, Niedersächsischer Minister für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz, anschließen: “In der Vergangenheit haben uns die Handelsketten erpresst. Entweder sie haben den gewünschten Standort bekommen oder damit gedroht zu gehen.” Die Handelsketten würden vor allem die attraktiven Grundstücke am Stadtrand abgreifen, um großflächige Einkaufsmöglichkeiten zu schaffen, ergänzt Philipp da Cunha, Mitglied des Landtages Mecklenburg-Vorpommern, oder in den Innenstädten mehrere Wohnhäuser für sich beanspruchen, um große Geschäfte zu realisieren. “Sie wollen oft mehr, als die Kommune geben will.” Dabei sind sich alle einig, dass ein diverses Stadtzentrum, in dem Einkaufen zum Erlebnis wird, allen Beteiligten – auch den Händlern nützen würde.

Auch die beschränkten Möglichkeiten für Umnutzungen stellt ein Problem für nachhaltige und soziale Stadtentwicklung dar. Brandl erläutert, dass “viele nicht bereit seien ihre Liegenschaften aufzugeben und dem sozialen Wohnungsbau zu widmen. Auch die Widmung von Grundstücken bleibt ein Problem – so bleibt Gewerbliches gewerblich” und eine Durchmischung von Wohn- und Arbeitsraum werde verhindert. Dr. Susanne Lottermoser, Leiterin der Unterabteilung SW I Baupolitik, Stadtentwicklung des Bundesinnenministeriums argumentiert hingegen, dass die Kommunen das Recht zur Umwidmung von Liegenschaften bereits hätten. “Der Bund kann nicht bei jedem Problem ein Gesetz entwerfen und die Gemeinden können alles planen – sie müssen es nur auch umsetzen.” In Form von rechtlichen Rahmenbedingungen und finanzieller Unterstützung tue der Bund bereits viel.

Zudem appelliert Lottermoser, dass die Kommunen mehr zusammenarbeiten und sich gegenseitig ergänzen müssten. Und da Cunha ergänzt: “Es muss mehr Best Practice bereitgestellt werden und ein besserer Austausch zwischen den Kommunen stattfinden.” Ein solches Beispiel nennt Brandl: Regionale Unternehmen stellen Produkte her und entwickeln gemeinschaftlich eine Onlineplattform zur Vermarktung und ein externer Dienstleister übernimmt die Auslieferung. So könnten auch kleine regionale Betriebe mit den attraktiven Dienstleistungen großer Onlinekonzerne mithalten.

Auf NeueStadt.org wird die gesamte Infrastruktur – die soziale wie materielle – beleuchtet und diskutiert.

Es stellen sich in diesem Jahrzehnt (den 20er Jahren) grundsätzliche Fragen: Werden die Menschen weiter in Innenstädten arbeiten und im Umland wohnen oder werden Arbeiten und Wohnen wieder näher zueinander rücken? Wie wird die Stadt der kurzen Wege aussehen, um auch ohne Auto und andere Verkehrsmittel die Orte der öffentlichen Fürsorge zu erreichen (Schulen, Kindergärten, Kultur). Wie wird die Verdichtung der Innenstädte stattfinden? Bleiben Innenstädte Versorgungszentren? In der Diskussion sind auch Energie- und Flächenverbrauch: Einfamilienhaus oder Wohnhochhäuser?

All diesen Fragen gibt NeueStadt.org Raum, führt den Dialog darüber und stellt innovative Ansätze vor. Neu denken, neu planen, neu handeln und neue Kooperationen zwischen Stadtgesellschaften und ihrem Umfeld sind Themen dieses Portals. Beteiligen auch Sie sich!

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