Seilbahnen – eine Alternative für den ÖPNV?

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Die Koblenzer Seilbahn, die nicht Teil des Koblenzer ÖPNVs ist. (Foto: EmilianDanaila, pixabay.com)

Wenn Lösungen für städtische Verkehrsprobleme gesucht werden, wird inzwischen oft an urbane Seilbahnen gedacht. Weltweit existieren bereits mehrerer solcher Systeme, auch in Deutschland planen einige Kommunen Projekte dieser Art. Zentrale Fragen, die sich in dieser Hinsicht stellen, betreffen die Planung, aber auch zum Beispiel die Einbindung der Seilbahnen in das bestehende kommunale ÖPNV-Konzept. Die Diskussion “Seilbahnen – Eine Alternative für den ÖPNV?” auf der Plattform NeueStadt.org thematisierte Voraussetzungen, Potenziale und Hemmnisse bei der Umsetzung solcher Projekte.

Für Peter Lorenz, erster stellvertretende Vorstand des Verbands Deutscher Seilbahnen, liegen die Vorteile kommunaler Seilbahnen auf der Hand. So seien sie im Vergleich zu anderen Infrastrukturprojekten kostengünstig umzusetzen, klimafreundlich und hätten nur einen geringen Platzbedarf. Auch Bert Flöck, Baudezernent der Stadt Koblenz, wo seit 2011 eine im Rahmen der Bundesgartenschau errichtete Seilbahn betrieben wird, zieht eine durchweg positive Bilanz. Allerdings ist die Seilbahn in Koblenz nicht Teil des städtischen ÖPNVs. “Sie ist heute überwiegend ein touristischer Magnet”, so Flöck.

Wolle man Seilbahnen stattdessen in das bestehende ÖPNV-Gesetz integrieren, müssten einige Fragen beantwortet werden, erläutert Sabine Djahanschah, Referatsleiterin für Architektur und Bauwesen bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. Geklärt werden müsse zum Beispiel die Einpreisung in das bestehende Ticketsystem oder die Anbindung an andere ÖPNV-Angebote. Generell sei es für die Nutzung innovativer Systeme wie urbaner Seilbahnen wichtig, dass jemand den Anfang mache. “Wenn einer so ein Projekt mal komplett realisiert hat, kann es überspringen auf andere Nutzer.”

Seilbahnen sind rechtlich umsetzbar

Ein weiterer Punkt, der bei der Umsetzung von Seilbahnprojekten beachtet werden muss, sind rechtliche Fragen. “Das Recht hindert den Ausbau von Seilbahnen grundsätzlich nicht. Erste Landesnahverkehrsgesetze, zum Beispiel in NRW und Rheinland-Pfalz, erwähnen Seilbahnen ausdrücklich”, so die Einschätzung von Dr. Jan Deuster, ein auf öffentliches Wirtschaftsrecht spezialisierter Rechtsanwalt der Kanzlei CBH. Auch bestünden aus rechtlicher Sicht Möglichkeiten, Seilbahnen mit öffentlichen Geldern zu fördern.

Dieser Einschätzung stimmt Dr. Tassilo Schiffer, Anwalt der Kanzlei CBH mit Schwerpunkt Planungsrecht, zu. “Die planerischen Hürden sind alle zu meistern, es geht darum, die Schranken in den Köpfen der Bürger und Politiker zu überwinden.” Bei der Planung von urbanen Seilbahnprojekten müssten drei große Punkte beachtet werden. Zunächst seien geeignete Strecken zu identifizieren. Dann müsse man das konkrete Genehmigungsregime des jeweiligen Bundeslandes beachten. Schließlich gelte es, den Trassenkorridor auf Hindernisse zu überprüfen, also eine Variantenprüfung durchzuführen. Generell solle man sich hier auf ähnliche Schwierigkeiten wie zum Beispiel bei der Planung von Höchstspannungsleitungen einstellen. “Es ist ein Unterschied, ob ich eine Trasse am Boden plane oder in der Luft.”

Die vollständige Diskussionsrunde ist als Aufzeichnung in der Mediathek der Plattform NeueStadt.org zu finden.

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