Französisches Projekt CONFIRMA im Kampf gegen Desinformation

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In der hybriden Kriegführung können auch "Fake News" wie Waffen wirken. (Foto: pixel2013, pixabay.com)

Die Abteilung “Délégation à l’information et à la communication de la Défense” (DICoD) im französischen Verteidigungsministerium – vergleichbar der Abteilung CIT im BMVg – hat am 13. April das Projekt CONFIRMA (“Contre-argumentation contre les fausses informations”) vorgestellt. Dabei geht es um den Kampf gegen Desinformation, d.h. die absichtliche Verbreitung von falschen oder einseitigen Informationen in den Medien.

Auch wenn der Ausdruck “Fake News” bereits in einem US-Satiremagazin Ende des 19. Jahrhunderts Verwendung fand, so hat ihn erst der ehemalige US-Präsident Donald Trump im allgemeinen politischen Sprachgebrauch populär gemacht. Ergänzend stammt von Trumps Beraterin Kellyanne Conway die kreative Wortschöpfung “Alternative Facts”. Ende April 2017 teilte Facebook mit, dass seine Plattform für gezielte Desinformationskampagnen u.a. im französischen Präsidentschaftswahlkampf im Frühjahr desselben Jahres benutzt wurde.

Der Hauptbeteiligte an dem Projekt CONFIRMA ist das kleine Tech-Startup-Unternehmen Storyzy mit Sitz in Paris. Es hat sich auf die automatisierte Identifizierung von medialen Quellen, die Desinformation verbreiten, spezialisiert. Storyzy arbeitet dabei mit dem Labor INRIA WIMMICS aus der Nähe von Nizza und dem Institut Jean Nicod (IJN) zusammen. WIMMICS steht für “Web-Instrumented Man-Machine Interactions, Communities, and Semantics”; das IJN ist ein interdisziplinäres Forschungszentrum in Paris.

2015 hat Storyzy die finanzielle Unterstützung der französischen Rüstungsbeschaffungsbehörde “Direction générale de l’armement” (DGA) erhalten im Rahmen des Modells RAPID (“Régime d’appui pour l’innovation duale”). Daraus entstand das Projekt VerDi, zusammengesetzt aus den Begriffen “Vérification” und “Dissimulation” (dt. Verschleierung), um eine Technologie zu entwickeln, die in der Lage ist, die Seiten im Netz zu identifizieren, die “Fake News” verbreiten. VerDi an der Schnittstelle zwischen automatisierter Spracherkennung und Künstlicher Intelligenz (KI) ist im September 2017 vermarktet worden.

CONFIRMA hat die Ergebnisse des Projekts VerDi, bei dem es bereits um das automatisierte Aufspüren von Falschmeldungen und das Weglassen von Informationen im Internet ging, vertieft und vervollständigt. Bekämpft wird dabei gleichzeitig die Entstehung und Verbreitung von Desinformationen sowie die Entwicklung bestmöglicher Strategien zur Gegenwehr.

VerDi und CONFIRMA greifen in einen Kontext ein, wo Desinformation und Verschwörungstheorien insbesondere in den sozialen Medien Fahrt aufnehmen. Eine erste Studie, die 2019 veröffentlicht worden ist, zeigt, dass innerhalb eines Jahres die Anzahl der Tweets, die Falschmeldungen verbreiten, von 35,5 auf 45,5 Millionen zugenommen hat.

Desinformation beeinträchtigt den demokratischen Dialog und ist ein Destabilisierungsinstrument, das schon jetzt offensiv von feindlichen Staaten eingesetzt wird, so das “Ministère des Armées”. Als Beispiele für den Einsatz von Desinformation bei militärischen Operationen nennt es die Annexion der Krim und den Konflikt im Donbass.

CONFIRMA hat es erlaubt, die Desinformation besser zu kennzeichnen, indem es scharfsinnigere Textanalysen und eine Chronologie der Informationsverbreitung bietet, um besser den Ursprung der Desinformation zu verstehen und um besser die Netzwerke der Akteure zu identifizieren, die sie propagieren.

Ein anderer Teilbereich dient der Identifizierung von Zweckgemeinschaften, die Falschmeldungen in den sozialen Medien weiterverbreiten, um geeignete Methoden und Werkzeuge anzubieten, die es ermöglichen, den Zielgemeinschaften automatisch Gegenargumente zu liefern und damit deren Wirksamkeit zu maximieren.

CONFIRMA ist es gelungen, einen Software-Prototyp zu entwickeln, der mittels Künstlicher Intelligenz in der Lage ist, die jeweiligen Argumente pro und contra zu einem bestimmten Thema herauszufiltern. Als dezidiert interdisziplinäres Projekt nutzt CONFIRMA automatisierte Spracherkennung, um bestimmte Argumentationslinien und psychologische Grundmuster zu erkennen.

Experimentelle Arbeiten haben darin bestanden, einen Chatbot zu erstellen, der Gesprächssituationen nachbildet, um günstige Bedingungen für den Austausch von Argumenten, Informationen und Meinungen zu schaffen. Andere Arbeiten waren der Desinformation gewidmet, um z.B. zu ergründen, nach welchen kognitiven Mechanismen deren Austausch innerhalb der Bevölkerung abläuft.

Einige Bausteine, die innerhalb des Projektes CONFIRMA entwickelt worden sind, haben ein solch technologisch ausgereiftes Niveau erreicht, das ausreicht, um in die Analyseplattform von Storyzy für Desinformation integriert zu werden. Seit 2019 nutzen u.a. Kunden aus dem Bereich “Militär und Sicherheit” diese Plattform. Das Unternehmen klassifiziert die virtuellen Informationsquellen mittels KI und menschlicher Erfahrungswerte. Die weltweite Datenbasis von Storyzy enthält laut “Ministère des Armées” mehr als zwei Millionen indizierte Quellen in mehr als 35 Sprachen.

Die Technologie, die durch das Programm CONFIRMA entwickelt worden ist, wird u.a. vom französischen Verteidigungs- und Innenministerium, von der NATO und von der Stiftung “Security and Freedom for Europe” (SAFE) mit Sitz in Italien genutzt.

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