Sieben Milliarden Euro für Küstenautobahn?

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Überwiegen die wirtschaftlichen und ökologischen Kosten der A 20 deren Nutzen? (BS, jonbonsilver, pixabay.com)

Noch kann ein Fertigstellungstermin für die Bundesautobahn A 20 (Küstenautobahn) nicht genannt werden. Die veranschlagten Kosten übersteigen die genehmigten Kosten von 4,17 Milliarden Euro aber bereits um rund eine Millionen Euro. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) rechnet sogar mit sieben Milliarden Euro.

In ihrer Antwort auf eine kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE, erläutert die Bundesregierung, dass sich ein Großteil der Bauabschnitte derzeit im Planfeststellungsverfahren befänden oder der Feststellungsentwurf in Arbeit sei. Ein besonderes Augenmerk legten die Fragesteller auf die Bauabschnitte eins, drei und vier, zu welchen es Urteile des Bundesverwaltungsgerichtes gebe oder in naher Zukunft zu erwarten sind. Die Urteile beziehen sich auf die Umweltbelastung des Bauvorhabens und haben laut Bundesregierung zur Folge, “dass umfassende faunistische Erhebungen und Prüfungen möglicher Maßnahmen zum Artenschutz erfolgen, die in die Fehlerheilungsverfahren entweder bereits eingeflossen sind oder noch einfließen”. 

Mit den Mehrbelastungen für Umwelt und Staatshaushalt befasst sich auch eine Studie des BUND. “Der Bau der A20 wäre nicht nur klimaschädlich und naturzerstörend, sondern auch ein volkswirtschaftliches Desaster”, erklärt Olaf Bandt, BUND-Vorsitzender. Heiner Baumgarten, Landesvorsitzender des BUND Niedersachsen, ergänzt: “Das Vorhaben zwischen Westerstede und Bad Segeberg würde auf rund 200 Kilometer Länge über 4.000 Hektar Fläche beanspruchen, mehr als die Hälfte der geplanten Strecke verläuft durch Moorgebiete.” Demnach widerspreche das Bauvorhaben Niedersachsens Ziel, den Flächenverbrauch bis 2030 auf unter vier Hektar zu reduzieren. Die Studie des BUND führt zudem aus, dass “die Unterschätzung der Kosten im Falle des Hauptprojektes A20-G10-NI-SH (A 20 von der A 28 bis zur A 23), das den Elbtunnel enthält” besonders gravierend seien. Dieser Abschnitt würde mit 5,1 Milliarden Euro statt 3,2 Milliarden Euro zu Buche schlagen – eine Differenz um fast 61 Prozent. Der Teilabschnitt des Elbtunnels allein werde, laut Studie, “um mindestens 82 Prozent beziehungsweise um mindestens 940 Millionen Euro unterschätzt”. In Summe kommt der BUND zu dem Ergebnis, dass die Gesamtkosten sich bei einem Preisstand von 2019 auf mindestens 5,8 Milliarden Euro, letztendlich aber auf mindestens sieben Milliarden Euro belaufen werden.

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