Wieder eine Reform der Bundeswehr

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International genießt der Sanitätsdienst der Bundeswehr ein hohes Ansehen, dessen Leistungen in Einsätzen durch andere Nationen oftmals in Anspruch genommen werden. (Foto: BS/Bundeswehr/Andrea Bienert)

“Armee will Logistik- und Sanitäter-Truppe auflösen” titelte das Newsportal BusinessInsider vergangenen Freitag. Unter Berufung auf einen Plan, den Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer und Generalinspekteur General Eberhard Zorn diese Woche im Bundestag in vertraulichen Runden vorstellen wollen, schreibt BusinessInsider: “Die beiden empfahlen, die Streitkräftebasis und den Sanitätsdienst aufzulösen und logistische und sanitätsdienstliche Truppenteile den Divisionen zu unterstellen.” Diese tiefgreifende Reform solle spätestens am 19. Mai als Eckpunktepapier der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Sollten sich diese Informationen bewahrheiten, dann bestünde die Bundeswehr zukünftig aus den Teilstreitkräften (TSK) und militärischen Organisationsbereichen (milOrgBer) Cyber- und Informationsraum (CIR), Heer, Luftwaffe und Marine. Als logische Konsequenz müsste dann der CIR ebenfalls als eigene Teilstreitkraft etabliert werden.

Dass es tatsächlich zur Auflösung des Sanitätsdienstes der Bundeswehr und der Streitkräftebasis als eigenständige Organisationsbereiche kommt, ist allerdings mehr als fraglich. Schließlich haben gerade während der Pandemie diese beiden milOrgBer ihre effiziente Arbeitsweise und Anpassungsfähigkeit gezeigt. Zudem waren sie nicht ohne gewichtige Gründe geschaffen worden. Nur zwei Jahre nach der Aufstellung der Bundeswehr wurde auch der Sanitätsdienst als eigenständiger Organisationsbereich aufgestellt. Aus den Erfahrungen von zwei Weltkriegen war klar, dass die medizinische Versorgung, Ausbildung und Ausstattung nur unter einer medizinischen Leitung die beste Leistung für die Soldaten erbringen kann.

Zwar hatten die Inspekteure Heer in der Vergangenheit durchaus bemängelt, dass Missionen aufgrund nicht vorhandener Kapazitäten beim Sanitätsdienst nicht durchgeführt werden konnten, dies lag aber in einer mangelhaften Schließung von bekannten und benannten Fähigkeitslücken. Auf die lange Zeit zwischen dem Erkennen und der Schließung einer Fähigkeitslücke hat wiederum der Inspekteur Sanitätsdienst ebenso wenig Einfluss wie auf die finanzielle Ausstattung sowie den vorgegebenen Personalumfang.

Gleiches gilt für die Streitkräftebasis (SKB), die sowohl alle logistischen als auch territorialen Aufgaben erfüllte, so denn das Material vorhanden war. Denn auch die SKB beschwert sich seit Jahrzehnten, dass wichtiges Werkzeug gar nicht oder viel zu spät zulaufe. Da scheitert die Wartung dann am Nicht-Vorhandensein von durchaus günstigen Spezial-Schraubenschlüsseln.

Wenn die Führung der Bundeswehr allerdings die Mängel in der Materialbeschaffung abstellen will, wäre die Auflösung des Sanitätsdienstes oder der SKB sicherlich der falsche Schritt.

1 Kommentar

  1. Das ist ein Superartikel.
    Diese Erkenntnisse sollten möglichst schnell der GI und der Insp H bekommen. Die Zersplitterung würde ein unverzeihlicher Rückschritt sein, der sich nachhaltig negativ auf die Qualität und die internationale Reputation auswirken würde.
    Wenn Politik den SanDstBw und SKB durch Außen- u. Verteidigungsminister sowie Kanzlerin international anbietet, soll sie auch zu den notwendigen personellen und materiellen Mitteln stehen. Alles andere wäre schäbig.
    Daher sollte die Politik diesen wahrlichen Unsinn schnell stoppen.

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