Mit QR-Code gegen Gaffer

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Die an den Rettungswagen angebrachten QR-Codes sollen Gaffen ihr eigenes Handeln vor Augen führen. (Foto: BS/S&F/André Wagenzik)

Es geschieht immer wieder, wenn auf öffentlichen Straßen Personen verunglücken, sind Schaulustige und Gaffer nicht weit. Im Smartphone-Zeitalter wird dann häufig das Handy gezückt und Aufnahmen von den Opfern und den Einsatzkräften gemacht. Dies ist nicht nur mit einer Strafe bewehrt, sondern behindert auch die Einsatzkräfte. Im schlimmsten Fall gefährden die Schaulustigen ihr eigenes Leben. Die Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) hat nun ein Pilotprojekt gestartet, um Gaffern von Aufnahmen mit dem Smartphone abzuhalten.

Auf Grundlage einer Idee der Agentur Scholz & Friends versucht die JUH dem Thema nun mit QR-Codes zu begegnen. Dazu werden diese Codes in das Design von Rettungswagen oder von Ausrüstung der Einsatzkräfte eingearbeitet. Sollte nun ein Schaulustiger die Rettungsaktion filmen oder fotografieren, wird der QR-Code automatisch abgescannt und es erscheint der Warnhinweis “Gaffen tötet!”. So soll den betreffenden Personen ihr Handeln unmittelbar bewusstwerden.

Die Idee wird in einem Pilotprojekt in Berlin getestet. Insgesamt wurden mit dem QR-Code-Design acht Rettungswagen und ein Intensivtransportwagen ausgestattet. In den kommenden Monaten sollen durch das Projekt Erfahrungen gesammelt werden, wie die Idee über die eigene Organisation hinaus auf eine breitere Basis gestellt werden kann. “Gaffer sind ein Riesenproblem in allen Rettungsdiensten, daher sind wir sicher, dass diese Aktion eine hohe Aufmerksamkeit bekommen und Nachahmer in der gesamten Branche finden wird”, hofft David Kreuziger, Mitglied des Landesvorstands Berlin/Brandenburg der JUH.

Die Ideenurheber zeigen sich optimistisch, dass die Designs bei den Schaulustigen zu Selbstreflektion führen. “Kreativität hat die Kraft, echte Probleme zu lösen. Wir freuen uns, die Johanniter-Unfall-Hilfe bei einem so dringlichen Problem zu unterstützen. Durch das innovative digitale Tarnmuster erwischen sich Gaffende direkt selbst auf frischer Tat”, erklären Ramona Junggeburth und Christoph Schlossnikel, Kreativdirektoren der Berliner Agentur Scholz & Friends.

1 Kommentar

  1. Ich stimme zu, dass Gaffer ein Problem sind, aber wie soll “Sollte nun ein Schaulustiger die Rettungsaktion filmen oder fotografieren, wird der QR-Code automatisch abgescannt und es erscheint der Warnhinweis ‘Gaffen tötet!’.” genau funktionieren?
    Beim Filmen werden (zumindest beim aktuellen iOS) AFAIK keine QR Codes gescannt. Bei Photographieren nur, wenn es in den Einstellungen aktiviert ist. Außerhalb von Einsätzen wird so eine Nachricht für den Großteil der Leute, die nicht gaffen und aus Interesse/Neugier den QR Code scannen, vermutlich eher Unmut oder Reaktanz auslösen.
    Ich zweifle auch etwas an der Wirksamkeit von der Nachricht — sowohl an der Botschaft als auch an der verlinkten Website. Letztere ist zwar nett, aber möchte man wirklich, dass die Gaffer sich die vor Ort ansehen?
    Eine Evaluation des Projektes wäre hier interessant.

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