Logistik der Rückverlegung aus Afghanistan

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In eine Antonow passen bis zu zehn Fahrzeuge. (Foto: BS/Bundeswehr/Andre Klimke)

Nach fast 20 Jahren geht der Afghanistan-Einsatz spätestens im September zu Ende. Ursprünglich hatte der amerikanische Präsident Joe Biden den 11. September als Abzugstermin genannt. Zurzeit gehen die Überlegungen im Hauptquartier von Resolute Support in Kabul in die Richtung, den Abzugszeitraum zu verkürzen. Auch der 4. Juli wird als Abzugsdatum erwogen. Damit stünden entweder der Unabhängigkeitstag oder der Jahrestag des Anschlags auf das World Trade Center als Abzugstermine zur Auswahl. Sicher ist, die Bundeswehr muss vorher wieder in Deutschland sein.

Obwohl mit der ersten großen Truppenreduzierung vor wenigen Jahren bereits der Großteil des Materials rückverlegt oder an afghanische Kräfte übergeben wurde, müssen noch etwa 800 Containeräquivalente zurück nach Deutschland. “Bei dem geordneten Abzug der Bundeswehr werden 123 Fahrzeuge und sechs NH-90-Hubschrauber zurückgeführt”, beschreibt die Bundeswehr. “Für die strategische Verlegung, Versorgung und Rückverlegung von und in die Einsatzgebiete stehen der Bundeswehr vertraglich zugesicherte Flüge eines gewerblichen Leistungserbringers im Rahmen des Vertrages SALIS (Strategic Airlift International Solution) für den strategischen Lufttransport zur Verfügung. Es können bis zu zehn Flüge pro Woche in das RS-Einsatzgebiet sichergestellt werden. Vorrangig sollen dazu Lufttransportflugzeuge vom Typ Antonow AN-124 genutzt werden.”

Der Lufttransport ist das Mittel der Wahl, da auf dem Landweg zu viele Grenzen inklusive aufwendiger Grenzkontrollen zu passieren wären. Auch bietet der Landweg zu viele Unsicherheiten, da er teilweise durch Gebiete führt, deren Regierungen durchaus Interesse an weiteren Erkenntnissen zur deutschen Wehrtechnik hätten. Nicht wehrtechnisches Material, dessen Wiederbeschaffungswert unter 5.000 Euro liegt, verbleibt in Afghanistan und wird dort im besten Fall verkauft.

Verantwortlich für den Rücktransport ist die Streitkräftebasis. Seit Sommer 2020 verlegte diese im Rahmen der Kontingentwechsel Spezialisten aus dem Logistikbataillon 467 nach Afghanistan. Nichtrelevantes Material wurde bereits bis Februar im Kontingent reduziert. Das minderte bereits den Gesamtumfang der Rückverlegung. Für das verbliebene Material rechnen die Logistiker mit etwa drei Monaten Transportzeit.

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