Werteproblematik in Nahost

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Seenotrettung im Mittelmeer. Oben sind die Männer. Wenn Frauen und Kinder mit dabei sind, dann meistens in Stauräumen am Boden des Schiffes. (Foto: BS/ Bundeswehr/Alexander Gottschalk)

Verschiedene Kulturen haben verschiedene Werte. Während es etwa bei der Titanic hieß “Frauen und Kinder zuerst” erleben Soldaten und Hilfsorganisationen bei Flüchtlingsbooten das genaue Gegenteil: Frauen und Kinder sind meistens in den untersten Ebenen der Schiffe eingepfercht und im Falle eines Problems ohne Überlebenschancen. Wer überlebt und überleben soll, sind die jungen, starken und gesunden Männer. Solche Denkweisen können in einer schwierigen Situation durchaus das Überleben der Gesellschaft sichern. Auch die Germanen haben in Hungerwintern erst ihre Alten und dann ihre Kinder aus den Dörfern vertrieben. Diese Ansicht trifft nun allerdings in der modernen Welt auf Massenmedien und westlich geprägte Menschen, denen jedes Leben heilig ist, je schwächer desto schützenswerter. Im Nahost-Konflikt begegnet unter anderem das Patriarchat dem Humanismus.

Wenn die Hamas von Kindergärten oder Krankenhäusern aus ihre Raketen verschießt, oder in den Räumen über den Tunnelausgängen Frauen einsperrt, dann zeigt sich dasselbe Muster wie bei den Flüchtlingsbooten. In diesem Wertesystem sind die Überlebenschancen der jungen und gesunden Männer, der Kämpfer, am Wichtigsten. Ebenso ist das Verständnis von Leben und Tod ein anderes. Das Leben eines Kindes kann in dieser Denkweise einen Sinn erhalten, wenn es für die “gute Sache” stirbt, etwa dadurch, dass Fotos seiner Leiche als Propagandamittel genutzt werden können. Für die Fanatiker werden diese menschlichen Schutzschilde im Jenseits belohnt.

Die Hamas und andere Terrororganisationen werden dementsprechend kaum darauf verzichten, gerade die Schwächsten der Gesellschaft als Schutzschilde zu nehmen und deren unvermeidlichen Tod medial auszuschlachten. Dies zeigt sich nicht nur durch die Wahl der Standorte, sondern auch durch die Wahl der Waffen. Sehr viele der selbstgebauten Flugkörper landeten nämlich noch nicht einmal in israelischen, sondern in palästinensischen Gebieten. Zwischenzeitlich war die Zahl der durch die Hamas bei den Palästinensern verursachten Opfer höher als die durch die israelischen Streitkräfte. Der Tod Unschuldiger und Schwacher auch in der eigenen Bevölkerung spielt zumindest für diese Terroristen keinerlei Rolle.

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