KI im Kampf gegen Kinderpornografie

0
767
Mithilfe von ZAC-AIRA kann kinderpornografisches Material schneller ausgewertet und kategorisiert werden. Das erleichtert die Arbeit der Strafverfolger enorm. (Grafik: BS/Microsoft Deutschland)

Im Kampf gegen Kinderpornografie und um solche Taten schneller verfolgen und anklagen zu können, kommt in Nordrhein-Westfalen künftig Künstliche Intelligenz (KI) zum Einsatz. Die eigens entwickelte KI kann Bildmaterial mit einer Genauigkeitsquote von über 90 Prozent selbständig in unterschiedliche Kategorien einteilen.

Dazu zählen die Rubriken Kinderpornografie, Jugendpornografie, nicht strafbare Erwachsenenpornografie sowie sonstiges Bildmaterial. Die Technik ersetze zwar nicht den menschlichen Auswerter und den juristischen Bewerter. Sie könne aber zu einem sehr frühen Zeitpunkt des Ermittlungsverfahrens den Strafverfolgern schnell und wirksam aus der Menge der Daten diejenigen Beweismittel herausfiltern, die sie zur Prüfung des für die Untersuchungshaft erforderlichen dringenden Tatverdachts benötigten, unterstrich der nordrhein-westfälische Justizminister Peter Biesenbach (CDU). Denn rein manuell sei die Aus- und Bewertung möglicherweise inkriminierten Materials angesichts der riesigen Datenmengen nicht mehr möglich, so der Ressortchef.

Schnelleres Handeln möglich

Biesenbach betonte mit Blick auf ZAC-AIRA zudem: “Sie kann durch den Fokus auf relevantes Material überdies helfen, noch andauernde akute Missbrauchssituationen zu erkennen und den bloßen Konsumenten inkriminierter Darstellungen von dem selbst missbrauchenden Produzenten zu unterscheiden.” Monatelange Schwebephasen, in denen die manuelle Auswertung andauert, würden vermieden. Denn bislang bestimme noch die Kapazität der Hardware über die Schnelligkeit der Auswertung. Das sei künftig anders. Denn bei der hybriden Cloud-Lösung würden je nach Bedarf im Sinne einer hohen Skalierbarkeit schnell und einfach Rechenleistungen zusätzlich angemietet. Zugriff auf die Daten und Beweismittel hätten nur die Strafverfolger selbst, keine Dritten, so Biesenbach.

Das Training der KI erfolge dann in der Cloud selbst. Aufgrund der Modularität des Systems könnten in Zukunft weitere Partner, aus dem In- und Ausland, angebunden werden. Bislang würden nur einige wenige Mitarbeiter der “Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime Nordrhein-Westfalen” (ZAC NRW) die Anwendung nutzen können. Dies werde sich künftig jedoch ändern, zeigte sich der Justizminister überzeugt.

Das ist auch nötig. Denn aufgrund bereits vom Deutschen Bundestag verabschiedeter Strafverschärfungen im Kampf gegen Kinderpornografie werde es in diesem Zusammenhang in Zukunft mehr Untersuchungshäftlingen geben. Dies werde den Zeitdruck auf die Ermittler und Strafverfolger weiter erhöhen. Schließlich müsste dem sogenannten Beschleunigungsgrundsatz folgend in Haftsachen in der Regel innerhalb von sechs Monaten Anklage erhoben und mit dem Hauptverfahren begonnen werden. Ansonsten werde die Fortdauer der Untersuchungshaft obergerichtlich, verbunden mit der Gefahr einer möglichen Aufhebung des Haftbefehls trotz des erheblichen Tatvorwurfs, streng geprüft.

Gearbeitet werde im Rahmen von ZAC-AIRA mit abstrahierten und anonymisierten Dateien. Dazu würden die Klardateien mithilfe eines Abstraktionslayers bearbeitet, erläuterte ZAC-Leiter Markus Hartmann. Diese Daten könnten dann ohne datenschutzrechtliche Bedenken in der hybriden Cloud abgelegt werden, so der Oberstaatsanwalt als Hauptabteilungsleiter. Hartmann machte deutlich, dass es sich bei ZAC-AIRA um ein Gesamtkonzept mit strategischer Ausrichtung und nicht um eine Einzellösung handele. Bei ihr stünden “Datenschutz und Datensicherheit an erster Stelle.”

Vorteilhaft sei, dass die Lösung eine offene Systemarchitektur sowie eine zentrale Administration und dass die KI kontinuierlich dazu lerne. Hier helfe jeder analysierte Datensatz und jedes Ermittlungsverfahren, lobte Minister Biesenbach die Lösung, die zusammen mit Microsoft Deutschland entwickelt wurde. Das Forschungsprojekt ist nunmehr abgeschlossen. Die Lösung soll in den Regelbetrieb übernommen werden. Hierfür ist allerdings eine europaweite Ausschreibung erforderlich.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here