EU bringt Identitäten aufs Handy

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Die EU-Kommission will, dass sich Bürger/innen bald sicher und selbstbestimmt per Smartphone ausweisen können. (Foto: Hamza Butt, CC BY 2.0, www.flickr.com)

Bürger/innen der EU-Länder sollen demnächst per Smartphone ihre Identität nachweisen und elektronische Dokumente weitergeben können. Die EUid soll auch nicht nur in der digitalen Verwaltung zum Einsatz kommen, sondern auch für alltägliche Dienstleistungen. Große Plattformen will die Europäische Kommission sogar zur Akzeptanz zwingen.

Die europäische Kommission hat gemeinsam mit einer Revision der eIDAS-Verordnung einen Rahmen für die europäische digitale Identität (EUid) vorgeschlagen. Die Mitgliedstaaten sollen ihren Bürger/innen und Unternehmen digitale Brieftaschen (Wallets) für Smartphones zur Verfügung stellen. Darin können Sie ihren nationalen Identitätsnachweis mit weiteren Attributen wie Führerschein, Abschlüsse oder dem Bankkonto verknüpfen.

Die Nutzer sollen Kontrolle über ihre Daten haben. So sollen sie selbst entscheiden können, welche Daten bzw. Aspekte ihrer Identität weitergegeben werden können. Denkbar ist etwa, dass für die Nutzung einer Dienstleistung nur das Vorhandensein des Führerscheins oder die Volljährigkeit abgefragt wird, ohne dass weitere personenbezogene Daten übertragen werden.

Der für den Binnenmarkt zuständige EU-Kommissar Thierry Breton sagte: “Die Bürgerinnen und Bürger der EU erwarten nicht nur ein hohes Maß an Sicherheit, sondern auch an Benutzerfreundlichkeit – ob sie es nun mit nationalen Verwaltungen zu tun haben, z. B. um eine Steuererklärung abzugeben, oder sich an einer europäischen Universität einschreiben wollen und sich dazu ausweisen müssen. Die EUid-Brieftaschen bieten ihnen eine neue Möglichkeit, Daten für alle Arten von Dienstleistungen zu speichern und zu nutzen, angefangen bei der Abfertigung am Flughafen bis hin zur Anmietung eines Autos.”

Konkurrenz zu Facebook und Google

Margrethe Vestager, zuständige Exekutiv-Vizepräsidentin, betonte Transparenz und Sicherheit: “Wir werden also selbst entscheiden, wie viele unserer persönlichen Informationen wir mit wem und zu welchem Zweck teilen möchten. Dies gibt uns allen die einzigartige Gelegenheit, noch besser nachzuvollziehen, was es bedeutet, in Europa zu leben und Europäerin bzw. Europäer zu sein.”

Die EUid steht auch in Konkurrenz zu etablierten Single-Sign-on-Lösungen großer Plattformanbieter. Schon heute ist es möglich, sich mit dem Facebook- oder Google-Konto bei vielen Drittanbietern online zu identifizieren. Diese Lösungen gehen aber mit der Auswertung von Verhaltensdaten der Nutzer einher, haben auf der anderen Seite aber nicht den Rang von hoheitlichen Ausweisverfahren. Um die Verbreitung der sicheren staatlichen Lösungen auch im Bereich von Online-Dienste zu ermöglichen, sollen sehr große Plattformanbieter gesetzlich zur Akzeptanz der EUid verpflichtet werden.

Deutschland ist erste Schritte gegangen

Ihren Verordnungsvorschlag ergänzt die Kommission durch eine Empfehlung. Darin fordert sie die EU-Mitgliedstaaten auf, bis Herbst 2022 parallel zum Gesetzgebungsverfahren bereits ein gemeinsames Instrumentarium für die technische Architektur, Normen und Verfahren zu entwickeln.

In Deutschland wird auf Betreiben des Bundeskanzleramts bereits ein Anwendungsfall für eine nationale Wallet pilotiert. Beschäftigte von Deutscher Bahn, BWI GmbH, Lufthansa AG und Robert Bosch GmbH können per Smartphone in Hotels von Steigenberger, Motel One und Lindner einchecken. Weitere Anwendungsfälle sollen in den nächsten Monaten folgen.

Ab September sollen Bürger/innen den digitalen Personalausweis auf dem Smartphone hinterlegen können. Eine Architektur für die sichere Verwahrung ist im Rahmen des vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Projekts Optimos 2.0 entwickelt worden. Die hohen Sicherheitsanforderungen des BSI werden bis Herbst aber nur wenige, teure Smartphones erfüllen.

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