GI zur Reform der Bundeswehr

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(Screenshot: BS/Frank)

Was bringt die Reform der Bundeswehr? Diese berechtigte Frage wurde auch bei der aktuell stattfindenden Bundeswehrtagung in Berlin an den Generalinspekteur, General Eberhard Zorn, herangetragen. General Zorn begründete den Nutzen und die Notwendigkeit zur Reform unter anderem mit Lehren aus der Corona-Krise.

“Wir erwarten, dass wir im Themenfeld der Führung schlichtweg die Dinge zusammenbringen, die zusammengehören”, sagte General Zorn. “Wir haben das jetzt sogar in der Pandemie erlebt, dass wir zum Teil Führungselemente haben, die gar nicht führen.” Aufgrund dieser mangelnden Führung sei teilweise eine ablauforganisatorische Führungsorganisation um die bestehenden Elemente herum aufgebaut worden, damit diese überhaupt handlungsfähig blieben. Dies zusätzlichen Strukturen hätten dazu geführt, “dass quasi ein Kommandeur auf der Bataillonsebene am Ende sechs Herren diente und von sechs Herren Weisung bekam, plus die von unserem eigenen Ministerium”, beschrieb General Zorn. “Wir haben gesehen, dass wir in der Struktur deutlichen Handlungsbedarf haben und darum geht es: Die Dinge wieder zueinander zu bringen und für die Truppe als Ganzes leichter in der Ausführung von Befehlen abbilden zu können.”

Ob zusammenkommt, was zusammengehört, darüber gab es allerdings Diskussionsbedarf während der Tagung. So fragte der ehemalige Inspekteur Streitkräftebasis (SKB) und in letzter Verwendung Deputy Supreme Allied Commander Transformation in Norfolk (USA), Admiral a.D. Manfred Nielson, ob es Sinn mache, bereits Entscheidungen zu Umstrukturierungen der SKB zu fällen, bevor der aktuelle Inspekteur SKB seine Vorschläge zur Ausgestaltung des neuen Territorialkommandos unterbreitet habe. “Für mich hat die Streitkräftebasis in der Vergangenheit herausragende Arbeit geleistet. Egal, wo die Männer und Frauen gebraucht wurden, haben sie dies gemacht. Nun lerne ich, dass die Streitkräftebasis zum Teil schon filetiert wird mit Vorabentscheidungen, dass CIMIC, ABC und Feldjäger dem Heer unterstellt werden, und gleichzeitig der Inspekteur Vorschläge unterbreiten soll, wie das neue Territorialkommando aussieht”, sagte Admiral a.D. Nielson. “Ich denke diese Gruppen gehören zwingend in den Bereich Territoriale Aufgaben und sind im Heer nicht richtig verortet.”

General Zorn machte in seiner Antwort wiederum deutlich, dass er die Katastrophenhilfe nicht als Auftrag der Bundeswehr sieht. Sie sei zwar oft gewünscht und angefordert, aber die Aufgabe der Bundeswehr liege in der Landes- und Bündnisverteidigung – und daran orientiere sich die Reform. “Es ist unstreitig – und das will ich auch noch mal ganz deutlich sagen – mit welcher hohen Qualität die Streitkräftebasis insgesamt und vor allem die Fähigkeitskommandos ihre Arbeit geleistet haben”, betonte General Zorn. “Wir werden die Fähigkeitskommandos aber auch geschlossen dem Heer unterstellen. Das Thema Fähigkeitskommando ist für mich in der Tat eine Erfindung, so nenne ich das mal, die sich wirklich als tragfähig erwiesen hat. Deswegen wird der Inspekteur des Heeres auch einen Auftrag erhalten, bei sich selber zu prüfen, welche weiteren Fähigkeitskommandos er noch zusätzlich erstellen kann. Die Agilität, die ein Fähigkeitskommando hat, ist tatsächlich überzeugend. Es gehört aber aus unserer Sicht nach der Analyse zur Landes- und Bündnisverteidigung. All die anderen Themen, die bislang genannt wurden, Amtshilfe usw., sind subsidiäre Aufgaben und vor diesem Hintergrund haben wir uns entschieden, dort die Kräfte so aufzuhängen.” Die Ausgestaltung des Territorialen Führungskommandos sei aktuell noch Gegenstand der Prüfung, bei der man die Vorschläge des Inspekteurs SKB abwarten müsse.

Neben der klareren Führungsstruktur erwarte er zudem eine Verbesserung der Handlungsfähigkeit durch die Reform, sagte General Zorn. Dadurch, dass Dienstposten “durchaus im Tausenderbereich” aus der Stabsstruktur herausgezogen würden und diese Männer und Frauen dann den Dimensionen zur Verfügung stünden, erwarte er eine Stärkung der Truppe. Admiral a.D. Nielson sagte allerdings zu seinem Eindruck von der aktuellen Situation: “Die Lücke zwischen dem, was wir leisten wollen, und dem, was wir leisten können, wird immer größer.”

1 Kommentar

  1. Mal sehen, wie viel am Ende dadaurch sich dann letztendlich verbessert. Bis jetzt klingt das nur nach großen Worten und viel heißer Luft, wie so oft wenn Ankündigungen für Pläne für die Bundeswehr gemacht werden. Die Grundprobleme wie teilweise niedrige Einsatzbereitschaft und fehlende Ersatzteile sollte man als erstes lösen. Auch zu den dauerthemen wie die Bodengebundene Luftverteidigung oder den Tornado Nachfolger oder auch ob zukünftig bewaffnete Drohnen beschafft werden, konnte man im Text nichts finden. Dabei sind das gerade die wichtigsten Themen bei der Bundeswehr. Zuerst sollte man dort mal Entscheidungen treffen.

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