Abschlussbericht KSK

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Trupp des KSK während der Klimazonenausbildung beim Marsch in der Wüste. (Foto: BS/Bundeswehr/PIZ Heer)

Vergangene Woche legte der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Eberhard Zorn, seinen Abschlussbericht zum Kommando Spezialkräfte (KSK) vor. Bei Untersuchungen war im Vorfeld eine Entwicklung im KSK festgestellt worden, die eine komplette Neuordnung notwendig machte.

Die Bundeswehführung stand vor demselben Problem, vor dem auch Polizeien und Innenministerien oftmals stehen: Wie viele Sonderkonditionen dürfen Einheiten zugestanden werden, die Herausragendes leisten? Denn die Soldaten des KSK leisten Enormes, sowohl körperlich als auch zeitlich und psychisch. Sie sind die Elite, die deshalb oftmals kaum noch über ein wirkliches Privatleben verfügen. Die Einheit wird zur Familie, diese durch die Einsätze enger zusammen geschmiedet. Zudem findet der sonst in der Bundeswehr übliche Personalaustausch beim KSK nur begrenzt statt, da die Ausbildung zu langwierig und geeignete Menschen schwer zu finden sind.

Daraus kann eine Parallelgesellschaft junger Männer entstehen, die sich für etwas Besseres halten – was sie im Grunde auch sind – und die deshalb der Ansicht sind, dass Regeln und Gesetze für sie nur bedingt gelten – was der Rechtsstaat unterbinden muss. Im schlimmsten Fall können sich in solchen abgeschotteten Männergesellschaften auch demokratiefeindliche Zellen bilden, wenn etwa rechtsradikale Ideen und Ideale verbreitet werden oder die Ansicht entsteht, man müsse die Bevölkerung vor einer zu laschen Regierung schützen. Ansichten, die im KSK offensichtlich mindestens von einem vertreten wurden. Die Dynamik dieser Parallelgesellschaft sorgt dann dafür, dass niemand einen Angehörigen dieser Gruppe an Außenstehende “verrät”.

Diese Eigendynamik ist allerdings kein Alleinstellungsmerkmal militärischer Spezialkräfte. Ebenfalls vergangene Woche wurde das Spezialeinsatzkommando (SEK) Frankfurt am Main aufgelöst. “Wir stoßen heute einen fundamentalen Neustart für das SEK an. Es wird beim Spezialeinsatzkommando ein grundlegender organisatorischer Umbau erfolgen”, sagte dabei Hessens Innenminister Peter Beuth. Das SEK brauche eine gänzlich neue Führungskultur auf den unteren und mittleren Ebenen.

Die Bundeswehr bzw. das Deutsche Heer, dem das KSK unterstellt ist, will die erneute Schaffung einer Parallelgesellschaft durch enges psychologisches Monitoring verhindern. “Das Kommando Heer (KdoH) hat die Regelung für das ‘Psychologische Screening Kommando Spezialkräfte (KSK)’ im April 2021 herausgegeben. Auf dieser Grundlage wird die Charakter- und Persönlichkeitstestung auf alle Soldatinnen und Soldaten ausgeweitet, die im KSK Dienst leisten. Mit dem psychologischen Screening werden individuelle Ressourcen und Belastungsfaktoren und bei turnusmäßigen Wiedervorstellungen auch die Entwicklung der Persönlichkeiten der Soldatinnen und Soldaten beurteilt werden können. Bei ungünstigen, möglicherweise gesundheitsschädlichen Entwicklungen können in Absprache mit den behandelnden Truppenärzten und Vorgesetzten frühzeitig wirksame therapeutische Maßnahmen eingeleitet werden. Der Psychologische Dienst des KSK unterstützt und begleitet dieses Screening im Rahmen des gutachterlichen Auftrages”, beschreibt der Abschlussbericht. “Die Truppenpsychologie wurde personell gestärkt, ein psychologisches Screening aller Angehörigen des KSK etabliert und psychotherapeutische Expertise vor Ort verfügbar gemacht. Damit wird die Begleitung überdurchschnittlich belasteter Soldatinnen und Soldaten verbessert.”

Weitere Maßnahmen zur engeren Einbindung des KSK in das Heer wurden bereits angestoßen oder umgesetzt. Damit die Soldaten, obwohl sie die Elite der Bundeswehr sind und entsprechende Achtung verdienen, immer auf dem Boden der Gesetze und des Rechtsstaates bleiben.

Der Abschlussbericht ist hier abrufbar.

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