Sahel-“Task Force” nimmt Form an

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Verteidigungsministerin Florence Parly besucht das französische Kontingent in Mali.(Foto: État-Major des Armées)

Die französische Verteidigungsministerin Florence Parly hat die Entscheidung der rumänischen Regierung ausdrücklich begrüßt, 45 Soldaten nach Mali zur “Task Force Takuba” entsenden zu wollen. Dieser Einsatzverband, hauptsächlich aus Spezialkräften bestehend, ist am 27. März des vergangenen Jahres von mehreren europäischen Staaten beschlossen worden, um Frankreichs “Opération Barkhane” gegen terroristische Islamistengruppen in der Sahel-Zone zu unterstützen. “Takuba” heißt ein afrikanisches Schwert, das vor allem von den Tuareg, aber auch von anderen nord- und westafrikanischen Ethnien benutzt wurde.

Initiiert hatte Ministerin Parly diese europäische “Task Force” in einer Rede zum Anti-Terror-Kampf, die sie am 13. Juni 2019 im südfranzösischen Pau gehalten hatte. Auf Ersuchen Nigers und Malis erklärten schließlich Belgien, Dänemark, Deutschland, Estland, Großbritannien, die Niederlande, Norwegen, Portugal, Schweden und Tschechien ihre politische Hilfsbereitschaft. Bis auf die Bundesrepublik, Norwegen, die Tschechische Republik und das Vereinigte Königreich haben alle anderen Staaten militärisches Personal für “Takuba” zugesagt. Italien will dem Verband im Sommer mit bis zu 200 Soldaten beitreten. Auch Griechenland, Serbien und Ungarn haben ihr Interesse an einer Beteiligung bekundet. Unterstellt ist diese mittlerweile einsatzbereite “Task Force” dem französischen Kommando von “Barkhane”.

Der Auftrag von “Takuba” lautet: Beratung, Unterstützung und Begleitung der malischen Streitkräfte bei Kampfeinsätzen (engl.: 3A: “Advise, Assist, Accompany”). Dabei handele es sich um eine “integrierte Partnerschaft”, in der die FAMa (“Forces Armées Maliennes”) die entscheidungserzwingende “Manövriermasse” darstellten, so das französische Verteidigungsministerium. Üblicherweise begleitet eine Gruppe europäischer Spezialkräfte eine malische Kompanie, d.h. mehr als 100 Soldaten, bei ihren Operationen.

Aktuell verfügt die Task Force über rund 600 europäische Soldaten, die Hälfte davon Franzosen. “Unser Ziel ist es, auf 2.000 Mann im Rahmen von Takuba zu kommen”, so Staatspräsident Emmanuel Macron im Februar, “mit einem dauerhaften französischen Sockel von 500 Mann und einer Zusammenarbeit mit den Streitkräften der Region.”

Laut Pariser “Ministère des Armées” soll die “Task Force Takuba” die “Speerspitze” im Kampf Frankreichs und seiner europäischen Partner gegen bewaffnete Gruppen in der Sahel-Zone darstellen. Regional wird dabei eng zusammengearbeitet mit der G5-Sahel-Gruppe. Diese war auf einem Gipfeltreffen im Februar 2014 in der mauretanischen Hauptstadt Nouakchott von den Staatschefs aus Burkina Faso (dem ehemaligen Obervolta), Mali, Mauretanien, Niger und dem Tschad gegründet worden. Unmittelbarer Anlass waren die dschihadistische Offensive in den Süden Malis vom Januar 2013 mit anschließender französischer Gegenoffensive von 2.400 Soldaten im Rahmen der “Opération Serval”.

“Barkhane”

Während “Serval” auf Mali begrenzt war, hat im August 2014 die französische Nachfolgemission “Barkhane” in der Sahara und im Sahel begonnen. Aktuell sind dort 5.100 französische Soldaten stationiert. Die “Grande Nation” hat dabei bisher 55 Tote zu beklagen. An der französisch geführten Mission beteiligen sich außerdem 90 britische, 75 estnische, 70 dänische sowie 60 tschechische Soldaten.

Nach dem Staatsstreich in Bamako vom August 2020 hat das malische Militär im vergangenen Monat erneut geputscht. Daraufhin hat Frankreich am 3. Juni die militärische Zusammenarbeit mit den Streitkräften des westafrikanischen Landes eingestellt und sieben Tage später hat Präsident Macron das baldige Ende der “Opération Barkhane” angekündigt. Künftig solle eine internationale Truppe den Kampf gegen islamistische Rebellen fortführen. Dabei sei geplant, dass die Streitkräfte aus den Sahel-Staaten den personellen Schwerpunkt bilden. Die neue “Task Force Takuba” wird dabei höchstens in ihrer 3A-Funktion (s.o.) tätig werden.

MINUSMA und EUTM Mali

Nicht unerwähnt soll an dieser Stelle bleiben, dass neben den Franzosen auch noch die UNO und die Europäische Union in der Sahel-Region militärisch aktiv sind. An der Stabilisierungsmission MINUSMA (“Mission multidimensionnelle intégrée des Nations Unies pour la stabilisation au Mali”) sind rund 13.000 Soldaten und 2.000 Polizisten aus 36 Staaten beteiligt. An der EU-Ausbildungsmission EUTM (“European Union Training Mission”) Mali nehmen rund 1.000 Soldaten aus 28 Staaten – darunter Frankreich – teil. Gegenwärtig dienen rund 900 Bundeswehr-Angehörige im Rahmen von MINUSMA und rund 100 im Rahmen von EUTM Mali in Westafrika.

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