Grundsatzrede des Inspekteurs Marine

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Der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Kay-Achim Schönbach, beschrieb in seiner ersten Grundsatzrede nicht nur die Probleme, sondern auch Lösungsmöglichkeiten, die sich aus dem Eckpunktepapier ergeben können. (Foto: Bundeswehr/Marcel Kröncke)

Nach 100 Tagen im Amt hielt der Inspekteur Marine, Vizeadmiral Kay-Achim Schönbach, heute vor der Marineunteroffizierschule seine erste Grundsatzrede. Hierbei ging der Inspekteur besonders auf die Folgerungen aus dem Eckpunktepapier zur Bundeswehrreform für die Marine ein.

“Das Eckpunktepapier liefert uns gute Ansätze und stellt eine hervorragende Chance für unsere Marine dar”, sagte Vizeadmiral Schönbach. “Mit der Aufstellung eines zukünftigen Systemhauses See soll ein wichtiger Schritt getan werden, um die Instandsetzung unserer Einheiten zu beschleunigen und Teile der Nutzung besser zu gestalten. Hierzu gibt es unterschiedlichste Überlegungen, die noch nicht abschließend geprüft sind. Eine Idee könnte sein, zunächst das Marineunterstützungskommando als Nukleus zu betrachten und das Marinearsenal hinzuzufügen sowie langfristig um weitere Partner zu ergänzen. Die teilweise katastrophalen Zeitlinien bei Werftvorhaben könnten so hoffentlich deutlich verbessert werden”, betonte der Inspekteur. “Die Instandsetzung muss wieder der Einsatzbereitschaft dienen und nicht der größte Stein auf dem Weg dorthin sein.”

Führung und das Maritime Warfare Center

Das zweite wichtige neue Element sei das durch das Eckpunktepapier beschlossene Maritime Warfare Center, dessen Kern wahrscheinlich das Taktikzentrum der Marine in Bremerhaven bilden wird. “Ein zukünftiges Maritime Warfare Center ermöglicht die Verzahnung von Doktrin- und Taktikentwicklung, Übungsvorhaben, synthetischer Ausbildung und der Erprobung von Einsatzverfahren. Genauso sollen die Expertise und Erfahrungen unserer Flotte direkt mit der Weiterentwicklung und Ausbildung verbunden werden. Ein solches Maritimes Warfare Center bringt deutliche Vorteile für die Einsatzbereitschaft der Flotte sowie unsere zukünftige operative Ausrichtung und Fähigkeiten.”

Des Weiteren seien die Vorgaben des Eckpunktepapiers bezüglich der Sicherstellung der Führungsfähigkeit umzusetzen. Hierfür habe er bereits im Vorfeld der Veröffentlichung des Eckpunktepapiers die Untersuchung für die Anpassung der Führungsstruktur der Marine beauftragt, um die operative Ausrichtung zu stärken und die Schnittstellen insbesondere mit dem nachgeordneten Bereich zu vereinfachen, so Vizeadmiral Schönbach. “Meine Absicht dabei ist, den Bereich des Befehlshabers im Sinne der Landes- und Bündnisverteidigung zu stärken. Eine Option wäre deshalb, die operativen und gegebenenfalls. auch logistischen Führungsanteile von den Aufgaben meines Stabes in der Funktion einer höheren Kommandobehörde zu trennen, um die Verantwortung für die Flotte und Unterstützungskräfte unter ihrem Befehlshaber zu stärken. Ziel soll eine klare Trennung von prozessualen Verfahren und klassischen Führungsaufgaben sein.”

Steigende Bedrohungslage

Viele der durch das Eckpunktepapier angestoßenen Neuerungen seien auch dringend notwendig. “Ich habe häufig den Eindruck, dass bei unseren Alliierten und Partnern die Deutsche Marine als zahnloser Tiger wahrgenommen wird. Unsere Professionalität wird allgemein geschätzt, jedoch fehlt nach Wahrnehmung unserer Partner der ‘Up-threat’, die Ausrichtung auf die Bedrohung der deutschen Marine. Mit Blick auf die Bedrohungsanalyse der NATO ergibt sich jedoch die Notwendigkeit, nicht nur defensiv handeln zu können. Russland und China rüsten stetig auf. Allein China hat in den letzten vier Jahren Schiffe in der Zahl der gesamten französischen Marine in Dienst gestellt und ein enges Netzwerk an weltweit verteilten Marinestützpunkten aufgebaut. Dabei geht es offensichtlich nicht nur um die Sicherung der Handelswege oder einen sichtbaren Beitrag zum Konfliktmanagement, sondern vor allem um Machtprojektion”, beschreibt Vizeadmiral Schönbach.

Die Marine steht vor “wirklich großen Problemen”

Dieser steigenden Bedrohung stehe allerdings eine Marine gegenüber, die tatsächlich nicht den Ansprüchen und Anforderungen genüge. So habe er bei seiner Antrittsreise erleben müssen, dass dem leistungswilligen Personal, den hoch motivierten Soldatinnen und Soldaten, eine ungenügende Ausrüstung gegenüber stehe. “Man könnte meinen, nichts ist gut in unserer Marine”, sagte der Inspekteur. “Die Marine steht gegenwärtig nicht nur vor Herausforderungen, wie vielfach relativierend formuliert wird – die Marine steht vor wirklich großen Problemen und die müssen wir auch ehrlich so benennen.”

Vorgaben würden zum Hemmschuh. “Instandsetzungs- und Beschaffungsvorhaben verzögern sich viel zu oft, die Auftragserfüllung im Zeitrahmen scheint im Wirkungsdreieck BAAINBw – Industrie – Marine nicht mehr möglich”, so der Inspekteur. Die verbleibenden einsatzbereiten Einheiten seien mit der Erfüllung von Aufträgen langfristig ausgelastet, zu Lasten der Ausbildung und Übungen. So scheitere das Training des hochintensiven Gefechts, das für die Landes- und Bündnisverteidigung allerdings dringend geübt werden müsse, regelmäßig am Mangel an Spielraum in den Jahresplanungen, weil die Einheiten bereits in anderen Aufträgen gebunden sind.

Die hoch motivierten Soldatinnen und Soldaten der Marine, die noch manches möglich machen würden, verschleierten dabei das ganze Ausmaß des Problems. “Das ist unser Dilemma”, sagte Vizeadmiral Schönbach. “Trotz widrigster Umstände machen wir stets alles möglich. Wie schon angesprochen, schicken wir trotz einer katastrophalen Instandsetzungslage in der Marine die Fregatte BAYERN in den Pazifik. Die allgemeine Wahrnehmung, insbesondere im fernen Berlin, ist dann meist ‘geht doch!’. Das Preisschild, nämlich, dass wir dafür die halbe Flotte auf den Kopf stellen mussten und die Besatzungen an ihre Belastungsgrenze bringen, geht dagegen meist im Nebel des Krieges unter.”

1 Kommentar

  1. Hätte man vor mehr als 10 Jahren mal anstatt der Patrouillenfregatte F125 ein vollausgestattes Kriegsschiff (ähnlich wie die Fremm-Klasse oder F-100 Klasse) mit ASW (anti submarine warfare) und AAW (anti air warfare) Fähigkeiten beschafft, wäre die Marine jetzt besser dran. Zur Landes- und Bündnisverteidigung kann die F125 nicht wirklich beitragen. Die 4 F125 Fregatten können es eigentlich gar nicht mit Schiffen in ihrer Größenordung aufnehmen, da ihnen einfach die Bewaffnung fehlt. 127mm Geschütz, aber kein VLS für Raketen oder ein Sonar mit Torpedos zur U-Boot Abwehr. Die F125 kann sich bestenfalls selbst verteidigen, aber z.B. bei einer Carrier Strike Group die Luftverteidigung übernehmen so wie 2013 die Hessen, ist schon alleine von der Geschwindigkeit (maximal 26 Kn) nicht drin. Auch alleine z.B. in Ostsee wäre die F125 gegenüber U-Booten verwundbar und bräuchte immer Geleitschutz. Alles in Allem eine komplette kurzsichtige Fehlplanung von der Politik. Schiffe nur für ein spezielles Einsatzprofil (Stabilisierungseinsätze) zu beschaffen, welches ja nicht mal die Kernaufgabe der BW ist, war einfach nur ein großer Fehler. Das wird noch über jahrzehnte ein Problem darstellen, da einfach Schiffe für bestimmte Aufgaben fehlen. Aber ausbaden muss das natürlich die Bundeswehr, obwohl es nicht ihre Schuld ist.

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