BaWü 4.0: Es brennt bei der Cyber-Sicherheit

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Cyber-Sicherheit müsse bei der Verwaltungsdigitalisierung weiter in den Fokus genommen werden, so der CIO des Landes Baden-Württemberg, Stefan Krebs. (Foto: TheDigitalWay, pixabay.com)

In Baden-Württemberg schreitet die Digitalisierung der Verwaltung in großen Schritten voran. So sieht es zumindest der CIO des Landes, Stefan Krebs. Auf dem Kongress “Baden-Württemberg 4.0” macht er aber auch deutlich: Das Thema Cyber-Sicherheit muss weiter im Fokus bleiben. Immer wieder gebe es erfolgreiche Angriffe.

“Es ist unbedingt erforderlich, dass wir uns dem Thema zuwenden”, fordert Krebs. Unabdingbar sei in dieser Hinsicht zum Beispiel, alle Vorhaben nach dem Prinzip “Security by Design” zu entwickeln. In Baden-Württemberg würden darüber hinaus alle Standards des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) angewandt. Außerdem führe man in den Behörden regelmäßige Stresstests durch, um die IT-Sicherheitsstrukturen zu überprüfen.

Personal ist ein Schlüsselfaktor

Wie der Landes-CIO weiter ausführt, habe das Land als weitere Maßnahme eine Cyber-Sicherheitsagentur gegründet.  Ziel sei es, in den Landesbehörden bereits vorhandenes Know-How zu bündeln und Doppelstrukturen abzuschaffen. So sollen Synergieeffekte entstehen. Um mehr Personal für den Bereich der Cyber-Sicherheit zu gewinnen, unterstütze das Land laut Krebs einen neuen dualen Studiengang mit Vertiefungsschwerpunkt Cyber-Sicherheit.

Auch insgesamt ist das Personal ein Schlüsselfaktor für eine erfolgreiche Verwaltungsdigitalisierung. Insgesamt schätzt Krebs die Digital-Fitness der Verwaltungsangestellten in Baden-Württemberg als “gut” ein. Gerade auf kommunaler Ebene gebe es jedoch noch einige Mitarbeiter, die sich dem Thema lediglich mit “gedämpftem Optimismus” widmen würden, zum Beispiel wegen des Drucks aus der Tagesarbeit heraus. Um dem entgegenzutreten und die digitalen Kompetenzen der Landes-, Kreis- und Kommunalverwaltungen zu stärken, gebe es die Digitalakademie BW, erläutert Krebs. Auf die Entwicklung des Weiterbildungsangebots ist er stolz: “Mehr als jeder dritte Kommunalverwaltung nutzt Angebote der Plattform, andere Bundesländer bauen das Modell nach.” Um mehr digitale Kompetenz in die Verwaltung zu bringen, sei im neuen Koalitionsvertrag der Landesregierung außerdem festgehalten, externen Sachverstand einzubinden.

Den Bürger in den Fokus nehmen

Bei der Verwaltungsdigitalisierung auf kommunaler Ebene darf jedoch nicht nur ans eigene Personal gedacht werden. Die Stadt Ulm setzt konsequent darauf, Digitalisierung vom Bürger her zu denken und möglichst viele auf dem Weg mitzunehmen. “Wir beziehen die Bürger mit sehr unterschiedlichen Beteiligungsformaten mit ein”, sagt Sabine Meigel, Leiterin der Geschäftsstelle Digitale Agenda der Stadt Ulm. So werde in Kürze ein Beteiligungscontainer in der Stadtmitte aufgestellt, wo Interessierte sich informieren und beteiligen könnten. Alternative Formate wie Spaziergänge seien wegen Corona entwickelt worden.

“Darüber hinaus wollen wir bei der Digitalisierung auch benachteiligte Personengruppen im Blick haben”, so Meigel weiter. So gebe es unter dem Titel “Ulmer Nest” Mini-Unterkünfte für Obdachlose. Diese Unterkünfte könnten Statusdaten via Long Range Wide Area Network (LoRaWAN) übermitteln. Auch Ältere sind im Fokus der Stadt: Junge, technikaffine Menschen stünden als “Digitalmentoren” für Menschen bereit, die Hilfe mit digitalen Anwendungen bräuchten. Ein anderes Projekt, welches ältere Personen betrifft, sei durch Corona ausgebremst worden, berichtet Meigel. Die Stadt habe eine Musterwohnung “Leben im Alter” eingerichtet, in der viele digitale Lösungen wie ein smarter Tablettenspender oder eine universelle Fernbedienung ausprobiert würden. Aufgrund der Pandemie konnten bis jetzt nur wenige Menschen die Wohnung ausprobieren.

Auf dem Weg zur Smart City lege Ulm darüber hinaus Wert auf Nachhaltigkeit und das Prinzip “Offene Daten”. So gebe es in Echtzeit öffentlich einsehbare Messdaten, die von Luft- und Klimasensoren gemessen würden. “Dadurch soll die Klima- und Verkehrsbelastung aufgezeigt werden. Auch wollen wir lernen, wie wir mit den Daten in Zukunft umgehen wollen”, sagt Meigel. Für den Umgang mit Daten habe die Stadt ein Datenethikkonzept erarbeitet, dem eine breite politische und gesellschaftliche Diskussion vorausgegangen sei.

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