Ex-Verteidigungsminister Rumsfeld gestorben

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(Foto: BS, U.S. DoD, Andy Dunaway)

Der ehemalige Pentagon-Chef Donald H. Rumsfeld (Foto) ist jetzt im Alter von 88 Jahren gestorben. Der amtierende Verteidigungsminister Lloyd J. Austin III würdigte seinen Amtsvorgänger aus diesem Anlass mit folgendem Statement: “Während seiner bemerkenswerten Karriere, vom Kongress über das Weiße Haus bis zum Pentagon, war Minister Rumsfeld angetrieben von seiner grenzenlosen Energie, seinem tiefgründigen Intellekt und seinem beständigen Einsatz, seinem Land zu dienen.”

Rumsfeld war sowohl der jüngste als auch der älteste Pentagon-Chef in der US-Geschichte gewesen: Er war 43 Jahre alt, als er 1975 der 13. Verteidigungsminister unter Präsident Gerald R. Ford wurde, und 74 Jahre alt, als er 2006 aus dem Amt des 21. Pentagon-Chefs in der Administration von George W. Bush schied.

Deutschland

Geradezu legendär ist in Deutschland sein Zusammenprall mit dem damaligen grünen Außenminister Joschka Fischer während der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) im Februar 2003 geworden. Dazu schreibt der deutsche Politiker in seinen Memoiren: “Die Begrüßung mit Donald Rumsfeld war von beiderseitiger freundlicher Kälte.” Kurze Zeit später bei seiner Rede wollte er der amerikanischen Zuhörerschaft klarmachen, “warum ich anders als beim Kosovo, Mazedonien und Afghanistan, nicht für diesen Krieg (gegen den Irak; G.P.) eintreten konnte – weil ich von den vorgebrachten Gründen für diesen Krieg nicht überzeugt war: ‘Excuse me, I am not convinced!'”

Fischer nannte sogar den zweiten Teil seiner Außenminister-Erinnerungen “I am not convinced”. In seinem Personenregister taucht der Name “Rumsfeld” auf zwölf Seiten auf. Umgekehrt erscheint der Name “Fischer” in den Rumsfeld-Memoiren “Known and Unknown” überhaupt nicht. Im Monat vor der MSC hatte der damalige US-Verteidigungsminister in Washington vor der ausländischen Presse im Zusammenhang mit der kritischen Haltung des französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac und des deutschen Bundeskanzlers Gerhard Schröder – der immerhin auf zwei Seiten der Rumsfeld-Erinnerungen vorkommt – zum geplanten Irakkrieg beide als Vertreter des “alten Europa” bezeichnet. “Old Europe” und “not convinced” gelten als Tiefpunkte im bilateralen “Zerwürfnis” (BMVg) zwischen der Bundesrepublik und den Vereinigten Staaten. Damals hätte man sich noch nicht vorstellen können, dass später ein US-Präsident Trump dieses deutsch-amerikanische Zerwürfnis während seiner Amtszeit noch toppen würde.

Rückblick

Einer von Rumsfelds Urgroßvätern väterlicherseits stammt aus dem niedersächsischen Weyhe. Während seines Militärdienstes in den 1950er Jahren flog Leutnant Rumsfeld das trägergestützte U-Boot-Jagdflugzeug Grumman S-2 “Tracker” der Marine, nachdem er zuvor im Rahmen des Reserveoffizier-Ausbildungsprogramms (ROTC) der US-Streitkräfte an der Elite-Universität Princeton Politikwissenschaft studiert hatte.

Nach Tätigkeiten im Bankensektor und als Wahlkampfmanager von zwei republikanischen Kongressabgeordneten betrat er selbst die politische Arena und wurde in den 1960er Jahren für seinen Heimatstaat Illinois in das US-Repräsentantenhaus gewählt. In der ersten Hälfte der 1970er Jahre war Rumsfeld unter Präsident Richard M. Nixon Berater im Weißen Haus und amerikanischer NATO-Botschafter in Brüssel. In der anschließenden Ford-Administration war er zuerst Stabschef des Weißen Hauses und dann Verteidigungsminister. Henry Kissinger schreibt in seinen Memoiren zur Ford-Präsidentschaft, dass Rumsfeld im Kabinett nicht kollegial zu den anderen Ministern gewesen sei und unterstellt ihm Ambitionen auf das höchste Staatsamt in den USA.

In den 1980er und 1990er Jahren war Rumsfeld in leitenden Positionen bei zwei “Fortune 500”-Unternehmen tätig, bevor er 2001 wieder als Minister ins Pentagon einzog. Er befand sich im Gebäude, als American Airlines Flug Nr. 77 am 11. September desselben Jahres in das Verteidigungsministerium krachte. In Filmaufnahmen sieht man Rumsfeld, wie er mit anpackt, Verletzte zu evakuieren. Am selben Abend gab er eine Pressekonferenz aus dem noch qualmenden Gebäude.

Fazit

“Nine/Eleven” zeigte aber auch, dass im Krieg niemand “saubere Hände” behalten kann: Man denke in diesem Zusammenhang an die Massenvernichtungswaffen-Begründung für den Irakkrieg, den Einsatz von Kampfdrohnen, die Anwendung von umstrittenen Verhörmethoden in den Militärgefängnissen von Guantánamo auf Kuba und Abu Ghraib im Irak etc.

Einen Tag nach der Niederlage der Republikaner bei den Kongresswahlen im November 2006 verkündete Präsident Bush Rumsfelds Rücktritt als Verteidigungsminister. Damit endete eine schillernde Politikerkarriere mit viel Licht und Schatten.

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